Alex The Astronaut: Neue EP “To Whom It May Concern”

Sympathie trägt einen neuen Namen: Alex The Astronaut. Mit ihrer ersten EP liefert die Australierin ein Sammelsurium an leichtfüßigen, sorgenfreien Songs, die nach Feierabendbier im Sonnenuntergang klingen. To Whom It May Concern umfasst fünf Tracks, die ungeschminkte Geschichten aus dem Alltag erzählen, ohne sich anmaßen zu wollen, damit das emotionale Rad neu zu erfinden. Vielmehr sind es die kleinen Dinge, die Alex mit ihrer klaren Stimme besingt.

Was dabei rumkommt, sind Zeilen wie „Bus was late/ I don’t care/Guess it’s something to say“ oder “For my 7th birthday I was given a CD-player”, “My dad listened to Coldplay/ But I’d always ask him to play Cat Stevens/Again and again and again”. Damit stellt sie überzeugend unter Beweis, dass sich auch ohne die Verarbeitung einer schmerzhaften Trennung oder abgründiger Sorgen ganz gute Texte schreiben lassen. Musikalisch erinnert Alex The Astronaut mit ihren Indie-Klängen unter Folk-Einflüssen an die hiesigen Sympathieträgerinnen von BOY oder die Newcomerin Liza Flume.

Auch ein bisschen Heimweh steckt in der EP. Allzu viel Sonne dürfte die gebürtige Australierin in ihrer Wahlheimat New York in letzter Zeit wohl nicht abbekommen haben. Das Gefühl spiegelt sich neben kleineren Unsicherheiten in Singles wie „Half Of 21st Street“ oder „Rockstar City“ wider. Trotzdem wirkt Alex nicht gerade wie ein Kind großer Traurigkeit, das sich in Selbstmitleid verliert. Natürlich werden ihre Knie vor den Shows so fürchterlich weich; natürlich lädt New York zum Verlorengehen ein; natürlich gibt es Parkgebühren auf Krankenhaus-Parkplätzen; und natürlich ist dieser ganze Planet in eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit verstrickt. Aber wer könnte schon daran zugrunde gehen, wenn es doch die Musik als Allheilmittel gibt? So sieht Alex The Astronaut jedenfalls die Lage.

Beim Zuhören, wie sie in ihren Songs souverän zwischen klassischer Singer-Songwriter-Manier, poppigen Beats und Akustik-Gitarre hin- und herspringt, wird ein bisschen der Eindruck vermittelt, ihr beim Tagebuchschreiben einen Blick über die Schulter zu werfen. Vor allem „Rockstar City“ und „Already Home“ bergen definitiv Ohrwurm-Potential, doch auch die üblichen drei Tracks verdienen es, mal gehört zu werden. Wem die EP zu seicht ist, dem würde Alex wohl entgegen, dass die Welt da draußen hart genug ist. Sie selbst braucht keinen Gott und keine Freunde – Alex The Astronaut glaubt an Musik, das ist alles.

Die Vollzeit-Atheistin studiert übrigens zurzeit Mathematik und Physik, weswegen es bis zu ihrer nächsten Platte noch etwas dauern dürfte. Bis dahin müssen die fünf Tracks der EP vorerst ausreichen. Als kleines Schmankerl gibt es immerhin noch ein neues Musikvideo zu „Rockstar City“, in dem Alex dick eingepackt und vermummt durch die Straßen New Yorks zieht und nach und nach die Hüllen fallen lässt. To whom it may concern: Auf Tour wird Alex The Astronaut vorerst nur in Down Under zu sehen sein. Bleibt die Hoffnung, dass sie ihr Studium schleunigst beendet und bald auch in Europa durch die Konzerthallen zieht. Unter Beachtung des hierzulande herrschenden Vermummungsverbotes, versteht sich.

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Hannah Ruediger

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Hannah Ruediger

Studentin. Verrückt nach Foals. Außerdem Indie, Alternative, Dream Pop, Psychedelic Rock, Punkrock, Folk, Post-Punk, Afrobeats.

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