Cold Cave – 24.03.2017 – Köln, Blue Shell

Wesley Eisold kann sich wohl selbst als Headmaster einiger Bandprojekte bezeichnen, die vom energischen Hardcore von Some Girls und American Nightmare zunehmend in die rhythmischen Post Punk-Gefilde schlitterten, um dort ihre Affinität zu Synthesizern langsam und progressiv zu verfeinern. 2009 etablierte sich sein jüngstes Projekt Cold Cave in der Dark Wave Szene und erlangte nicht zuletzt durch den Support von Skatelegende Tony Hawk an Bekanntheit. Sein prominentester Fan engagierte ihn sogar für seine Hochzeit, um den Zeitgeist der 80-er Jahre erneut aufleben zu lassen und authentische Cover von The Cure sind nur eine von wenigen Darbietungen, die Eisold aus dem Stegreif zu beherrschen pflegt. Am 24. März 2017 kündigten Cold Cave nun ihr Comeback in Deutschland an und bespielten das Blue Shell, um ihrer Vergangenheit einen Abend lang Tribut zu zollen. Verzichtet wurde hierbei auf großen Einsatz von Lichtquellen  und Künstler wie auch Performance verschwanden innerhalb weniger Minuten in einem inszenierten Nebelmeer. Wir waren live vor Ort, um den Schleier zu lüften und ihre Geheimnisse zu enthüllen.

Als Vorband hielt die ebenfalls aus den dunklen Gefilden entstammende Formation Drab Majesty ihre Setlist bereit. Düster anmutend in einer Cyberpunkmanier, wie man sie aus Filmklassikern wie Blade Runner erwartet hätte. Das Soloprojekt von Deb DeMure  bildet ein Alter Ego des aus LA stammenden Andrew Clinco und strotzt vor futuristischem Flair. Mit einer Mischung aus in Reverb getauchten Gitarreneffekten und Synth Basslines kombiniert mit rhythmischem Drum Machines, spielte auch er subtil auf den New Wave der 80er Jahre an. Optische Verblendung demonstrierte sich durch seine gekonnte Gothikpräsenz in schwarzer Kutte und einer breitkrempigen Kapuze, die sein Gesicht fast völlig verhüllte und nur den weißen Haaransatz seiner Perrücke, die blassgeschminkte Haut und schwarze Lippenkonturen offenbarte. Die von Hall überlagerte Stimme sorgte für The Cure-Analogien, die sich mit der Frühphase von Depeche Mode vermischten und die Bühnenpräsenz zeugte von stoischer Ruhe.

So gekonnt kostümiert wurde schnell bewusst, dass sich der Künstler nicht nur als musikalisches Projekt inszeniert, sondern mit den Möglichkeiten von verfremdeter Identität agiert, bei der das Resultat sowohl androgyn, als auch harlequinesk ausfällt. Im Januar erschien ihre letzte Veröffentlichung The Demonstration, die in der Tat mehr als demonstrativ war. Die eher ruhigen, melancholischen Songs in langsamen Tempo äußerten sich in einem kontrastreichen Einstieg zu Cold Cave. ,,Not Just a Name”, ,,Cold Souls” oder ,,Too Soon to Tell” muteten verträumt an und ließen in den ersten Reihen manchen Zuschauer abdriften, während bläuliche Spotlights die Silhouetten der Musiker ins rechte Licht rückten. Die Zeit verging leider viel zu schnell, sodass die beiden Musiker ihr Set frühzeitig verkürzen mussten und keine Zugabe mehr spielen konnten. Die im Anschluss stattfindende Umbaupause von 30 Minuten stimmte das Publikum jedoch skeptisch.Wer sich das Bühnenkonzept noch nicht ganz visuell vorstellen kann, sollte vielleicht einen genaueres Augenmerk auf ihre Musikvideos richten:

Die Dreierformation von Cold Cave stimmte sich gleichermaßen esoterisch auf ihre Show ein. Stichwort: Hall und Rauch. So zündete der Synthie Instructor vor Beginn der Show erstmal als Eingangsritual ein Sandelholz auf der Bühne an und ließ den Duft dezent im Raum verfliegen. Auf seiner Stirn zeichneten sich die Umrisse tätowierter Fledermausflügel. Okkult oder einfach nur ein offensives Goth-Statement? Obgleich hier ein optisch düsterer Eindruck entstanden ist, wirkt ihre Musik kaum bedrückend und wird durch Hall und schnelle Rhythmen belebt. Über einen Projektor wurden die Lettern ,,People are poison” an die Wand projiziert und bevor der erste Song angespielt wurde, war die komplette Bühne samt Besetzung in einem Nebelmeer verschwunden und Musik ertönte wie von Geisterhand. Selbst die Tasten von Synths und Keyboard waren nur sporadisch ausgeleuchtet, das Gesamtbild schwarz in diffusem Licht.

In der Setlist tauchten am meisten Tracks ihres 2014 erschienen Werks Full Cold Moon und dessen Vorgänger Cherish The Light Years (2011) auf, die effektverzerrten Gesang mit eingängigen Melodien kombinierten und in Cold Wave ausliefen. Es wurde zu poetisch-symbolischen Passagen genickt, getanzt und mitgesungen. Das größtenteils ältere Publikum wusste ihre Sounds natürlich vor allem wegen der 80’s Wave-Garantie zu schätzen. Da störte es auch nicht, dass 70 Prozent der Zeit die eigenen Hände im Nebel nicht mehr erkennbar waren. Die Show fusionierte quasi zu einer 80er Party mit Live-Besetzung, die einen experimentellen Höhenflug erlebte. Noise, Scream und Futurismus-Anklang bis zum überraschenden Technoeinschlag. Die komplette Bandbreite wurde geboten und nicht zuletzt mit einer Zugabe beendet. Da verwundert es kaum, dass sogar Anders Trentemoller sich ihrer Melodien auf seiner aktuellsten Platte Fixion bediente.

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Denise Schmid

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