Bohren & der Club of Gore – 29.03.2017 – Köln, Kulturkirche

Das Osterfest rückt näher und damit vielleicht für den ein oder anderen auch ein Besuch in der Kirche. Dass man nicht gläubig sein muss, um ein Gotteshaus zu besuchen wird aber spätestens beim Blick auf das Konzertprogramm der Kulturkirche Köln klar. Wir haben die Gelegenheit schon Ende März beim Schopf gepackt, denn da waren niemand anderes als Bohren & der Club of Gore in Köln zu Gast.

Der brachiale Name der Gruppe verweist noch heute auf die Wurzeln und Inspirationsquellen des Clubs. Die Bandgeschichte geht zurück in das Jahr 1988: Vier Freunde aus Schulzeiten, die eine gemeinsame Passion für düsterdunklen Grindcore, Hardcore, Death- und Doom Metal teilten, gründeten die Band. Innerhalb der letzten 29 Jahre hat sich in puncto Bandbesetzung und musikalischem Stil einiges getan. Seit 1997 sind Bohren & der Club of Gore ein Trio, bestehend aus Robin Rodenberg, Morten Gass und Christoph Clöser. Gemeinsam verschreiben sich die Herren einer ganz eigenen Musik, nach persönlichen Angaben ist diese als „uneventful music“ zu verstehen. Klanglich orientiert sich diese musikalische Entschleunigungstherapie an Doom, Jazz und irgendwie auch an Gamelanmusik.

Clöser, Gass und Rodenberg schafften es mit Leichtigkeit für einen ausverkauften Kirchensaal zu sorgen und pünktlich scharrten die Fans noch vor verschlossenem Tor mit den Füßen, um endlich Punkt 19.00 Uhr hereingelassen zu werden. Schnell nahmen die Liebhaber der langsamen Töne Platz auf den Kirchenbänken und warteten andächtig auf Bohren & der Club of Gore. Durch eine extrem dunkle Bühne und eine sehr eifrige Nebelmaschine gab es von den Musikern nur Silhouetten zu sehen, als sie die Bühne betraten. Man wusste sich hier ganz klar in Szene zu setzen, oder eben .. aus der Szene. Was an diesem Abend folgte, war ein Wechsel zwischen Songperformance und kleinen Anekdoten der Band. Wortführer war bei diesen doch sehr erheiternden kleinen Zwischensprachen Christoph Clöser, der auch musikalisch mit seinem Saxophon an diesem Abend die Akzente setzte.

Ähnlich unaufgeregt die Sprechstimme von Clöser, der gewillt war, ab und zu etwas zu den Songs zu sagen. Clöser erzählte ein Song basiere nur auf drei Klängen, analog zum „Männerdreiklang- Trinken, Versagen, Jammern“. Clöser empfahl „stehen bleiben und demütig weitertrinken.“ Zwischen diesen doch sehr trockenen, vollkommen lebensbejahenden humoristischen Einschüben à la „Dieser Song ist über das Leben. Wie alle unsere Songs. Das Leben ist eine Kuh die auf den Gleisen steht und vom Zug platt gefahren wird.“, lieferte die Band mit ihrer sphärischen Musik die perfekte Alltagsflucht für das Publikum. Die Musik wirkt in ihrer absolut entschleunigten Art wie aus der Zeit gefallen, widerspricht allem was die Schnelllebigkeit im Hier und Jetzt ausmacht und ist dennoch modern und innovativ. Die Songs lassen sich unglaublich viel Zeit und machen nur für diejenigen eine Dramaturgie spürbar und hörbar, die sich darauf einlassen wollen. Mit den Klängen schwingt aber auch eine Nostalgie, etwas Vertrautes, Düsteres, das dennoch nicht unbehaglich wirkt und der perfekte Soundtrack zu einem Film Noir sein könnte.

Der Kontrast zwischen einem Humor, der an einen Valium betäubten Helge Schneider erinnert und den mysteriös dunklen, fast hypnotisierenden Sounds der Band machte diesen Konzertabend besonders einprägsam. Atmosphärisch profitierte er nicht zuletzt auch von der Location, die eine perfekte Symbiose aus Kirchenarchitektur und Musik ermöglichte.

 

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*Fotocredits: Thomas Diederichs

 

 

Maria Starfeld

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