Interview: l’essay & funatics

Sie kamen mit einem Knall. Auf jeden Fall auf der Musikplattform Soundcloud.

Plötzlich gingen die Play-Zahlen ihres ersten gemeinsamen Songs “Panacea” hoch, kletterten auf 5.000, dann 10.000. Die Kölner Produzenten Lukas V. und Benjamin Raum sind l’essay & funatics – und sie konnten es kaum glauben, dass ihre 43 Spuren unter Musikliebhabern so gut ankommen.

Drei Stunden haben sie für ihr Grundgerüst gebraucht, weitere 97 nur für den Feinschliff. Dabei haben sich Lukas und Benjamin mindestens ein Mal die Woche gesehen, um zu produzieren.

Die Devise dahinter: „Man muss sich den Song auch fünf Monate anhören können, sonst bringt das alles nichts.“

Wir haben die beiden Jungs im Homestudio von Lukas getroffen, um mit ihnen über ihre Musik, ihre Zukunftsvorstellungen und die Arbeit zu reden.

Wir hatten nicht einmal mit einer Frage begonnen und die beiden sprudelten nur schon so über.

Das mit dem Produzieren ist ja ein Prozess. Es dauert etwas bis man was drauf hat…

Benjamin: Wenn du alleine etwas produzierst, dauert das total lange bis du von allem bisschen Verständnis hast. Aber wenn du mit Leuten zusammen arbeitest, wie wir beide das machen, ist es viel besser. Denn er lernt von mir und ich von ihm.

Lukas: Es ist mega schwierig herauszufinden, wie was geht. Da gibt es zwar Tutorials auf YouTube…Wann habe ich angefangen? Vor sechs Jahren und am Anfang habe ich auch nur kompletten Müll produziert. Habe die Sachen mittlerweile auch von Soundcloud runter…

Benjamin: Hast du dir letztens nochmal angehört, oder?

Lukas: Jaaa.

(Gelächter)

Lukas: Naja, wenn du dir das alles selber beibringst….

Benjamin: Ich find es krass wenn man das mal im Vergleich hört.

Wie habt ihr den Weg zur Musikproduktion gefunden?

Benjamin: Also bei mir war es anders herum, ich hab mit dem Auflegen angefangen, weil ich öfters feiern war und dachte mir so: „Geil, ich will auch mal da oben stehen.“ Fast ein Kindheitstraum. Dann legst du zwei, drei Jahre in irgendwelchen Bars auf oder auf irgendwelchen Partys, aber denkst dir dann wiederum, dass du eigentlich Bock hättest da auch mal deine eigene Musik zu spielen.

Lukas: Bei mir war es so, ich hab mich mit 16, 17 immer mehr für elektronische Musik interessiert, Swedish House Mafia besonders. Da war Soundcloud auch noch relativ neu, hab mir dann da halt Lieder angehört,… dann kommen Remixe von unbekannten Künstlern. Die lernst du alle kennen. Ich hab mir dann zu Weihnachten ein Midikeyboard gewünscht, hab es bekommen und einfach angefangen. Das kommt dann mit der Zeit.

Inwieweit haben euch die Künstler, die ihr früher gefeiert habt auch heute noch beeinflusst?

Lukas: Avicii war mega am Kommen in der Zeit. Da hab ich natürlich auch Lieder gemacht, die einen Avicii-Einfluss hatten. Oder kleinere Produzenten, die einen Song gemacht haben, der dann von einem erfolgreichen DJ gespielt wird. Das ist halt ein Traum.

Aber mittlerweile hat sich das bei mir auch weiterentwickelt – über Mainstream zu Electrohouse und jetzt mach ich Deephouse und nur noch meine eigenen Dinger. Die Melodik und Harmonie habe ich auf jeden Fall mitgenommen.

Wie kam es denn zu dem Entschluss “Panacea” gemeinsam anzugehen? Es ist ja steil gegangen, als erster gemeinsamer Song.

Benjamin: Es war ja nicht einmal geplant, dass er so steil geht. Wir hatten eigentlich vorher noch ein anderes Stück, das wir angefangen haben und monatelang daran saßen. Aber das ging halt Richtung Electrohouse und Funky Tunes.

Lukas: Wir haben uns Anfang des Jahres getroffen und erstmal so richtig schön auf die Fresse Electrohouse gemacht. 

Benjamin: Jaa, mit Kick drauf, irgendein krasser Synthesizer drüber, irgendwas.

Lukas: Dann haben wir parallel “Panacea” angefangen und den anderen immer mehr vernachlässigt, weil wir da nicht weiter gekommen sind.

Benjamin: Da waren auch irgendwann die Ideen weg, die Inspiration. Weil du immer nur die gleiche Melodie gehört hast. Und das Grundgerüst war dann in zwei bis drei Stunden auch fertig.

Lukas: Das gibt dann den Basis-Flow.

Wie lang habt ihr insgesamt gebraucht?

Benjamin: Wann haben wir mit dem Track angefangen?

Lukas: Ich sag mal, die ganze Zeit, die wir reingesteckt haben…. 100 Stunden.

Benjamin: Das krasse daran ist, dass wir nicht wirklich viel verändert haben. Das Grundgerüst war wie gesagt schnell fertig, und die darauf folgenden Wochen waren dann nur so kleinere Sachen. Dass man mal eine andere Snare reingenommen hat oder eine andere Kickdrum. Dann kamen langsam die Chords und es wurde detailgetreuer. Die letzten drei bis vier Wochen waren wirklich nur noch schauen, wo man noch etwas verbessern könnte.

Lukas: Wir hatten es anfangs eigentlich auch geplant eigene Vocals mit reinzunehmen. Und hatten am Anfang die Vocals, die wir jetzt haben nur testweise drauf. Wir haben versucht aufzunehmen, aber irgendwie war das alles nichts.

