Takis Würger – Der Club

Takis Würger ist preisgekrönter Journalist und Amateurboxer und hat am St. John’s College in Cambridge studiert. Mit seinem Debütroman Der Club, der heute erschienen ist, wagt Würger den Schritt in das Feld des literarischen Schreibens.

Wer sich vor der Lektüre von Der Club mit der Biographie des Autors auseinandergesetzt hat, erlebt ein Déjà-vu: Als Grundgerüst des Romans firmieren die ersten Lebensjahrzehnte eines Deutschen, der unter dem Alias Hans Stichler die verbrecherischen Machenschaften elitärer Clubs in Cambridge aufklären soll. Über die Details seines Auftrags wird Hans lange im Dunkeln gelassen und um die Clubs zu infiltrieren, bleibt ihm als Außenseiter nur der Weg über den Boxsport. Den größten Kampf gilt es aber, wie sollte es anders sein, außerhalb des Rings auszutragen.

Was stark autobiographische Züge erkennen lässt und bis dahin recht gewöhnlich klingt, stellt zum Glück nur die rudimentäre Basis von Der Club dar. Nach und nach entfalten sich vielfältige Handlungsstränge und Identitäten, ist der Roman doch multiperspektivisch erzählt und kann dadurch interessante Dynamiken entwickeln. Es sind gerade die Schilderungen aus den Perspektiven verschiedener Charaktere, die dafür sorgen, dass Würger trotz der sehr ernsten Vorfälle, die im Mittelpunkt von Hans Stichlers Erkundungen stehen, mit Leichtigkeit durch das Geschehen führt.

Zu diesem Eindruck trägt auch der erfreulich klare Stil Würgers bei. Er beweist den Mut, seine Sätze radikal bis zur Essenz zu kürzen. Das geht so weit, dass der Staccato-Stil des Autors trotz mehr oder minder ausformulierter Sätze zeitweise an einen stream of consciousness erinnert:

Einer der ersten Schläge bricht mir die Nase. Blut läuft meinen Rachen runter, schmeckt wie Kupfer. Woher weiß ich, wie Kupfer schmeckt? Jetzt aus der Distanz arbeiten.

Besonders hoch ist es ihm anzurechnen, dass diese auf das Wesentliche reduzierte Art des Erzählens sich schon nach wenigen Sätzen sehr natürlich anfühlt und den Lese- und Imaginationsfluss nicht stört, sondern im Gegenteil eher anregt.

Diese Linie behält der Roman auch auf struktureller Ebene bei. Mit circa 230 Seiten hat Der Club eine angemessene Länge. Die klare, wendungsreiche Struktur ist nicht überladen, lässt aber genug Raum für das Ausbreiten der Handlung und führt auch dazu, dass der Roman trotz seiner Perspektivenvielfalt nicht fragmentarisch wirkt.

Das Resultat ist ein durchweg spannender Einblick in die (fiktive?) Welt der Eliteuniversitäten und, noch wesentlicher, in das Seelenleben der Personen, die diese Orte und Institutionen zu dem machen, was sie sind.

Takis Würger: Der Club. Roman. Zürich, Kein & Aber 2017.  230 Seiten, 22 Euro.

 

Timo Poensgen

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Timo Poensgen

I like big books and I can not lie.

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