Gravitysays_i – Quantum Unknown

Mit ihrem dritten Album Quantum Unknown präsentiert die griechische Band Gravitysays_i ihren ganz besonderen Stil. Dieser ist spacig, sphärisch mit rockigen und gleichzeitig elektronischen Klängen. Eine besondere, mediterrane Note gibt die sechsköpfige Band, die 2003 von Manos Paterakis und Nikos Retsos gegründet wurde, ihrem Sound, indem eher Rock-untypische Instrumente wie Trompeten und ein Santur hinzugenommen werden.

Die Mitte September erschienene Platte beinhaltet sechs Stücke. Fünf Jahre gingen ins Land, bis dieser Nachfolger des Albums The Figures Of Enormous Grey And The Patterns Of Fraud erschienen ist. Als „Befreiung von ihren eigenen Ichs“ und als „experimentell“ wird das jüngste Album beschrieben, welches traditionelle Klänge einbettet in das, was moderne Musiktechnik und ambitionierte Musiker zu bieten haben.

Nur ein Stück auf Quantum Unknown hat eine konventionelle dreiminütige Länge, ansonsten müssen sich die Hörer auf länger währende Musikausflüge einstellen. Die Songs scheinen mit einer Art Einleitung zu beginnen und werden dadurch gesteigert, dass weitere Instrumente und technische Spielereien hinzukommen. Im Opener „More Than A Matter Of Instinct“ ist ein eher nasal geprägter Gesang zu hören, die Worte werden lang gezogen. Trompeten setzen ein und just in dem Moment, in dem sich der Song ideal zur Untermalung einer Doku mit epischen Landschaftsaufnahmen zu eignen scheint, setzt eine kreischende Gitarre ein. Das Bild eines kreisenden Adlers kann wieder vor dem inneren Auge auftauchen, wenn dieser Sechsaiter sein Tempo verringert. Die Stimme im zweiten Stück „Of Woe / Migratory Birds” hingegen ist klarer und generell eher tief. Ein gekonnter Rhythmuswechsel macht dieses Lied besonders interessant. In der Mitte des Albums befindet sich mit „Dowser“ das kürzeste Lied, das mit seinen drei Minuten ein wenig in 80er Synth-Pop zu entführen weiß, bis die Trompeten einsetzen und an ihrem Höhepunkt den Song enden lassen. Auch der weitere Verlauf der Platte nimmt auf eine Reise mit.

Das ganze Album fügt sich in ein Gesamtbild ein, das verschiedene musikalische Puzzelteile vereinigt und so in einer sachten Komplexität zusammenfindet. Denn rollende Bässe sind ebenso zu finden wie Gitrarrenkunst und Perkussionsvielfalt. Auch Streicher werden genutzt. So kommen diese und der besondere Klang der Santur beispielsweise in „Every Man“ schön zur Geltung, ohne zu sehr zu dominieren und die Modernität zu verlieren. Elektronische Klänge finden sich auch immer wieder, gleitend leiten sie z. B. das Schlusslied ein. Die Stücke (wie bei „Every Man“ gut zu hören ist) sind mit Brüchen und Richtungswechsel – nicht zuletzt die Länge der Songs macht es möglich – in sich selbst sehr gemischt.

Bei Gravitysays_i gibt es viel zu entdecken und Liebhaber von experimenteller, aber nicht zu abgedrehter Musik können auf ihre Kosten kommen. Diese Band ist eine aktuell interessante Gruppe, die es weiß, verschiedene Stilrichtungen zusammenzubringen und die Möglichkeiten unterschiedlichster Instrumente zu nutzen. Trotz der traditionellen Instrumente, die eine wichtige Rolle spielen, schafft es die Band, nicht in dieser musikalischen Ecke zu bleiben. Durch diese Vielfalt kann der Hörer ganz neue musikalische Entdeckungen machen.

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Stefanie Zerres

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