José González & The String Theory – 19.01.17 – Düsseldorf, Capitol

José González ist eigentlich bekannt für seine leisen Töne, für seine ruhige schöne Stimme, die eine Tröstlichkeit transportiert, die man eigentlich nur von Singer-/Songwriter-Veteranen á la Cat Stevens oder James Taylor erwartet. Die zweite gemeinsame Tour mit tatkräftiger Unterstützung des Göteborger Orchesters The String Theory ließ aber schon erwarten, dass der Meister der leisen Töne diesmal etwas lauter daher kommen würde.

Am Donnerstagabend fanden sich ca. 1250 Fans im ausverkauften Theatersaal des Düsseldorfer Capitols ein, um mehr oder weniger pünktlich ihre Sitzplätze für das Konzert einzunehmen. Nicht nur das Entkommen vor der draußen herrschende Kälte stimmte die Fans munter, sondern auch die Vorfreude und Spannung auf das Konzert. Hier und da wurden noch Plätze gesucht, als immer mehr Nebel die eindrucksvolle Anzahl von Instrumenten auf der Bühne verschleierte. Mit etwas Verspätung betrat dann das Orchester der Götborger String Theory die Bühne und wurde mit Applaus begrüßt. José González betrat als letzter die Bühne, winkte bescheiden, fast scheu in den Saal, wurde selbst in der allerletzten Reihe an seinem schwarzen Lockenkopf erkannt und mit noch lauterem Applaus empfangen. Komponist, Multitalent und Dirigent des Orchester ist Patrick Christensen, der seinen Platz einnahm, um das mehr als 20-köpfige Ensemble und González durch den Abend zu leiten. Der Mann, der normalerweise alleine mit seiner Gitarre auf der Bühne sitzt, hatte jetzt also einen beschwingten, energischen Dirigenten neben sich stehen und mehr als 20 Musiker im Rücken.

Und so begann das Konzert, wieder Erwarten mit dem kollektiven Rascheln und Knistern von Plastiktüten, die ausnahmsweise mal nicht umweltverschmutzend, sondern klanggebend zur Geltung kamen. Aufmerksam lauschte das Publikum dem Wechsel zwischen altbekannten Songs der Alben Veneer, In Our Nature, Vestiges & Claws und orchestralen Zwischenspielen, die mal sanft von einem Song zum nächsten überleiteten, meistens aber doch sehr eigenständig und experimentell wirkten.

Wie genau das funktioniert hat, was auf der Bühne an diesem Abend zu hören und sehen war , ist nicht ganz zu durchschauen. José González ist sonst eher ein Minimalist, der mit cleveren, aber nicht unbedingt aufwendigen Arrangements zu verzaubern weiß. Zusammen mit dem Orchester gewann seine Musik an Dramaturgie ohne dabei kitschig oder theatralisch zu werden. Den Songs verlieh die orchestrale Untermalung eine zusätzliche Tiefe und José González gelang es trotz der zusätzlichen Komplexität seine Klarheit und Ruhe zu bewahren. Er und seine Gitarre schafften es irgendwie doch im Mittelpunkt zu stehen und über dem Getöse der Bläser, den teils zarten, dann wieder dramatischen Klängen der Violinen und des Cellos zu schweben.

Dennoch wirkte das Orchester respekteinflößend. Das Publikum lauschte still, kopfwippend, im Sitzen tänzelnd ( so gut es eben geht) durch das Konzert. Die Fans zeigten sich stehts aufmerksam und es wurden erstaunlich wenige Handys und Kameras gezückt. Das ist nicht nur atmosphärisch viel schöner, sondern zeigt auch was an dem Abend passierte. Die Musiker auf der Bühne schafften es zumindest 90 Minuten lang den Großteil der Zuhörer auf das Jetzt und Hier zu fokussieren. Die Setlist bot den Fans eine schöne Zusammenstellung der drei Studioalben, wurde angereichert durch die Ausschmückungen des Orchesters und lieferte mit ,,Crosses” und dem Cover des The Knife Songs ,,Heartbeats” auch für weniger eingeweihte Fans wohl die meistgehörten und beliebtesten Tracks seines Repertoires. Nach ausgiebigen Standing Ovations für José González & The String Theory belohnten die Musiker das Publikum mit einer Zugabe, die nochmal ein paar Überraschungen bereit hielt.

Neben einer interessanten Perkussioneinlage, die futuristisch experimentell klang, gab es eine bombastische Inszenierung des Massive Attack Covers ,,Teardrops”, indem der Dirigent zum Akku-Bohrer griff, um  gemeinsam mit seinem Orchester zu lärmen. The String Theory setzten unter der Leitung von Christensen auf Unkonventionelles, ohne dabei kühl oder artifiziell zu wirken. Ein wunderschönes, aufbauendes und kreatives Konzert, welches nach gut 90 Minuten die Zuhörer mit einem zufriedenen Lächeln  nach Hause schickte.

 

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Maria Starfeld

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