Hundreds – Wilderness

Das Geschwister-Duo entführt uns auf Wilderness in ein düsteres Elektropop-Epos

Eva und Philipp Milner von Hundreds waren schon immer etwas anders als die meisten Künstler. Als deutsche Band gehst du ja meistens in ein schickes Studio nach Berlin-Mitte oder inzwischen vielleicht auch nach Leipzig oder Köln. Hamburg ist dagegen kaum noch bezahlbar. Aber das Duo aus eben der schönen und teuer gewordenen Hansastadt hat einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Ihre Platte Wilderness haben sie auf einem Hof in einem beschaulichen niedersächsischen Dorf produziert.

Das stetige Zusammenleben hat die Harmonie zwischen Eva und Philipp scheinbar perfektioniert. Denn auf Wilderness klingt Hundreds vollkommener denn je. So gab es schon im 2014 erschienen Aftermath so einige für Elektropop gewagte Experimente. Vor allem die Single “Our Past” die zusammen mit Jochen Naaf produziert wurde, blieb damals im Kopf hängen. Nicht umsonst ist dieser Herr nun Co-Produzent der dritten Platte des Duos geworden.

Hundreds bieten kein herkömmliches Elektro-Blubbern, denn hinter jedem Arrangement stecken tiefe Gedanken, wie man am besten Songstrukturen aufbrechen kann. Das lässt sich schon beim Titeltrack und gleichzeitigen Intro “Wilderness” feststellen. Refrains sucht man in den ersten beiden Songs vergeblich. Das macht auch überhaupt nichts, weil Eva auch ohne Refrain eine schöne Gesangsmelodie in den Songs vorgibt.

Natürlich wird es auch bei ihrem dritten Album mal eingängiger, wie die Songs “Spotless” und “Unfolded” zeigen. Nahtlos sind auch die Übergänge auf dem Album, sowas muss man 2016 nicht mehr unbedingt erwarten. Aber da wurde wirklich mit viel Herz für die Musik gearbeitet.

Dass Hundreds auch viel übrig für die Natur haben, zeigt nicht nur ihr Leben auf dem Dorf. In ihrem Epos Wilderness beschreiben sie ja so ziemlich das, was ein Thomas Hobbes schon vor Jahrhunderten über den Menschen sagte: “Homo homini lupus est.”. Da jetzt auch noch ein Klimaskeptiker den mächtigsten Staat der Welt beherrscht, sind diese Bedenken nicht unbegründet.

Natürlich ist nicht jeder Song in diesem Epos so düster, eine positive Stimmung bringt zum Beispiel der Song “Lily” mit. Wenn man nun auf das Gesamtwerk des Hamburger Duos blickt, ist klar, wieso Alt-J sie als Support-Band verpflichtet hat und wieso ihre Shows so gut wie immer ausverkauft sind. Ihre aktuelle Tour ist leider schon vorbei, aber für das Frühjahr sind schon zumindest zwei Zusatzkonzerte angekündigt. Wer in der Nähe wohnt sollte sich diese Pflichtermine auf jeden Fall schon mal eintragen:

14.03.2017 –  Konstanz, Kulturladen
15.03.2017 –  Freiburg, Jazzhaus
16.03.2017 –  Mannheim, Alte Feuerwache
17.03.2017 – Erfurt, Stadtgarten
18.03.2017 – Düsseldorf, Zakk
19.03.2017 – Wiesbaden, Schlachthof
21.03.2017 – Osnabrück, Lagerhalle
22.03.2017 – Berlin, Astra Kulturhaus
23.03.2017 – Erlangen, E-Werk
24.03.2017 – Leipzig, Täubchenthal

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Daniel Guggeis

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