Every Time I Die – 02.12.2016 – Köln, Luxor

Erstes Dezember-Wochenende, Köln: Während sich die einen auf diversen Weihnachtsmärkten oder Firmenfeiern mit selbiger Vorsilbe tummelten, lockten die Amerikaner von Every Time I Die Fans härterer Klänge in einen lauschigen Veranstaltungsraum auf der Luxemburger Straße. Das Luxor war gut gefüllt, wenn auch nicht ausverkauft, mit gemischtem Publikum, das – wie sich später am Abend herausstellen sollte – zu großen Teilen sehr tanzwillig war.

Als Konzertbeginn war 19:30 angesetzt und das wurde auch eingehalten, als die Vorband die Bühne betrat. Dass es eine Vorband geben würde, war dem aufmerksamen Beobachter beim Anblick eines zweiten Schlagzeuges im vorderen Bühnenteil klar. Wer das Luxor kennt, der kann sich vorstellen, dass zwei Drum-Sets bereits gut platzfüllend auf dieser Bühne sind. Doch für die Band, deren Name einzig aus einer Zahl besteht, reichte der übrig gebliebene Raum. ’68 hat gerade mal zwei Mitglieder: einen Schlagzeuger und einen singenden Gitarristen. In Anzüge gekleidet wussten die beiden nicht nur musikalisch zu überzeugen. Die immer wieder sehr amüsanten Zwischenkommentare hoben die Stimmung im Raum. So wurde das Publikum zum Mitsingen eines Songs aufgefordert, der an diesem Abend absolute Premiere feierte. Um sich bei den Gästen des Abends zu bedanken, brauchte nur die Gitarre geschwenkt werden: Ein Danke war dort aufgeklebt. Genauso pünktlich wie sie gekommen waren, verschwanden die beiden sichtlich ausgepowert auch wieder von der Bühne, um Platz für Every Time I Die zu machen.

Nicht im feinen Zwirn, sondern lässig und dem Genre Metal/Hardcore entsprechend, betraten die Musiker von Every Time I Die die Bühne. Während Gitarrist Andrew Williams mit seinem Metallica-Sweater und später einem Shirt, welches das Cover eines bereits lange zurücklegenden Albums der gleichen Gruppe zeigte, vielleicht ein Statement aus aktuellen Anlass – die Werbetrommeln für das neue Metallica-Album werden derzeit ordentlich bedient – abliefern wollte, kam Sänger Keith Buckley schlicht in Karohemd und schwarzen Chucks daher. Der eher etwas introvertierter wirkende Sänger zog sich zwischenzeitlich immer wieder zu einem vor dem Schlagzeug positionierten Mikroständer zurück, nur um dann ganz schnell wieder nach vorne in Action zu treten. Im Laufe des Abends sorgte er dafür, dass sein Hemd ordentlich durchschwitzt war. Trotzdem wollte er sich nicht wie so viele der Fans, die neben Bart- nun auch Brusthaar zeigten, entblößen. Auch eine entsprechende Aufforderung aus dem Publikum bewegte ihn nicht dazu.

Every Time I Die hatten Songs aus mittlerweile 18 Jahren Bandgeschichte im Gepäck, was eine interessante Mischung ergab. So wurde beispielsweise mit „Apocalypse Now and Then“ etwas vom Gutter Phenomenon-Album aus dem Jahr 2005 und mit „Underwater Bimbos From Outer Space“ ein starker Song vom 2012er Langspieler Ex Lives zum Besten gegeben. Bei der Zugabe reiste die Band mit „For the Record“ aus dem Jahr 2009 noch einmal ein paar Jahre zurück. Doch auch aktuell hat die Band sehr viel zu bieten: Musikalisches Highlight des Abends war „It Remembers“ vom neuen Album Low Teens. Dieses Stück, zu dem erst kürzlich ein Video produziert wurde, zeigt die Southern Rock-Einflüsse der Band und macht deutlich welches musikalische Spektrum die Musiker wirklich abdecken können. Ein weiterer Song, mit dem die aktuelle Scheibe präsentiert wurde, ist „Petal“.

Das Publikum, das bei der Vorband interessiert aber noch recht verhalten auf den Plätzen stand, war schon nach den ersten Minuten der Darbietung von Every Time I Die nicht mehr zu bremsen. Im Laufe des Abends gab es jede Menge Bewegung inklusive Stage-Diving, sodass die Fans in den ersten Reihen immer wieder dafür sorgen mussten, dass die Monitore zurecht gerückt wurden. Nicht fehlen durfte auch der Circle Pit. Da dieser zunächst nicht den Ansprüchen der Band entsprach, wurde sogar ein Song unterbrochen, um mit ironischem Meckern die Leute vor der Bühne zu mehr Action zu animieren – und das mit Erfolg. Auch sonst gab es immer wieder kurze Interaktionen zwischen Band und Publikum. So konnte beispielsweise festgestellt werden, dass sogar Leute aus Ohio und Long Island anwesend waren; die Amerikaner hier kennen sich wohl, merkte Buckley an. Außerdem gab es mehrfach gesangliche Unterstützung für die Band, wenn einer der Stage-Diver auf der Bühne gelandet war. Auch wenn es schien, dass Sänger Keith Buckley das Mikro nicht immer freiwillig abgab, so war er doch kein Spielverderber und sang einfach ohne akustische Verstärkung weiter. Möglicherweise auch, um nicht den Anschluss zu verlieren. Zum Schluss des Konzertes, das die Band mit drei Zugaben ausklingen ließ, wurden alle aufgefordert die Bühne zu betreten. Band und Fans verschmolzen dann geradezu in einem tanzenden, krachenden Etwas und so endete dieser winterliche Freitagabend mit selbsterzeugten tropischen Temperaturen und viel Freude.

‘68
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Fotos: Stefanie Zerres

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