Fotograf Eric Anders

Run Liberty Run – We Are

Run Liberty Run – der Name ist Programm, denn die vier Jungs aus Karlsruhe (Patrick Gesang, Steffi Bass, Marv Gitarre und Seb Schlagzeug) wollen die Verzweiflung einer jungen Generation einfangen, aufsaugen und in ihrer ganzen Aggressivität wieder hinausbrüllen. Sie wollen das Publikum zum Pogen bringen, wenn nötig auch so lange, bis Schweiß von der Decke tropft. Eigentlich machen die Jungs eine Art Modern Metal mit Einflüssen aus dem Alternative.

Dabei ist Modern Metal eher ein Sammelbegriff als eine spezifische Stilrichtung. Grundlegend lässt sich wohl sagen, dass sich oftmals widersetzliche Genres in einem Song wiederfinden. Dabei wechseln sich Facetten und Elemente von Metalcore, Groove Metal und Nu Metal auch mal mit Gothic und Neuer Deutscher Härte ab.

We Are ist gefühlvoller, harmonischer und poplastiger

Doch das neue Album We Are, wofür 2014 die ersten Arbeiten begannen, ist gefühlvoller, ruhiger. Rundum etwas harmonischer. Das kommt auch den Backgroundvocals, die öfters mal die Screams ablösen, zuschulden. Allerdings findet ein aufmerksamer Hörer auch die typischen Metallsounds auf dem Album. Screams in „Bengal Fires“ oder harte Gitarrenklänge, die zum Faust-in-die-Luft-recken einladen in „Rain“.

Wenn jedoch plötzlich melodiöse Parts wie in dem albumtitelgebenden Song „We Are“ oder melancholische 80er-Klänge und Synthies wie in „Start A Fire“ zwischen all dem harten, tanzbaren Sound auftauchen, dann versteht man auch, warum die vier Jungs in schneeweißen Anzügen und mit Gesichtern wie aus der H&M-Werbung daherkommen.

Es passt nicht so recht zusammen.

Zum Modern Metal zurückkehren wie noch 2013

Im Ganzen ist das We Are-Album ein Mischmasch, für jene, die vielleicht noch nicht ganz wissen, ob sie Pop oder Metal für sich entdecken sollen. Allerdings muss man dazu sagen, wer 2012 noch unter anderem Namen („Rune“) bei X-Factor aufgetreten ist, der hat es vielleicht nicht allzu leicht aus der Schiene zu entfliehen. Komisch dabei ist, dass die erste Single 2016 ein Cover von Major Lazer ft. Justin Bieber & MØ ist. „Cold Water“ in Run Liberty Run-Manier? Könnte ja was werden.

Für Hardcore-Metal-Fans auch hier leider eine Enttäuschung, denn die Vocals kommen nicht kraftvoll rüber, das Schlagzeug ist eintönig. Da helfen auch die zwei Screams am Ende des Songs nichts. Die Band hat quasi aus einem Popsong einen weiteren Popsong gemacht. Nicht, dass das schlimm wäre. Doch sollte man sich schon irgendwie orientieren, den Pop und die 80er-Jahre-Synthies runterschrauben und wieder Musik machen wie noch 2013 auf dem Wacken Open Air mit dem Cover von Guettas Titanium. Denn das war Modern Metal und ist übrigens ein sehr empfehlenswerter Song der Gruppe.

Bitte wieder dahin zurück.

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Jonas Berger

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Jonas Berger

Normalerweise findet man mich im Windschatten eines randalierenden Mittzwanzigers,der nichts besseres zu tun hat als Einhörner mit selbstgeschnitzten Speeren zu jagen.

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