Hattet ihr eine Sängerin?

Benjamin: Ja, genau. Aber es hat nicht harmoniert, weil sie eine sehr soullastige Stimme hat.

Wie beschreibt ihr euren Blick auf die Kölner Electro- und House-Szene?

Lukas: Ich hab halt ein paar Jungs aus der Uni die was machen. Aber wo ich sagen würde, wo Köln krass im kommen ist, ist im Technobereich.

Benjamin: Ja!

Lukas: Da geht es in Köln und Bonn auch richtig ab. Leonard Bywa auf seinem Label kunsthandwerk macht ziemlich coole Sachen im Technobereich und andere, die sind halt auch mega oft im Odonien. Ansonsten Deephouse ist nicht viel.

Benjamin: Deephouse war mal richtig, richtig viel für ein halbes Jahr. Gerade zu Poller Wiesen-Zeiten. Aber Köln ist eine Techno-Stadt.

Lukas: Naja, aber mit Pat Panda oder Cosmo und Tito…. die machen Bass House, Trap, vielleicht noch Hybrid Trap. Das kommt im Moment vielleicht auch ganz gut. Aber man kann sich ja einfach mal über Soundcloud mit den Leuten in Verbindung setzen und kollaborieren.

(Gelächter)

Wollt ihr die Szene jetzt vor allem mit dem Drum&Bass-Song aufmischen?

Benjamin: Das war nicht der Plan.

Lukas: Ich find die Techno-Kultur hier eigentlich ganz cool, das passt zu Köln. Es passt zum Reineke Fuchs, zum Gewölbe.

Benjamin: Es gibt einfach so viele coole Techno-Schuppen hier in Köln. 

Lukas: Naja, aber warum nicht. Wenn du einen coolen Track machst und die Leute kennst und die das auch cool finden. Da kann man sicherlich eine Kombi finden und schauen wie es sich entwickelt.

Was kann man denn als Nächstes von euch erwarten?

Lukas: Also ich bin jetzt erstmal ein halbes Jahr im Auslandssemester in Lissabon. Aber wir werden auch in der Zeit so gut es geht an weiteren Projekten arbeiten.

Benjamin: Aber wir haben auch schon eine Idee…

Lukas: Genau. Wir wollen als Nächstes einen Future Bass-Track machen.

Also ihr wollt schon schnell noch was hinterherschieben?

Benjamin: Auf jeden Fall. Wir haben vor zwei, drei Wochen schon den neuen Song angefangen, das Future Bass-Ding. Aber der ist noch im Embryo-Stadium. Wir haben bisher nur Chords geschrieben und es ist noch nicht das, worauf wir hinauswollen. Wir wollen auf jeden Fall zusammen weitermachen.

Lukas: Ich hab noch mit einem Typen aus der Schweiz, Patrick heißt der a.k.a. Aérotique, schon ein Lied rausgebracht. Vor zwei Monaten. Aber wir haben jetzt noch eins am Start und das kommt Anfang September. Auch mit Vocals, wird sicher ganz geil. Ich mach außerdem mit einem Freund aus Bonn, Cal1,  noch etwas.

Ist es nicht so, dass man mehrere Projekte laufen haben sollte?

Benjamin: Ja auf jeden Fall. Wenn Lukas jetzt weg ist, werde ich auch eigene Sachen produzieren und bisschen was rausbringen. 

Lukas: Es ist ja auch so, dass man sich die einzelnen Sachen hin-und herschiebt und fragt: „Hey, schaust du da mal bitte rein?“ oder „Hast du dazu noch eine Idee?“ Mich hat grade noch jemand gefragt, ob ich ihm zwei Songs mastern könnte.

Die Zusammenarbeit in der Branche ist also sowieso sehr eng?

Lukas: Wenn man sich ordentlich versteht und der andere auch korrekt ist, dann ist das alles relativ easy, ja.

Benjamin: Es ist cool, wenn du von anderen Leuten die Meinung einholst, Ideen oder auch wenn sie sagen, das und das ist scheiße.

Lukas: Dadurch wird der Track auch am Ende erst richtig gut. Ich hab ja vorher ganz viel alleine produziert und es hat immer irgendetwas gefehlt. Es kommen einfach mehr Elemente dazu, die du vorher nicht berücksichtigt hast, wenn du ein Projekt fünf Leuten zeigst.

Würdet ihr sagen, dass “Panacea” so erfolgreich war, weil ihr so unterschiedliche Arten habt, Musik zu machen?

Lukas: Schon ein wenig. Benjamin ist eher so auf dem Electro und Funky House-Trip. Und ich bin eher auf dem Deephouse-Trip.

Benjamin: Du bist auf jeden Fall auch melodischer als ich.

Lukas: Man kann halt zwei Richtungen einschlagen. Entweder du machst melodische Sachen, die du dann am Strand hören kannst, die entspannt sind. Oder du bist gut im Sound-Design und bekommst voll den geilen Synthesizer hin….

Benjamin: Ich mag es halt, wenn man einen Track hat, der einen neuen, interessanten Sound hat. Und sowas versuche ich auch immer wieder zu finden.

Lukas: Wenn man das kombiniert, kommt halt so ein cooler Drum&Bass-Track raus, wie wir ihn jetzt gemacht haben.

 

Was für ein Schlusswort. Der Song hat mittlerweile übrigens die 11.000 geknackt.

Jonas Berger

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Jonas Berger

Normalerweise findet man mich im Windschatten eines randalierenden Mittzwanzigers,der nichts besseres zu tun hat als Einhörner mit selbstgeschnitzten Speeren zu jagen.

One Comment

  1. Pretty nice post. Thank you so much!

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