Kornern Festival – 24.09.2016 – Ehrenfeld, Köln

Kornern ist das neue Clubbing und unter diesem Motto vereinten sich am Wochenende des 24.09.2016 drei Locations in Ehrenfeld, um mit dem gleichnamigen Festival in die erste Runde zu starten. Die elektronische Auslastung und einige wenige Künstler, die nur sehr selten im bodenständigen Städtchen Köln anzutreffen sind, sorgten neben Newcomern der Lokalszene für ein besonders vielfältiges Line-Up. Der Nachmittag in Ehrenfeld wurde durch ein rundum künstlerisches, als auch kulturell aufgestelltes Programm ergänzt.

Für Liebhaber der großformatigen Longplayer bot sich die Möglichkeit vor dem Eingangsbereich des Artheaters ab 15 Uhr exzessiv Vinyl Diggin’ bei der Schallplattenbörse zu betreiben. Nach der erschöpften Suche der Lieblingsalben, konnte man sich gegen 16 Uhr im Rahmen des Kornern Buchclubs eine Auszeit gönnen und von den Texten Fabian Mohns und Henning Mays im Café Rotkehlchen berieseln und einspannen lassen. Der perfekte Einstieg, um sich auf einen langwierigen Abend vorzubereiten, der in Alkohol und experimenteller musikalischer Untermalung kupfern sollte.

Um 18 Uhr waren alle Locations zu einem Preis von 18 Euro an der Abendkasse frei zugänglich und man konnte den kompletten Abend zwischen Artheater, Yuca sowie CBE pendeln und seine persönlichen Favoriten live und in Farbe bestaunen.

Line-Up

SHIGETO [US]| Kenton Slash Demon [DK]| The Paper Kites [AU]| Júníus Meyvant [IS]| dePresno [NO]| Lawrence Taylor [UK]| Wyoming [GER]| Shake & Bake [GER]| Charles Trees  [US]|Samm Henshaw [UK]| Purple [US]| Julian Stetter [GER]| ISLAND [UK]| Moglii & NOVAA [GER]| Outlaw Ladies [GER] uvm.

Für den Einstieg im Yuca gegen 18.45 Uhr sorgte das Duo Moglii & Novaa, die dem Kornern Festival-Trailer ihren Soundtrack ,,Tonic Water” zur Verfügung stellten, der zugleich Teaser für ein neues Album ist. Es handelt sich hier eigentlich um zwei Solokünstler aus dem Raum Düsseldorf und Mannheim, die durch ihr Management einander zugespielt wurden, sodass im Juni ihre gemeinsame EP Down Under veröffentlicht wurde: Experimenteller Elektro-Pop mit eingängigen Hooks, deren Melodien dem ein oder anderen nicht so schnell wieder aus dem Kopf gehen. Moglii, der unter anderem in der Band Moglebaum spielt, übernimmt hier den Part des Produzenten und sorgt für das Einbringen von Rhythmus und dynamischen Drum-Pad-Elementen während Novaa mit ihren sinnlich-poppigen Hymnen stimmlich ihre Kurven durch diverse hoch- und niedrig gepitchte Autotunespuren nimmt, die in einem Hall dahinschwinden. Tanzbar, euphorisch und der perfekte Einstieg für die düster-technoiden Gegensätze, die noch folgten.

Die Kölner Band Wyoming sollte die Newcomersparte ergänzen und begeisterte mit Indie und Dream Pop-Songs ihres letzten Albums Moon Jaunt, bei dem sehr ruhige Melodien mit Synthies dominierten, die dazu einluden ferne Galaxien zu entdecken und in fremde Welten abzudriften. Besonders punkten konnte der im Dark Wave-Dresscode gekleidete Frontsänger David Stieffenhofer mit seinen Tanzmoves á la Pulp. Wen es mehr reizte sein Gehör abends noch mit sanftem Indie Folk zu schonen, konnte sich gegen 21:45 das Programm des Artheaters mit Cardinal Sessions zu Gemüte führen. Die Balladen des isländischen Júniús Meyvant boten genug Anlass sich während des herbstlichen Einstiegs emotional rühren zu lassen. Sein aktuelles Album Floating Harmonies, das im Juni erschien, vereint Songs wie ,,Color Decay”, ,,Gold Laces” und ,,Signals” und beseelte das Herz jedes Zuhörers, der den Klang rauchiger, kraftvoller Gesangsstimmen mit instrumentalem Anhang präferierte. Waschechter authentischer Folk, der nach Freiheit eifert:

