Don DeLillo – Null K

Don DeLillo ist einer der wichtigsten Autoren des 20. und 21. Jahrhunderts aus dem englischen Sprachraum. Sein heute in deutscher Übersetzung erschienener Roman Null K gehört leider nicht zu seinen größten Werken.

Eigentlich ist Don DeLillo ein Meister darin, ernste und sperrige Themen so anzugehen, dass seinen Werken Witz und Kurzweil nicht verloren gehen. Obwohl er nicht für leichte Kost steht, bleibt sein Schaffen durch diese Leichtigkeit des Erzählens zugänglich. Nicht zuletzt deshalb dürfte der Name DeLillo gerade jüngeren deutschen Lesern aus ihrer Schulzeit bekannt sein, ist doch DeLillos Falling Man seit der Erscheinung im Jahr 2007 eine beliebte Schullektüre.

In Null K hingegen ist von Leichtigkeit, Witz und Kurzweil nicht viel zu spüren.  Mehr als einhundert von insgesamt etwas weniger als dreihundert Seiten braucht der Roman, um auch nur ansatzweise in Fahrt zu kommen. Überhaupt scheint der Roman jenseits von Spannung und Handlung sein Dasein fristen zu wollen: Bei Null K handelt es sich eher um ein Sammelsurium von mehr oder minder zusammenhängenden, bedeutungsschwangeren Gedanken, Empfindungen und Erfahrungen, die bis zur letzten Seite unscheinbar vor sich hin plätschern.

Dabei birgt die Grundidee des Romans, das „Konservieren“ von Menschen für eine ferne Zukunft, in der die Unsterblichkeit winkt, durchaus Potential. Was DeLillo daraus gemacht hat, macht stellenweise einen ernüchternden Eindruck. Zu oft mutet der Roman ideen- und kraftlos an und die wenigen, vorhersehbaren Wendungen wirken unnatürlich bis forciert. Wirklich eindrucksvoll ist nur der Teil von Null K, in dem DeLillo die Gedanken und Wahrnehmungen einer Person imaginiert, die sich nach ihrer Einfrierung an der Schwelle zwischen Leben und Tod befindet. Hier werden Bewusstsein, Identität und Körperlichkeit in einem kurzen Monolog packend gegeneinander abgewogen. Das ist aber leider auch das einzige Mal, dass Null K ergreifend wirkt.

Fazit: Mit früheren Titeln aus DeLillos Feder wie Libra oder White Noise kann sich Null K nicht messen. Das Genie DeLillos blitzt hier nur sehr sporadisch auf, sodass sich in der Gesamtheit ein recht fades Werk ergibt. Allerdings ist mit Null K auch kein absoluter Nullpunkt erreicht.

Don DeLillo: Null K. Roman. Übersetzt von Frank Heibert. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2016. Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag. 288 Seiten, 20,00 Euro.

Timo Poensgen

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Timo Poensgen

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