Panic! At the disco – 10.11.2016 – Köln, Palladium

Vor einer großen Menge den Verstand verlierenden Teenager zu stehen ist für Brendan Urie nichts Neues, aber scheinbar doch immer wieder etwas Aufregendes. Heute Abend hat der 29-jährige jedenfalls Bock mitgebracht und füllt mit seinem Strahlen und dem lässigen Streichen durchs eigene Haar die Bühne aus.

Seit der Veröffentlichung des Debütalbums „A fever you can’t sweat out“ 2005 hat sich seine Band Panic! At the disco über die Jahre grundlegend verändert. Mehrere Besetzungswechsel und letztendlich eine vollkommene, künstlerische Umkrempelung ziehen sicher nicht spurlos an einem Musiker vorbei. Aber vielleicht ist es auch keine Überraschung, dass gerade der charistmatische Urie als einziges Originalmitglied übrig geblieben ist.

Auf dem aktuellsten Werk „Death of a bachelor“ ist seine schon vorher immer mehr durchdringende Popnote dann nicht mehr zu überhören. Dass seine Liveband im Rücken aussieht, wie ein Haufen gecasteter Bad Boys und es nicht immer schafft, gebührend in die Saiten zu hauen, passt da vielleicht ganz gut. Und zugegeben: ein Ersatz der Originalbesetzung bleibt immer noch ein Ersatz, so gut er sich auch einfügt. Neben Urie positiv aufzufallen ist nun mal ein harter Job.

Auch, wenn seine bloß im roten Satinanzug umhüllte Anwesenheit den Raum verändert: seinem nach ihm lechzenden Publikum hat Urie nicht viel zu sagen. Wie eine Maschine jagt er unglaublich saubere Oktaven durch seine Stimmbänder, trifft Töne, die alle Glasflaschen im Palladium zum Zucken bringen und springt elegant über die Bühne. Die Professionalität mit der er seine Songs abliefert, gleicht einer Musicalvorführung.

Die charmanten Tigertown, die heute das Palladium warm spielen, sind da noch lebhafter, vielleicht auch zurückhaltender. Mit Glitzeranzug, Electropop und einer Drummerin die aus mehreren Gründen Megan Whites Tochter sein könnte, tänzelt das Quartett eine halbe Stunde lang auf der Bühne und bringt auch die mitgebrachten Muttis zum wippen.

Urie hingegen liebt die Show und genießt es sichtlich, wenn die Menschenmasse jedes einzelne Wort von „I write signs, not tragedies“ und „Nine in the afternoon“ mitsingt, oder er bei seiner Interpretation von „Bohemian rapsody“ Freddie Mercury am Klavier Tribut zollt. Zum Abschied lässt der Sänger, der längst zu einem Soloprojekt mit Liveband mutiert ist, glitzerndes Konfetti durch den Raum schießen, nur um sich im selben Moment wieder das Licht anzumachen.

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Lena Zschirpe

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