Wild Beasts – 16.10.2016 – Köln, Luxor

Am Sonntag, den 16.10.2016 fusionierte die kleine charmante Location Luxor in Köln Süd  wieder zu einer Bar – und Konzertlandschaft. Dieses Mal lockte sie mit britischen Perlen, die klanglich variierten und sowohl die rockige als auch funkige Schiene auf einer Strecke vereinten. Auf dem Programm standen virtuose Indie-Gitarren, brachiale Drums und elektronische Beats, die sich unter dem Falsettgesang des Frontmannes zu einem groovigen 80’s-Sound mit Rockabilly-Attitüde entwickelten: Es war Zeit, den Traum der lässigen Motorrad Gang hinter sich zu lassen, denn die exzentrische Inszenierung der Wild Beasts vereint mit dem aktuellen Albumtitel Boy King war in ihrer Gesamtheit nur schwer zu übertreffen.

Den Support gegen 20 Uhr übernahm jedoch vorerst ein ruhigerer Vertreter, der sich langsam aber sicher als musikalischer Aufsteiger mit Headline-Potenzial etabliert und mit sentimentalen Balladen in die Herzen seiner Fans sang. Douglas Dare,  ebenfalls mit britischen Wurzeln behaftet und einer ähnlichen Stimmfarbe wie Thorpe gezeichnet, lieferte in Kombination von Klavier und poetisch-melancholischem Gesang ein komplettes Kontrastprogramm. Dare performte Songs seines Debüts Whelm und dem vor kurzem veröffentlichten zweiten Studioalbum Aforger, das in den Abbey Road Studios gemastert und produziert wurde. Lyrisch gestaltete sich seine Diskographie sehr persönlich und beschäftigte sich mit Gedanken und Gefühlen, die eher mit einem theatralisch-melancholischen Siegel versehen waren und teilweise dazu dienten, persönliche Ereignisse zu verarbeiten – so muteten ,,Oh Father” oder das romantische Chanson ,,Caroline” nostalgisch und zugleich mit einer Schwere belastet an und hoben trotz alledem die vortreffliche Livefähigkeit des Künstlers über alle Maßen hervor, während seine glasklare Stimme eine Atmosphäre erzeugte, die mit einem Gefühl subtiler Gänsehaut einherging und besonders durch die dumpfe elektronische Komponente verstärkt wurde. Man verbinde treibende Pianopassagen mit elektronischen Drums, die regelmäßig getaktet mit erhöhtem Tempo voranschreiten, überlagere jene Elemente mit etwas Hall und metaphorischen Vocals und so schließt sich der Kreis einer Dareschen Komposition, wie sie bei ,,Swim” oder ,,Nile” geschaffen wurde.

Gegen 21 Uhr stürmten die Wild Beasts zwischen roten und violetten Lichterspots das Podest und katapultierten gezielt gen 1980: Demonstrativ in zerschlissener Jeansweste, die Haarpracht formvollendet im Sleeklook gegelt – Hayden Thorpes Frisur saß und auch die Bühnenpräsenz strotzte vor Selbstbewusstsein. Mit ,,Big Cat” als Intro konnte man ihre Dynamik vom ersten Akkord an verfolgen. Das männlich dominierte Publikum, das sich die ersten Reihen quasi vorab schon gesichert hatte, verfiel in mechanisches Kopfnicken, während ein Chor bärtiger Kerle den Chorus im Kanon mitsäuselte und die Pausen durch pathetisches Biersippen füllte. Ein elanvoller Cut zum Support: Bereits rein optisch versprühte Frontsänger Hayden Thorpe einen metrosexuellen Charme á la Grease, während die musikalische Ebene einen zeitlichen Umschwung in die 80-er erlebte, wo rockige Riffs Ergänzung durch experimentelle Akkorde und den markanten Falsettgesang fanden, der als Ode an die Selbstinszenierung interpretiert werden konnte.

Im Pendant stand zusätzlich Tom Flemings Gesangsstimme, die brachiale Sounds wie ,,Ponytail” und ,,2BU” im Verlauf unterstützte und ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Sonor- ,Tenor und Instrumentalisierung förderte, das dem Hörer mit eingängigen Hooks den Abend versüßte. Auch wenn die neue Platte durchaus experimenteller ausfiel, ließ sich spätestens bei Einsatz der Gitarren feststellen, dass wir es hier eigentlich mit einer Indie Rock-Band zu tun hatten, die durchaus energetisch und antriebsgeladen agierte – was sich auch gespiegelt im Publikum feststellen ließ. Zunächst ging man davon aus, der weibliche Anteil sei begrenzt, doch neben den hochmotivierten, zum Teil wippenden Herren, tauchten immer wieder ein paar Damen in der Menge auf, die größentechnisch etwas unterzugehen drohten. Die Anwesenheit des Frontsängers und seiner Stimme wirkte demzufolge nicht nur für die weiblichen Anwesenden aphrodisierend, die hier so ausgelassen tanzten. Man konnte förmlich spüren, wie die komplette Bühnenperformance von Track zu Track einnehmender wurde und teilweise gewollt überspitzt oder verkitscht klang. 80’s mit einem Hauch schmalziger Jugendkultur, den Shopper lässig vor dem nächtlichen Drive-In positioniert in lasziver Pose: Etwas hässlich, schmuddelig und arrogant. Das Ego auf den Punkt gebracht und eine Epoche treffend realisiert, wie man sie in den Klischées der Hollywood-Filme gedanklich abgespeichert hat.

Bevor das Set mit ,,Get My Bang”, ,,Celestial Creatures” langsam zu Ende ging, bahnte sich Thorpe noch einmal den Weg durch das Publikum – nicht etwa um im Zentrum seine Gitarrenskills zum Besten zu geben, sondern um seinen Durst auf mehr zu stillen. Das dringliche Bedürfnis nach Bier konnte natürlich nur an der Bar erfüllt werden: Eine Aktion purer Männlichkeit. Ein letztes Mal auf der Bühne fand er somit natürlich allen Grund, um sich und die Band, die an diesem Abend nicht nur für einen hohen Unterhaltungsfaktor sorgte, angemessen zu zelebrieren. Wir ließen uns diesen Moment nicht nehmen, um mit einer anstößigen Bemerkung einzustimmen: Prosit! Diese Performance erschien gelungen und mit einem doch etwas folklastigeren Song des Albums Two Dancers verabschiedeten sich die Briten wie es ,,All The King’s Men” nach einer erfolgreichen Show selbstverständlich tun und erhielten ihren verdienten Beifall.

 

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Denise Schmid

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