 

Ebenso war der nichtmal 20-jährige Norweger aus Bergen ein besonderer Gast, der unter dem Pseudonym dePresno seine eigene Variante von Popmusik mit elektronischen Synthie-Pop-Einflüssen, überlagert von seiner sanften tiefen Crooner-Stimme, zum Besten gab. Es brauchte nicht lange, bis die ersten Gesichter im Publikum zwischen emotionaler Gerührtheit und Begeisterung ihre volle Aufmerksamkeit der Bühne schenkten. Songs wie ,,Hide & Seek” oder ,,Stranger in Disguise” führten gedanklich schon in den Herbst, in dem man sich am liebsten mit einer heißen Tasse Kakao und einem wohligen Gefühl in die eigenen Gefilde zurückgezogen hätte. Wie gut, dass bereits im Oktober seine Debüt EP Forever unter Sony Music/ Colombia erscheinen wird.

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dePresno, YUCA. Photo: Lenny Rothenberg.

Im Kontrastprogramm der elektronisch-experimentellen Sparte stand der unter Ghostly International gesignete Künstler SHIGETO aus Detroit mit seinen japanischen Wurzeln, der vor einer Leinwand aus wunderbaren Visuals seine Hip Hop-Samples mit sphärischen Elementen und einer Live-Performance mit Schlagzeug demonstrierte. Klangstrukturen der besonderen Art animierten zum Träumen und Abtauchen und mit seinem letzten Album Intermission spannte er einen Bogen zwischen Ambient, Electro und technoidem Einfluss, der so schnell keine Konkurrenz findet:

Wenn Daft Punk und Kaytranada fusionieren und eine Zeitreise in die 80er Jahre machen würden, käme wahrscheinlich Pomrad als Resultat zustande. Zumindest lassen sich hier markante Inspirationen erkennen, obwohl hier live sogar Trap-Einflüsse zum Tragen kommen. Wenn der belgische Produzent Adrian van de Velde seine Retro-Synthesizer auspackt wird es funkig und das Publikum wagt nicht mehr stillzustehen, sondern wird sich garantiert im Takt der Musik verlieren, sodass hier wilde Pirouetten das Ergebnis sind.

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Pomrad, YUCA. Photo: Lenny Rothenberg.

Ein Durchhaltevermögen bis zur frühen After Hour um 5 Uhr morgens wurde über alle Maßen belohnt, denn auf dem Line-Up stand unter anderem minimalistisch-verträumter Deep House aus Leipzig mit eingängigen, nüchternen Basslines: map.ache glänzte in diesem Jahr bereits als Empfehlung des Festivals Nachtdigital und wird als neues Wunder der elektronischen Musikszene zelebriert. Jan Barich, der co-Founder von KANN Records, schafft es den Groove zu übertragen und langfristig als DJ in Erinnerung zu bleiben, der unvergessliche Nächte beschert:

Nach all der Reizüberflutung und durchtanzten Stunden führte das Ende des Kornern Festivals zu einer zufriedengestellten Gemütslage. Das breit gefächerte Angebot an Genres und diversen Künstlern hielt für jeden Zuhörer eine Option bereit und kann in seiner ersten Runde als voller Erfolg eingestuft werden. Das Fazit lautet: Clubbing ist out – von nun an wird gekornert und wir freuen uns schon darauf, wenn Ehrenfeld die zweite Runde einleitet und die drei Locations Artheater, YUCA und CBE sich wieder zu einem Komplex an Veranstaltungsräumen zusammenfügen.

 

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Denise Schmid

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