Thieves Like Us – Thieves Like Us

Das ehemalige Trio Thieves Like Us ging als Bandformation der Nullerjahre hervor und machte es sich zur Aufgabe den Discosound der 70er Jahre mit einem Retrofilter einzufangen, um uns sofort neben unseren Lieblingscharakteren der La-Boum-Ära auf der Tanzfläche zu platzieren. Vorerst konnte man ihre drei Mitglieder quer über den Kontinenten verorten, schnitt skandinavische und britische Sphären an, während regelmäßige Labelwechsel sie vom Pariser Kitsuné zu Seayou Records nach Berlin führten. Ihr 2012 zuletzt aufgenommenes Album Bleed Bleed Bleed reihte sich sogar bei Captured Tracks aus Brooklyn ein. Seitdem zogen fünf Jahre ins Land, zwei Drittel der Bandmitglieder schlugen andere Pfade ein und verabschiedeten sich an der Schwelle zum neuen Album, sodass jeder Release unter stetigem Besetzungswechsel seine individuellen Züge erhielt.

Initiator und Leadsänger Andy Grief stahl sich sozusagen im Alleingang davon und produzierte neun Tracks, die sich mit dem selbstbetitelten Thieves Like Us identifizieren, immer noch dem alten Raster entsprechen und seine Rückkehr verkünden. In dieser Dekade wird der Live-Bass von Thomas Franklin übernommen, Schlagzeuger Tore Kipping beweist sein Taktgefühl und Gitarrist Chris Wackrow übt sich in der Anwendung von Delay-Filtern. Ergänzung des atmosphärischen Parts von Grief findet sich dieses Mal gleich durch drei Backgroundsängerinnen: Martine Duverglas, Mia von Matt, sowie Monika Martinez.

Thieves Like Us. Photo: Pressefreigabe.

Nach wie vor scheint die omnipräsente Diskokugel über dem Konzept seiner Songs zu schweben und kommt nicht zum Stillstand. Reduzierte Synths und Groove-Elemente wurden durch Drums, Hi-Hat und subtil fuzzige Gitarrenriffs ersetzt, die in ein analoges Aufnahmeraster fallen. Ihre Genre-Einflüsse wurden trotz alledem nicht verworfen: Eine Mischung aus Italo Disco, Glam Punk und Krautrock, die auf eine Quintessenz French Touch treffen. Doch hinter jugendlichem Nostalgiekitsch, der auf die Erfüllung pubertärer Wunschvorstellungen zielt, liegen eine Menge Zartbitterstreusel begraben. Die eingängigen, vermeintlich positiv geladenen Songs, mausern sich mit ihren Lyrics zu sozialkritischen, introspektiven Themen mit melancholischem Abgang. Technologie, Militarisierung und Armut werden zum Leitmotiv auserkoren und zeitgleich mit geballtem Zynismus zu Discohymnen transformiert. Ihr Statement lautet: “We unify us all in dancing to the bad news”, denn natürliche Abstumpfung ist kein Grund sich in Verzicht zu üben.

Das Resultat äußert sich in einer komplett zugänglichen Electro-Pop-Platte, die einerseits mit eingängigen als auch tanzbaren Popnummern bestückt ist. Verglichen mit dem Vorgängeralbum erscheint sie jedoch weitaus roher in ihrer Aufnahmequalität und bietet konzeptuell kaum Neuerungen, sodass sie sich sehr einseitig präsentiert. Ihre erste Singleauskopplung ,,Broken Mirror” ist wie all ihre Tracks im Musikvideo cinematografisch in die Highlights der Popkultur eingebettet. Fast schon charakteristisch wird jedes ihrer Videos mit Szenen aus dramatischen Jugendfilmen ausgeschmückt, die mit der Tendenz Acid Youth versehen sind. Es handelt von der Tatsache an einer wichtigen Gabelung seines Lebens im Zwiespalt zu stehen und nicht zu wissen, wohin die Entscheidungen sie letztendlich führen. Um den Song etwas funkiger werden zu lassen, entstanden die Aufnahmen von Schlagzeug und Bass live im Studio. Gegen Ende verlangsamt er sich vehement und bricht in einem spacigen Outro, während die Spoken Word Samples einer britischen Freundin Gehör finden.

,,Dani” liefert den Einstiegstrack des Albums und kann wie ,,E-Problems” zu den poppigeren Abkömmlingen gezählt werden, die mit verspielt-verhallten Vocals den heimischen Karaoke-Abend adaptieren, der im bierseligen Zustand zu unerahnten Hüftschwüngen einlädt.

Die sozialkritischeren Lyrics schlagen sich im Songwriting von ,,Jennifer” und ,,Israel” nieder, die in redundanten Tempi mit einem Wechsel aus Schlagzeug- und Basseinsatz voranschreiten. ,,Moon” wird wohl einer der Tracks sein, bei denen man sich in trauter Zweisamkeit auf der Tanzfläche wiederfindet, wenn man den Szenen von La Boum Vertrauen schenkt. Schwelgende Synthesizer und Loops untermalen hier ein imaginäres Planetarium, das im echten Leben als kreisende Diskokugel zum Tragen kommt und die ersten verträumten Gedanken beschert. Mit ,,Shake the Light” liefert sich eine weitere entschleunigte Disco-Ode, dennoch wollen sich die Tracks insgesamt nicht von ihrer konzipierten Monotonie lösen und plätschern eher vor sich hin, als dass sie auf vielseitige emotionale Wendungen abzielen.

Thieves Like Us besitzt einen markanten Wiedererkennungswert, der sich wie ein roter Faden durch die aktuelle Platte zieht, kommt jedoch von der Vielfalt und Eingängigkeit ihrer Songs nicht ganz an ihren Vorgänger Bleed Bleed Bleed heran, was vermutlich der Reduzierung elektronischer Impulse geschuldet ist, sodass der zu erwartende Groove keinen vollendeten Höhepunkt erreicht.

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Photo credits: Pressefreigabe.

Denise Schmid

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