The Radio Dept. – Running Out Of Love

Die Formation The Radio Department, die Mitte der 90er Jahre noch als Schulprojekt in Lund begründet wurde, schuf innerhalb eines Jahrzehnts einen Meilenstein in der schwedischen Musikgeschichte. Songs wie ,,Pulling Out our Weight” oder ,,Keen on Boys” begleiteten 2008 den Soundtrack der modernen Version von Marie Antoinette, die von Regisseurin Sofia Coppola inszeniert wurde. Die in Lo-fi und Melancholie getauchten Lyrics erwiesen sich als gekonnte Hommage in der Independent Industrie und wurden nicht zuletzt durch die Filmszenen mit Kirsten Dunst populär, die ebenso verträumt in pastellenen Farbspektren visualisiert wurden. Einzuordnen zwischen Dream Pop, Shoegaze und poppig-eingängigen Melodien griffen The Radio Dept. bereits in ihren Anfängen den Retrocharme als Charakteristik auf. Mit ihrem 2003 veröffentlichten Album Lesser Matters, gelang ihnen der Durchbruch, der sie 2009 in die Auflistung der britischen NME zu den Top-Alben des Jahrzehnts kürte. In ihre Diskographie von formvollendeter Popmusik reihten sich neben einigen EP’s außerdem die Erfolgsalben Pet Grief (2006), sowie Clinging to a scheme (2010), die sie zu einer populären Größe anwachsen ließen, sodass sie die Highlights ihrer musikalischen Karriere mit ihrer Compilation Passive Aggressive nochmals einten, um ihre persönliche Historie von 2002 – 2010 zu festigen.

Doch dann wurde es regelrecht still um die Radioabteilung, sodass jegliche Frequenzen verstummten. Ein Rückzug ins Studio? Ein Aus? Die Zukunft der Band schien ungewiss und ließ nur Raum für Spekulation offen. 2016 sollte sich jedoch die Antwort offenbaren, die viele Fans mehr als bloß glücklich stimmte: Nach einer Wartezeit von sechs Jahren meldete sich die Besetzung im Trio um Johan Duncanson, Martin Larsson und Daniel Tjader zunächst mit der vielversprechenden 12-inch ,,Occupied” zurück, die natürlich schon die subtile Ankündigung einer neuen Platte versprach. Zurück im Geschehen veröffentlichte das Trio am 21.10.2016 nun unter Labrador Records ihr Album Running Out of Love.

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The Radio Dept. Photo: Per Vikström.

Kursierend zwischen einem von der Welt geplagten Dasein, schneiden sich hier Themen, die der Wut und Frustration über gesellschafts-politische Auseinandersetzungen in ihrer Heimat Ausdruck verleihen: Die ansteigende Macht der Waffenindustrie, Polizeigewalt, Rassismus. Letztendlich Auslöser für eine Gesellschaft, in der die Dinge aus dem Ruder laufen und ins Ungleichgewicht geraten, sodass sich Gefühle wie Ungeduld zu Wut oder Hass transformieren, sozialen Rückzug bis vollkommene Apathie zur Folge haben. Dieser Schwermut wird hier durch elektronische Rhythmen in eine treibende Klangstruktur verwandelt, die in 10 Tracks wiederhallt und mit ihrem Titel erklärt, wie die Liebe in ihrer Umwelt ins Wanken gerät. Es handelt sich hier also nicht um die gewohnten Herzschmerz-Balladen, sondern um ein politisches Statement, das in deutlich energischer Manier hörbar wird. Das Intro ,,Sloboda Narodu” erinnert jedoch noch sehr an die Vorgängeralben und präsentiert einen äußerst ruhigen Beginn des Albums. Trotz der Themenschwerpunkte wird hier ein Bogen gespannt, der teilweise tanzbare Synthieflächen bis elektronischeren Beats offenbart, wie die zweite Auskopplung ,,Swedish Guns” oder ,,We Got Game” beweisen:

So fungiert ,,Thieves of States” mit sanften Instrumentals als bindender Zwischentrack, der wieder mehr Raum für kommende elektronische Impulse liefert, die durch digitale Drum-Tracks in Kombination mit Keyboard, Gitarre und Synthesizer umgesetzt wurden. Im gewohnten Stil ertönen ,,This Thing Was Bound To Happen” sowie ,,Committed To The Cause” in ihrer Neuveröffentlichung an und lassen uns in gespannter Erwartung zurück. Abschließend bleibt mit ,,Teach Me to Forget” hier eine Quintessenz Hoffnung übrig, die im Chorus repetitiv wiederholt wird und ein offenes Ende verkündet, das man schon sehr bald während ihrer Europatour 2017 an zwei Terminen auf deutschem Boden erleben werden kann.


Tourdaten: 

02.02.2017 – Köln, Gebäude 9
03.02.2017 – Berlin, Berghain (Kantine)

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Photo credits: Per Vikström. All rights reserved.

Denise Schmid

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