Cloud Nothings – 09.03.17 – Köln, Luxor

Von einer One-Man Show wird auch schon mal ironisch gesprochen, wenn sich eine Person in den Mittelpunkt zu stellen weiß. Ob das tatsächlich die Absicht von Apostille ist, der im wörtlichen Sinne als ein-Mann-Darbietung den Opener für Cloud Nothings am 9.3. im Kölner Luxor gab, ist schwer zu sagen. Schließlich war das, was dem Publikum an diesem Abend auf der überschaubaren Bühne geboten wurde, fast schon so abgedreht, dass es wiederum authentisch wirkte. So schienen die Konzertgänger weniger die Zuschauer einer geplanten Show zu sein, sondern mehr die unsichtbaren Gäste, die hinter dem Vorhang Augenzeuge einer ungebremsten Selbst-Eskapade werden. Das galt auch für die Musik, die hauptsächlich improvisiert rüber kam und dies sicher auch zu großen Teilen war. Mit einem Mix aus Elektropop, Synthiesound und Dark-Wave-Klängen gab es hier einen ganz speziellen Sound zu hören. Apostille alias Michael Kasparis heizte dem Publikum ein und auch wenn es sich eher verhalten zeigte, so wurde das Schaffen des Künstlers, der sich vor dem letzten Song nochmal schnell mit einem Keks stärken musste, mit Applaus honoriert.

Was das Verhalten angeht stand die folgende Band, der Hauptact an diesem Abend, in starkem Kontrast zum Einheizer. Zwischen „We are Cloud Nothings“ am Anfang und „We were Cloud Nothings“ zum Schluss gab es nicht viel von Jungs aus den Staaten zuhören. Zumindest was die Ansagen und Ansprachen zum Publikum anging. Das schien diesem jedoch nicht viel auszumachen, denn zwischen Begrüßung und Verabschiedung gab es viel tanz- und pogbare Musik von dem Quartett. Der Indie-Rock aus Ohio brachte den kleinen Kölner Club zum Brodeln, insbesondere von der Mitte aus. So weit sogar, dass sich die Fans kurzweilig nicht mehr halten konnten und so gegen die Monitorboxen der Band drücken, dass Bassist TJ Duke – mit einem kurzweilig verschmitzten Lächeln als Pause vom sonst sehr ernst-konzentrierten Gesichtsausdruck – erst einmal wieder alles gerade rücken musste.

Mit einer der raren Ansagen an das Publikum gab Sänger Dylan Baldi einen Hinweis auf die Setlist: Er merkte an, er wisse, dass die alten Songs gemocht sind, aber es gebe auch etwas Neues zu hören. Die Rede war von der neuen Platte, welche die Jungs neben ihren Saiteninstrumenten der Marken Fender- und Gibson im Gepäck dabei hatten. „Life Without Sound“ ist das fünfte Album der 2009 gegründeten Band. Davon spielte diese gleich zu Beginn der Show „Up to the Surface“ und „Modern Act“. Zwar folgten auch alte Stücke wie „Fall in“ des dritten Albums „Attack on Memory“ von 2012, aber das neue Album vorzustellen, schien die Mission der eher introvertiert wirkenden Gruppe gewesen zu sein.

Zu „I’m Not a Part of Me“ musste zweimal angesetzt werden, aber so ist das eben bei einer Liveshow. Sofort saß wieder alles so wie es die konzentrierten Gesichter vermuten ließen. Denn musikalisch versiert arbeiteten die einzelnen Bandmitglieder auf der Bühne gut zusammen und erwecken den Eindruck auch von ihren Charakteren her miteinander zu harmonieren. Ein wirklicher Bandleader war nicht auszumachen, alles schein auf einer Ebene und Augenhöhe abzulaufen.

Besonders die Schnelligkeit der Rhythmen ist bezeichnend für den Cloud-Nothings-Sound und dass hier speziell der Schlagzeuger Jayson Gerycz körperliche Höchstleistung erbrachte, war an seinem Schweiß auf der Stirn und dem auf den Drums abgelegtem Karo-Hemd zu sehen, sowie den Songs anzuhören. Ein interessanter Tempowechsel wurde im Lied „Psychic Trauma“ vom Album „Here and Nowhere Else“ live präsentiert und konnte den nicht ganz so Band-kundigen Konzertbesucher zur falschen Bewegung an falscher Stelle verleiten. Der Gesang rutschte immer wieder leicht ins Heisere ab, was der Musik sofort einen Grunge-Charakter verlieh und vielleicht live ein wenig mehr als auf den Studioaufnahmen herausstach. Besonders schön war auch das kleine Bass-Solo, das es einem warm ums Herz werden lassen konnte.

Egal wie bekannt die Songs den Besuchern an diesem Abend bereits gewesen waren, die Menge hatte ihren Spaß und ging bei neuen ebenso wie bei alten Songs der Cloud Nothings mit. Als die sichtlich erschöpften Musiker die Bühne verließen, erbaten sich die Zuschauer mehr, „one more song“, um genauer zu sein. Und sie bekamen mehr, zwei mehr sogar. Nach der kleinen Pause, die wohl für einen Energieschub mit Erdnüssen und die Entledigung eines zu warm gewordenen Pullis genutzt worden war, gab es um kurz vor 22 Uhr noch zwei kräftige Songs von früheren Alben, um sich dann endgültig von der Bühne zu verabschieden. Alles in allem ein gelungenes Konzert ohne viel Schnickschnack und mit ganz viel purer Musik-Freude.

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Fotos: Stefanie Zerres

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