Tom Odell – 18.11.2016 – Köln, Palladium

Was für eine Show: Vorletzte Woche startete Tom Odell anlässlich seines neu erschienen Albums „Wrong Crowd“ seine Deutschland-Tour im Palladium in Köln. Rustikaler Fabrikhallencharme traf auf bunte Lichtshow, auf junges wie altes Publikum und einen Künstler, der sich am Ende tanzend über den Konzertflügel schwang.

Vom schüchternen Briten, der sich 2013 aufgrund seines mit Platin und dem BRIT Awards Critic’s Choice ausgezeichneten Debutalbums „Long Way Down“ plötzlich inmitten der Medienaufmerksamkeit wiederfand und als der Newcomer gehandelt wurde, war an jenem Freitag nicht mehr viel wieder zu erkennen. Aber nicht nur sein Auftreten wirkte präsenter, auch die ihn begleitende Band, insbesondere die zwei Drumsets samt Drummer rundeten die Musik an dem Abend gekonnt ab.

Doch neben neuen Hits wie „Wrong Crowd“ oder „Here I Am“, die begleitet von pompöser Lichtshow eine ganz neue Seite des Künstlers und seinem neuen energetischeren Sound zum Vorschein brachten, zeigte sich der junge Singer-Songwriter auch gewohnt minimalistisch und mit sanft ruhigen Klängen: Nach den ersten die Menge anheizenden Songs verschwand die Band in die Dunkelheit der Bühne und in einen einzelnen Lichtkegel gehüllt performte Tom Odell „Can’t Pretend“, „Sparrow“ und „Heal“ am Flügel. Gefühlt hielt in diesen zehn Minuten jeder einzelne Zuschauer im Raum die Luft an, da selbst ein Atemzug Gefahr lief die absolute Stille, die in jenem Moment herrschte, zu durchschneiden.

Danach durfte auch die Band wieder in die Saiten hauen und die zwei Drumsets sorgten für einen mitreißenden rhythmisierten Beat, der die Menge zum Tanzen einlud. Der junge Brite lieferte zudem ein makelloses Klavierspiel ab, verließ jedoch für die ein oder andere Nummer auch seinen Platz, um ein paar Stufen von der Bühne herab zum Publikum zu klettern oder das Mikrofonstativ lässig tanzend herumzuwirbeln.

Und wen Tom Odell bis dahin noch nicht überzeugen konnte, der durfte sich dann als vermeintlich letzten Song über „Another Love“ freuen, seinen Radio-Hit aus dem Jahre 2013. Alles in allem bestand die Songlist aus einem guten Mix aus alt und neu, sodass sowohl für Fans, die von der ersten Minute an dabei waren als auch für jene, die für das neue Beat- und Synthesizer-lastigere Album zu begeistern sind, etwas dabei war.

Als Zugabe gab der Singer-Songwriter dann ein Cover von Cyndi Lauper’s „True Colors“ zum Besten. Wieder einmal wurde es still im Saal, jedoch setzte nach den ersten Akkorden bereits die Mehrheit der Zuschauer in den Gesang mit ein und die Worte des Refrains hallten durch den Saal „I see your true colors shining through“. Ein wahrer Gänsehaut-Moment!

Mit „Magnetised“ feierte das Konzert dann schließlich seinen Höhepunkt: Als fünfter Zugabe-Song ließ er die Stimmung im Saal förmlich explodieren. Die Lichter zuckten in bunten Farben durch die Halle und warfen Schatten an die von Rohren übersäte Decke. Als wäre dies nicht Show genug,  sprang Tom Odell auf den Konzertflügel und animierte von dort selbst den Zuschauer in der hintersten Ecke der Halle zum Klatschen und Mitsingen.

Schlussendlich blicken wir auf ein musikalisch sowohl mitreißendes als auch rührendes Konzert zurück, das vor allem von der packenden Dynamik der Songs und ihrer Diversität lebte. Ein ungewohnt aus sich heraus gehender Tom Odell holte an diesem Freitagabend mit seiner charmanten Art und seiner Interaktion mit dem Publikum auch den letzten kritischen Zuschauer im Raum ab.

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Marit Kleinert

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