Aude Le Corff – Das zweite Leben des Monsieur Moustier

Aude Le Corff wurde 1977 in Tokio geboren. Sie ist eine französische Schriftstellerin, studierte Wirtschaft und Psychologie und lebt mit ihrer Familie in Nantes. Ihr Erstlingswerk „Bäume reisen nachts“ begeisterte viele Leser mit seiner gefühlvollen Art und der lebensnahen Charakterdarstellung.

„Das zweite Leben des Monsieur Moustier“ ist Aude Le Corffs zweiter Roman. Wie schon in ihrem ersten Werk geht es auch hier um zwischenmenschliche Beziehungen, um fehlende Väter und die Auswirkung auf die Persönlichkeit des Kindes, sowie den zweiten Weltkrieg und den Kampf gegen Deutschland aus der Sicht der Franzosen.

Dieses Mal begleiten wir eine junge Pariser Schriftstellerin und erleben den Roman durch ihre Augen.

Mit dem zweiten Kind schwanger sehnt sie sich nach der Ruhe auf dem Land und findet zusammen mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter bald ein Häuschen in der Bretagne. Sie verbringt ihre Tage zu Hause und schreibt von dort ihre Bücher. Eines Tages steht ein alter Mann im Wohnzimmer und behandelt sie wie einen Eindringling. Schnell stellt sich heraus, dass der wortkarge Mann Guy heißt und der ehemalige Besitzer des Hauses ist. Von seinen beiden Töchtern wurde er in ein nahegelegenes Altenheim gebracht, um dort gut versorgt seine letzten Tage zu verbringen. Allerdings hat ihm niemand den Schlüssel zum Haus abgenommen und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Guy kommt regelmäßig „nach Hause“ und kümmert sich dort um den Garten oder geht seinen handwerklichen Tätigkeiten im Keller nach. Er verhält sich nach wie vor wie der Besitzer und zeigt sehr deutlich, dass er den Einzug der Familie in sein Haus nicht gutheißt.

Allmählich lernen sich die beiden näher kennen, es entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft und jeder erfährt Stück für Stück von der Vergangenheit des anderen und lernt dadurch mit erlebten Familienproblemen und Kindheitstraumata besser umzugehen.

Im Text springt Aude Le Corff oft zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her, ebenso in der Thematik. Ist die Protagonistin gerade noch an ihrem Schreibtisch mit Guy beschäftigt, befinden wir uns gleich im nächsten Moment in ihrer Vergangenheit und bei den Problemen mit ihrem Vater.

In ihrem Erstling „Bäume reisen nachts“ nahm Aude Le Corff uns mit auf eine wunderbare Reise durch Frankreich, ihre Charaktere fühlten sich vertraut an und am Ende des Buches fiel der Abschied schwer. Ebenso die Zitate und Verbindungen zum kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry machten das Buch lebendig.

Leider hat Aude Le Corff das bei „Das zweite Leben des Monsieur Moustier“ nicht geschafft. Die Textpassagen waren langatmig und die Tiefgründigkeit der Charaktere fehlte. Das gesamte Buch dreht sich bei der Thematik im Kreis und auch kurze Einschübe aktuellerer Ereignisse konnten das leider nicht auflockern.


Diese Rezension ist im Rahmen einer Kooperation mit Schülerinnen und Schülern des Bildungsgangs Buchhandel am Joseph-DuMont-Berufskolleg Köln (JDBK-Köln) entstanden.


Aude Le Corff: Das zweite Leben des Monsieur Moustier. Insel Verlag, Taschenbuch. Roman, 186 Seiten, 12,95 Euro.

Carina Rettig

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