Jain: Neues Video zum Song “Makeba”

Was hat die französische Popsängerin Jeanne Louise Galice aka Jain eigentlich mit Südafrika am Hut? Wozu turnt sie in ihrem neuen Clip kreuz und quer durch Johannesburg? Und malt sie da wirklich ein Zebra an? Diese und andere Fragen könnten sich durchaus bei der Betrachtung des visuellen Meisterwerks zur Single „Makeba“ stellen. Wer keine Lust auf Theorie hat, stehe einfach auf und tanze zu feinsten Pop- und Afrobeats. Für die Neugierigen unter euch bringen wir selbstredend trotzdem ein bisschen Licht ins Dunkel.

Eine erster Hinweis verbirgt sich im Songtitel selbst: Der Clip ist vor allem eine Hommage an die 2009 verstorbene Sängerin und Menschenrechtlerin Miriam Makeba, die unter dem Spitznamen „Mama Africa“ bereits zu Lebzeiten zur Legende wurde. Makeba engagierte sich jahrzehntelang aus dem Exil gegen Apartheid, wurde von den Vereinten Nationen zur Goodwill-Botschafterin Südafrikas ernannt und kehrte erst 1990 auf Wunsch von niemand Geringerem als Nelson Mandela in die südafrikanische Heimat zurück. Das ist übrigens nur die geizige Kurzversion – die Liste interessanter Fakten ließe sich ewig so weiterführen. Musikalische Bekanntheit erreichte die Sängerin weltweit und auch hierzulande mit dem Song „Pata Pata“ von 1967. (Falls ihr „Pata Pata“ gerade auf YouTube gesucht habt und denkt „Hey ,ist das nicht von Otto?“, solltet ihr euch übrigens schämen!) Zudem hat sie später nebenbei auch noch einige Friedensmedaillen und Ehrendoktorwürden abgestaubt. Genug Gründe, um Makeba eine Hommage zu widmen. Doch wieso stammt diese gerade aus der Feder einer weißen Französin?

Eine mögliche Antwort bietet ein kurzer Blick auf Jains Lebenslauf. Die gebürtige Toulouserin wuchs zunächst in Südfrankreich auf und verbrachte dann ihre restliche Kindheit in Dubai, bis es ihre Familie auch schon wieder weiter zog; diesmal in die Demokratische Republik Kongo. Grund dafür war der Beruf des Vaters, der ihn quasi überall dorthin verschlug, wo flüssiges schwarzes Gold unter der Erdoberfläche schlummerte – Kind und Kegel mussten folgen. Nach eigenen Angaben hat Jain vor allem in turbulenten Zeiten ihres rastlosen Lebens die Musik von Miriam Makeba begleitet. Die Französin sah in ihr stets ein Symbol für Stärke und für Durchhaltevermögen, eine starke Stimme für die Emanzipation; ein Vorbild.

Die Single „Makeba“ ist bereits seit knapp einem Jahr auf dem Markt, doch das Warten auf den dazugehörigen Clip hat sich gelohnt. Wie auch schon beim visuellen Spektakel zum Viral Hit „Come“ haben Greg und Lio von ART BRIDGE Regie geführt und sich mächtig ausgetobt. Zu Beginn des Videos holt uns eine fröhlich grinsende Jain aus der zugeknöpften Wohnzimmereinöde ab und öffnet uns dann Tür und Tor zu pulsierenden südafrikanischen Welten. In „Makeba“ bekommen wir großartige Tänzerinnen und Tänzer, spaßige optische Täuschungen und die für Jain so typischen stilvoll-abgefahrenen Outfits zu sehen. Der Clip strotzt geradezu vor Energie, die nur aus der berauschenden Dynamik zwei verschiedener Lebenswelten entstehen kann, wie sie in Südafrika parallel zu einander existieren. Von Hochhäusern, Kraftwerken und Street Art in Johannesburg über trockene Steppenlandschaften und Schrottplätzen bis hin zu Zebras und Giraffen ist alles dabei, was das Herz begehrt.

Schnell wird deutlich: Die Hommage an Miriam Makeba ist gleichzeitig eine Hommage an ein selbstbewusstes, kreatives und ausdrucksstarkes Südafrika; an die Regenbogennation, die das Land irgendwann zwischen Apartheid, Zuma und Fußball-Weltmeisterschaft sein wollte. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um daran zu erinnern, wofür Miriam Makeba damals gekämpft hat. Und dass es noch heute jede Menge Künstlerinnen gibt, die ihre Stimme im Namen tausender Anderer für ein buntes, vielfältiges Miteinander erheben.

Tourdaten:
01.12.2016 – Zürich, Extra
02.12.2016 – Barcelona, Bikini
05.12.2016 – London, The Garage
06.12.2016 – Amsterdam, Bitterzoet
12.12.2016 – Brüssel, Ancienne Belgique
20.12.2016 – Mailand, Tunnel

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Hannah Ruediger

About author

Hannah Ruediger

Studentin. Verrückt nach Foals. Außerdem Indie, Alternative, Dream Pop, Psychedelic Rock, Punkrock, Folk, Post-Punk, Afrobeats.

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