Swans – 11.11.2016 – München, Hansa 39

Hypnose Deluxe dank Michael Gira’s Orchestertraum

Was bei einem Konzert der Swans nicht fehlen darf? Richtig, Ohrstöpsel. Schließlich gelten sie als eine der lautesten Livebands schlechthin und das immerhin schon seit 30 Jahren.  Schon beim Betreten des Hansa 39 war ein Blick auf die riesigen Verstärker-Türme der amerikanischen Legenden rund um Michael Gira möglich, bewundernswert und hypnotisierend sollte es werden.

Los ging es mit der Schwedin Anna von Hausswolff. Schon die Ankündigung, dass die sehr gefeierte Musikerin als Support mitkommt, hatte vorab so manches Herz höher schlagen lassen. Ihre Kirchenorgel hatte sie natürlich nicht mit im Gepäck. Aber für die Tour mit den Swans hat sie extra ein feines Set gebastelt, um ihr Gesamtwerk gut zusammenzufassen. Das ist ihr definitiv gelungen, so gut, dass es leider zu schnell vorbei war. Swans Band-Mitglied und Gitarrist Kristof Hahn gesellte sich dann noch dazu und unterstützte beim basslastigen Elektro-Sound. Das Stück mit dem Berliner Gitarristen war ein kleiner Vorgeschmack auf den Hauptact, immerhin dauerte es gute 20 Minuten.

Nach kurzer Umbaupause legte Michael Gira mit seinen Kollegen dann auch los. Spätestens beim Stimmen der Gitarre packten die Ersten die Ohrstöpsel aus. Aber: So laut wurde es dann doch nicht. Was bei den Swans vielleicht zugleich schön und schwierig ist: Die Konzentration auf die faszinierende Stücke zu legen. Wer vorher die alten, gefeierten Alben noch einmal durchgehört hatte, hatte Pech. Die Swans wären nicht sie selbst, wenn sie eine Best-Of Schow spielen würden.

Der erste Song hieß “The Knot” und ging gleich mal satte 45 Minuten. Michael Gira funktioniert dabei wie ein Dirigent und gibt der Band direkte Anweisungen, wann sie im Rock-Gewüst richtig bombastisch draufloslegen sollen. “The Knot” lässt sich auf keinem ihrer Alben finden und wirkt wie ein Stück, dass die Swans immer etwas anders spielen, einfach weil sie es können. Man sieht ihnen diese Befreiung von Konventionen auch auf der Bühne an. Vor allem Michael Gira wirkt von Song zu Song immer entspannter.

Insgesamt spielten die Amerikaner sechs Songs in knapp drei Stunden. Klingt unglaublich und das war es auch, einfach phänomenal. Etwa zur Mitte des Konzerts war es mir dann mit Ohrschützern einfach zu unwirklich. Ich wollte die Musik in voller Pracht hören. Die am nächsten Tag dröhnenden Ohren war es mir zumindest wert. Schade ist nur, dass Michael Gira das Touren fürs Erste einstellt. Aber wer weiß? Vielleicht stellt er die Swans ja nochmal komplett neu zusammen.

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Daniel Guggeis

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