Pool – 19.01.2017 – Leipzig, Täubchenthal

Pools Indie-Pop macht der Wehklagesaison einen Strich durch die Rechnung und steckt seine Hörer dahin, wo sie hingehören: in den Moment.

Es ist Winter und der damit verbundene Blues beinahe greifbar. Im Prinzip liefert uns die Jahreszeit perfekte Voraussetzungen, um sich im Bett zu verkrümeln, alle Alben von The National zu hören und über das ganze Leid nachzudenken, das einem von der Welt angetan wurde. Nicht, dass daran irgendetwas verwerflich wäre. Eine ordentliche Portion Selbstmitleid kann einen sehr heilenden Effekt haben. Nur kommt es eben – wie bei so vielen Dingen – auf das richtige Maß an.

Irgendwann hat jeder genug geweint. Irgendwann ist es Zeit, wieder Herr der eigenen Gefühlslage zu werden. Zu tanzen und zu schwitzen und zwischen all der schlechten Laune mal ein bisschen lebendig zu sein. Im Notfall braucht es einen guten Freund, um einen wieder auf die richtige Bahn zu lenken – oder eine gute Band. Eine Band wie Pool.

Die drei Hamburger Daniel Husten (Schlagzeug), David Stoltzenberg (Gesang, Bass) und Nils Hansen (Gesang, Gitarre) sind da, wenn sie gebraucht werden. Am 19. Januar starteten sie ihre Tour im Clubzimmer des Leipziger Täubchenthals. Club ist ein gutes Stichwort. Pool treten alleine auf, ohne Vorband und die Gruppe der Konzertbesucher ist überschaubar. Die ganze Sache könnte sich schnell in eine eingeschlafene So-la-la-Veranstaltung verwandeln.

Tut sie aber nicht. Wenig Menschen heißt nicht automatisch wenig Stimmung. Die Atmosphäre ist ausgelassen und fast schon familiär. Pool suchen Kontakt zu ihrem Publikum und spielen nicht einfach nur vor sich hin. Sie präsentieren überwiegend neue Songs, die – wie angekündigt – „schmutziger“ und „schweißiger“ klingen, ohne dabei die Pool-typische Leichtigkeit zu verlieren. Gleichzeitig ist auf der Setlist Platz für ältere Stücke wie „Forever Like That“, „Pink Pussy“ oder „Holding on to Summer“.

Pool sind Sommer. Ihr strahlender Indie-Pop macht alles ein bisschen einfacher. Wenn ihr Konzert zu Ende ist, ist es draußen wahrscheinlich immer noch kalt und Politiker mit schlechten Frisuren geben immer noch übelkeitserregende Dinge von sich, aber es lässt sich vorerst leichter ertragen. Ihre Musik rettet vielleicht nicht die Welt, aber den Abend. Wer ein Pool-Konzert besucht, lebt im Moment. Und manchmal reicht das eben schon.

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Ariane Seidl

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Ariane Seidl

Irgendwer zwischen Milhouse und Zoidberg. Körperklaus aus Leidenschaft, Hai-Fangirl aus Überzeugung.

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