Toy – 06.12.2016 – Köln, Blue Shell

Das Blue Shell ist so klein, dass die Band durch das Publikum hindurch auf die Bühne kommen muss. Ein Konzert in so einem Rahmen verspricht Nähe zwischen Besuchern und Musikern und ermöglicht genauere Einblicke in die musikalische Welt, die präsentiert wird. Auch als die Briten von Toy sich durch die Gäste hindurch auf die Bühne begaben und ihre Instrumente sogleich in Gebrauch nahmen, entstand eine ganz besondere Atmosphäre.

Dunkel gekleidet und mit für den Indie-Rock nicht ungewöhnlichen Frisuren, interagierte die Band aus Brighton nicht viel mit dem Publikum, in dem sich sicherlich einige hartgesottene Fans befanden. Außer ein Dankeschön für den Applaus nach den einzelnen Liedern gab es kaum gesprochenes Wort. Selbst als sich ein offensichtlich sehr begeisterter Fan, der sich schon zuvor durch besonders engagierten Tanz in der ersten Reihe als solcher outete, einfach auf die Bühne drängte und sich persönlich bei den Musikern bedankte, zauberte dies auch nur eher zarte Lächeln auf die Gesichter der Bandmitglieder. Das Verhalten, das etwas distanziert wirkte, passte aber zur Musik, die sehr sphärisch war und den ganzen Raum einhüllte in einen rockig-melancholischen Klangteppich, der nicht viel Erklärung erforderte.

Die Musiker von Toy harmonierten gut miteinander und das nicht nur, weil sich Sänger und Bassist eine Bierflasche teilten. Die einzelnen Instrumente waren gut aufeinander abgestimmt, man merkt, dass hier ein Team zusammenarbeitet. So gab es eine kleine Zwischeneinlage mit verzerrtem Bass während die Gitarristen ihre Sechsaiter neu stimmten.

Der satte Sound von Toy zeigte sich durch die ganze Setlist hindurch. Mit Songs wie „Dead and Gone”, „Motoring” und „Heart skips a beat” von ihrem Debutalbum, sowie „Join the dots” vom gleichnamigen zweiten Langspieler der 2010 gegründeten Gruppe schaffen sie es, die Fans zum rhythmischen Wippen bis hin zum Tanzen zu bringen. Dabei kann „Join the dots” als musikalischer Höhepunkt der Show angesehen werden, da es sich durch die Songlänge allgemein und das ausufernde Intro im speziellen von den restlichen Songs etwas abhob. Hier rollte der Bass im Zusammenspiel mit experimentellen Sounds des Keyboards im Galopp durch die Luft, in verschiedenen Tonlagen mit einer gleichbleibenden, fordernden Frequenz bis dann mit einem leichten Stilbruch der Gesang einsetzen durfte, um später wieder von einem Bass-Part in Begleitung mit sanfteren Drums unterbrochen zu werden. Auch das neuste Werk Clear Shot war unter anderem mit den Blues-Rhythmen von „Clouds that cover the Sun“ vertreten.

Toy gaben an diesem Abend im Blue Shell eine perfekte Einsicht in ihr Repertoire und Können. Ihre Attitüde passt zur Musik und kann durch diese auch von Genre-fremden Gästen gut angenommen werden.

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Bild: Stefanie Zerres

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