OK Kid – 25.08.2016 – Live Music Hall, Köln

OK Kid ist ein Dauergast auf unserer Seite und das liegt vor allem daran, dass wir nie müde werden auf die Konzerte der Wahlkölner zu gehen, da sie nun mal einfach gute Musik machen.

So waren die Jungs am 25.08. im Rahmen des c/o pop-Festivals in der Live Music Hall zu Gast und rissen den “Schuppen” bei gefühlten 45 Grad Celsius mal eben so ab wie eine Abrissbirne ein baufälliges Gebäude. Trotz Jonas’ obligatorischer Wollmütze erlitt die Band aus Gießen komischerweise keinen Hitzeschock – die Mütze wurde dann aber auch irgendwann energisch ins Publikum gepfeffert, blieb jedoch zur Enttäuschung einiger Hardcore-Fans an der Beleuchtung des Ladens hängen.

Dass OK Kid übrigens nicht in Schweiß ertranken, war wohl auch den Vorbands Gold Roger und Love A geschuldet, die die Temperatur vorab schon auf die rund 39 Grad Celsius aufheizten. So hatte der Mainact genügend Zeit sich zu akklimatisieren.

Gold Roger 

Zu Beginn gab uns Gold Roger die Ehre, dessen Album am 14.10. erscheint. Rund 25 Minuten hatte der Newcomer Zeit das Publikum für sich zu gewinnen und mit einer expliziten Kritik an Tinder, die er vor allem mit “Hey, kleines Robotermädchen” ausdrückte und dem manisch wackelnden Zeigefinger bei jedem Song, gab es für die noch nicht ganz gefüllte Live Music Hall guten, neuen deutschen Hiphop, der sich aus intelligenten Texten und einer tanzbaren Bassline zusammensetzt.

Leider war zu Beginn des Abends der Ton noch nicht allzu gut abgemischt, sodass man ab und zu nicht wirklich verstand, was da ins Mikrophon ge-kraut-rappt wurde. Den Weedgeruch, der plötzlich wie dicke Nebelschwaden über dem Publikum hing, hätte man allerdings wesentlich später erwartet.

Love A

Auch Love A startete etwas unglücklich mit zu laut abgemischten Drums und zu leisen Vocals. Allerdings ließen die Post-Punker sich nicht davon abbringen, mit ihrer “Auf-die-Fresse-Musik” die ersten Moshpits des Abends zu eröffnen. Die Leute kamen in Feierlaune und nach locker 45 Minuten war das Publikum dann auch so durchgeschwitzt, ohne OK Kid überhaupt einmal zu Gesicht bekommen zu haben. Die kleinen Witzchen von Frontsänger Jörkk lockerten dann zwischendurch die aufgeladene Stimmung auf. “Köln hat den Vorteil gegenüber Hamburg, dass man Tim Wälzer gar nicht trifft.”

Love A war jedenfalls begeistert von der Crowd und nachdem Zuschauer Leckmuscheln auf die Bühne warfen, war die Band dann völlig hin- und weg. Laut Jörkk sei das nämlich eine Anspielung auf einen ihrer sehr alten Songs gewesen – welchen verriet er jedoch nicht. Nach kurzer Absprache mit der Band musste er dann aber zugeben, dass sie den Song gerne spielen wollten, aber nicht können. Sie gaben dem Publikum stattdessen dafür “Kanten”. Neben “Nachbarn” und “Trümmer” ebenfalls eine ausgezeichnete Songauswahl, die sich nahtlos in das Repertoire der Punker anfügte. Der letzte Satz “Brennt alles nieder, fickt das System” sollte sich sicherlich bewahrheiten.

Mainact: OK Kid

Schon vollkommen kaputt und glücklich kamen dann Moritz und Rafael, Aldi und Marvin auf die Bühne. Sie spielten “Blüte dieser Zeit” an und das Publikum rastete aus, als Jonas euphorisiert von der Stimmung auf die Bühne sprang, tanzte und die ersten Zeilen anschlug. Aldi und Marvin sind übrigens Bassist und Gitarrist, die dabei halfen, das neue Album “Zwei” einzuspielen und mit auf die Tour genommen wurden.

Die Jungs holten so gut wie alles raus, was bekannt und gefeiert ist. Neben dem Klassiker und tränenreichen “Kaffee warm” wurden auch die neuen Songs wie die Ginhymne “Bombay Calling”, der Appell an die heutige Jugend “Ich kann alles” und die Naziklatsche “Gute Menschen” gespielt. Bei letzterem verwandelte sich übrigens das Peace-Zeichen des Albums, das als überdimensionaler Aussteller hinter der Band platziert worden war, zu dem Mittelfinger, den auch das Publikum fünf Minuten und 24 Sekunden in die Lüfte reckte. “Für solche Menschen wurde das Wort Hurensohn erfunden” propagierte Jonas und die Menge konnte sich nicht mehr halten. Der Geräuschpegel stieg, die 45 Grad Celsius wurden spätestens jetzt erreicht.

Mit “Borderline”, “5. Rad am Wagen”, wobei man die Hip-Hop-Fans unter den Zuschauern sehr schnell ausmachen konnte, und “Euphoria” wurde das Konzert dann ruhiger beendet, als es angefangen hatte. Die Zugabe oder eher “Aftershowparty” umfasste dann ganze sechs Songs, unter denen wieder drei äußerst beliebte Stücke und zwei, die noch nicht so häufig gespielt worden sind, waren. Mit “Zuerst war da ein Beat” wurde die Zugabe eröffnet, mit “Grundlos”, dem Gießener Liebesbekenntnis “Stadt ohne Meer” und der Hipster-Jagd “Verschwende mich” abgerundet. Mit den selten gespielten Songs “Wisch und weg” und “Schlaf” kam dann nur noch die Sahne auf der Torte hinzu, die sich ein OK Kid-Konzert nennt. Und eventuell war es auch besser nach “Verschwende mich” noch zwei andere Songs zu spielen – denn todtraurig in die Nacht entlassen zu werden ist dann nach so einem Abend auch irgendwie nicht das Richtige.

Im März 2017 sind die Jungs übrigens wieder in Köln.

 

Links:

OK Kid

Gold Roger

Love A

Live Music Hall

c/o pop

Jonas Berger

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Jonas Berger

Normalerweise findet man mich im Windschatten eines randalierenden Mittzwanzigers,der nichts besseres zu tun hat als Einhörner mit selbstgeschnitzten Speeren zu jagen.

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