Alexandra Savior: Neues Video zu “M.T.M.E.”

Ihr habt richtig gehört, zu Beginn von „M.T.M.E.“ ist wirklich ein Gähnen zu vernehmen. Die Gähnende ist die großartige Alexandra Savior und bereits im Alter von 21 Jahren cooler als wir alle zusammen. Mal davon abgesehen, dass sie es im Handumdrehen zu einem Plattendeal beim Sony Music-Label Columbia Records geschafft hat, wird die US-Amerikanerin als Muse von Arctic Monkeys- bzw. Last Shadow Puppets-Ikone Alex Turner gehandelt, mit dem sie Gerüchten zufolge auch schon an einem gemeinsamen Album arbeitet. In Los Angeles stattete Turner ihr sogar schon prominente Überraschungsbesuche auf der Bühne ab. Darüber hinaus lieferte Alexandra Savior den musikalischen Opener für die zweite Staffel der gefeierten HBO-Serie „True Detective“ und tritt beim diesjährigen Reeperbahn Festival in Hamburg auf. Ach, mit Cam Avery von Tame Impala hat sie übrigens auch schon einen Song aufgenommen. Ein Lebenslauf, der seinesgleichen sucht.

Dennoch gilt Alexandra Savior hierzulange noch als Geheimtipp, was sich jedoch spätestens nach „M.T.M.E.“ – was nebenbei gesagt für „Music To My Ears“ steht – schleunigst ändern sollte. Das Video zum Song entstand in Kooperation mit dem Produzenten James Ford in den berühmt-berüchtigten VOX-Studios in Los Angeles und erschien letzten Freitag. Beim Hören des Songs ist unverkennbar, dass auch hier Alex Turner seine Finger im Spiel hatte. Falls ihr euch schon einmal die Frage gestellt habt, wie eine laszivere, düstere Version der Arctic Monkeys mit einer Frontfrau anstelle von Alex Turner klingen würde:  Alexandra Savior ist die Antwort darauf.

„M.T.M.E.“ erinnert vor allem an AM, den letzten Streich der Arctic Monkeys in Albumform, der vor knapp drei Jahren erschien.  Der Sound klingt nach Alternative, Indie und düsterem Noir-Pop mit Einflüssen von Velvet Underground und selbstredend den Arctic Monkeys. „M.T.M.E.“ versprüht eine provokante, fast erotische Aura, ohne explizit anzüglich zu sein oder anzüglich sein zu wollen. Die Zeilen dazu stammen aus der Feder von Alexandra Savior und Alex Turner und beinhalten textliche Juwelen wie „Well it never was all that clear/Why you left me standing in the middle of horizon/ Drank me down“, die ihre Tragweite verhundertfachen, wenn Alexandra sie singt.

Der Clip dazu könnte wegen seiner Unschärfe auch aus den 80ern oder 90ern stammen, wären da nicht all das Kunstblut und die Close-Ups. Die Farbgebung erinnert an jene tragbaren Discoscheinwerfer, die ihr Publikum in vorhersehbaren Abständen in absonderlichen Komplementärfarben erstrahlen lassen und somit jede Familien- und Abschlussfeier zum Dorfhit machen. Dazu gibt so viele choreographische Spielereien mit behandschuhten Händen jeder Façon,  dass man ernsthaft darüber nachdenkt, ob James Ford nicht einen kleinen Handfetisch hat. Aber Hände stehen für Taten und irgendwas ist definitiv passiert in diesem Clip, es wird geblutet und geschrien und die Fassung verloren; und das alles in diesen grellen, übersättigten Farben.

Alexandra Savior singt vom diffusen Nachgeschmack des Verlassenwerdens, der Unsicherheit und der Ratlosigkeit und wirkt dabei dennoch keineswegs hilflos. Die schöne Frau in dem Video isst dazu eine knallrote Tomate in der Badewanne, richtig gelesen, sie sitzt da einfach in der Wanne und beißt in die Tomate, als sei es das Normalste der Welt und schon ist es ein Kunstgriff.  In der Welt von „M.T.M.E.“ gibt es keine Pastellfarben, keine tränenüberströmten Gesichter und keine Melancholie. Alexandra Savior muss nicht gerettet werden, sie ist nicht das Kaninchen, sondern die Schlange. Bleibt nur zu hoffen, dass die Zusammenarbeit mit Alex Turner weiterhin Früchte trägt und wir demnächst über gemeinsame Projekte von Alex und Alexandra berichten können. Bis dahin kann man sich die wundervolle Alexandra Savior mit ein bisschen Glück live auf dem Reeperbahnfest anhören.

 

Tourdaten:
24.09.2016 – Hamburg, Imperial Theater (Reeperbahn Festival)

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Hannah Ruediger

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Hannah Ruediger

Studentin. Verrückt nach Foals. Außerdem Indie, Alternative, Dream Pop, Psychedelic Rock, Punkrock, Folk, Post-Punk, Afrobeats.

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