Newmoon: Neue Single “Helium”

Wer traurig darüber ist, dass der Sommer endgültig und offiziell ein Ende gefunden hat, die Vögel in den Süden ziehen und die Bienen sterben, dem sei gesagt: der Herbst hat auch seine guten Seiten. Neben Spaziergängen durch buntes Herbstlaub bieten die kürzer werdenden Tage endlich wieder Raum für melancholische Musik, die man den Sommer über reumütig neben kuscheligen Schals im Schrank versteckt hat. Einen möglichen Soundtrack dazu liefert die belgische Band Newmoon um Frontsänger und Lead-Gitarristen Bert Cannaerts.

Mitte Oktober veröffentlichen die Newcomer mit Space ihr Debüt-Album und geben uns mit der Single-Auskopplung „Helium“ einen ersten Vorgeschmack, auf das, was uns erwartet. Klanglich vermischen Newmoon Elemente aus Dream Pop und Alternative bis hin zu Hardcore, dem man allerdings ein paar Stecker gezogen hat. Nach eigenen Angaben der Band kommen noch einige handverlesene Einflüsse von The Jesus & Mary Chain, Slowdive  und The Ramones hinzu, nach denen man jedoch gründlich suchen muss. Ein paar Bandmitglieder haben vor Newmoon bereits Hardcore-Erfahrungen bei Midnight Souls gesammelt und lassen es nun gefühlt zweihundertmal ruhiger und sehr viel sinnlicher angehen.

„Helium“ fließt zauberhaft und träge vor sich hin und löst ein bisschen Schwermut aus, der sich wie eine Steppdecke schützend um die wärmeverwöhnte Seele schmiegt. Der Sound erinnert teilweise an Sigur Rós und My Bloody Valentine und überzeugt durch angenehme Unaufdringlichkeit. Die Künstler selbst haben keinen geringeren Anspruch, als dass die ZuhörerInnen sich erst in Space verlieren und sich dann darin wiederfinden. Damit haben sie sich zweifelsohne einer Mammutaufgabe verschrieben, die noch ein bisschen zu groß für die Belgier sein könnte. Verlieren lässt es sich bis dato nämlich ganz hervorragend zum Sound von Newmoon, wohingegen es am Wiederfinden noch etwas hapert – dazu mangelt es schlicht und ergreifend an markanten Orientierungspunkten. Bleibt zu hoffen, dass sich das Album insgesamt etwas vielseitiger gestaltet.

Und dennoch: bald ist es wieder zu kalt, um von der Party zu Fuß nach Hause zu gehen und dabei all die verträumten Songs zu hören, die man vorhin nicht laut anmachen durfte. Wenn man diesen Herbst also übermüdet in Einrichtungen des öffentlichen Nahverkehrs klebt und den akustischen Overkill vermeiden möchte, kann man die Zeit getrost nutzen, um dabei ein bisschen Newmoon zu hören. Wenn draußen die Klein- und Großstadtlichter verschwommen vorbeirauschen, kann man ja auch mal so tun, als ziehe draußen das Universum vorbei und nicht Hürth-Kalscheuren.

Tourdaten:
06.12.2016 – Cassiopeia, Berlin
07.12.2016 – Hafenklang, Hamburg

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Hannah Ruediger

About author

Hannah Ruediger

Studentin. Verrückt nach Foals. Außerdem Indie, Alternative, Dream Pop, Psychedelic Rock, Punkrock, Folk, Post-Punk, Afrobeats.

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