Samaris – Black Lights

Sie sind experimentell, wandeln seit 2011 auf elektronischen Pfaden, beziehen unter anderem Einflüsse aus dem Ambient- sowie Trip Hop-Bereich und ihre Entstehung ist auf einen kalten Winter in Island zurückzuführen. Die Dreierformation von Samaris, besteht aus jungen Isländern, die vor 5 Jahren den Einstieg in das Genre des Electro-Pop fanden und mit der Ausarbeitung ihres eigenen Stils begonnen.

Beobachtet man die skandinavische Musikszene im Allgemeinen und versucht sie charakteristisch einzuordnen , wird schnell bewusst, dass sie einen besonderen Hang zu Atmosphäre und Mystik hegt, die oftmals von einem Hall durchzogen und indigen oder sirenenhaft anmutenden Stimmvariationen ergänzt wird. Was aus ihr hervorgeht, gleicht Traumlandschaften, die von Tiefe geprägt sind, in denen man sich zu verlieren droht und seiner Phantasie ein Stück weit freien Lauf lassen kann – Lyrik und Text treten eher in den Hintergrund, während sphärische Klangbilder erzeugt und echohaft von Gesang durchbrochen werden.

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Vorerst fokussierte Samaris sich auf Aufnahmen in ihrer Landessprache und vertonte auf ihrem gleichnamigen Debüt Samaris (2013) traditionelle Poesie, die durchweg positive Resonanz erhielt. Wie folgt gliedert sich die Konstellation in einen filigranen gesanglichen Part, der von Jófríður Ákadóttir übernommen wird und findet Ergänzung durch das Klarinettenspiel Áslaug Run Magnúsdóttirs. Þórður Kári Steinþórsson macht es sich zu Eigen, die passenden elektronischen Impulse in Einklang zu bringen, die Samaris ihren zunehmend düsteren, schwermütigen Charakter verleihen. Aufgrund der großen Motivation, gekoppelt mit positivem Feedback in Form von Auszeichnungen, erschienen in den Folgejahren ebenfalls zwei Longplayer unter den Titeln Silkidrangar (2014), sowie dessen unmittelbare Ergänzung Silkidrangar Sessions (2015).

Hier gibt es ein mal als Einstieg ein Beispiel aus dem Debüt auf die Ohren:

Ihr aktuelles Album Black Lights, das am 10.06.2016 unter One Little Indian Records veröffentlicht wurde und 9 Tracks enthält, sollte hingegen die Gewohnheiten aufspalten und neue Perspektiven eröffnen. An dieser Stelle entsteht ein Bruch zur traditionell isländischen Prägung, der durch ein Jahr in europäischen Gefilden beeinflusst wurde. Jedes der Mitglieder war im letzten Jahr in einer anderen Stadt unterwegs und bezog deren Einflüsse, sodass ein neues Konzept kreirt wurde. Es gelang eine Kombination aus rauhem, minimalistischem Flair der Berliner Technoszene vervollständigt durch die technischen Ausgestaltung, die während eines Sonologiekurses in Den Haag erworben wurde. Bescheidener lässt sich ein folkloristischer Einfluss aus der Idylle Irlands heraushören.

Hinzu kommt ebenfalls der Fakt, dass es das erste komplett englischsprachige Album der Band ist und bei näherer Betrachtung der Titel auffällt, dass einige aus einer Reihe kombinierter Zahlen und Buchstaben bestehen. ,,T3mp0”, ,,R4vin” sowie ,,3y3” und ,,T4angled” fungieren hier als Anlehnungen aus dem Leetspeak und können ironischerweise als ein Geheimcode unserer virtuellen Generation verstanden werden, der sich ebenso in der Darstellung geometrisch konzipierter Gewinde im Cover visualisiert. Es bleibt jedoch offen, ob hierbei lediglich auf die stark elektronische Komponente hinsichtlich der Produktion verwiesen werden soll oder tatsächlich eine Anspielung auf unsere vernetzte Gesellschaft gemeint ist, die durch matrizenartige Programme miteinander interagiert.

Black Lights nimmt Bezug zur Großstadt, ihren Licht- und Schattenseiten, die in Reizüberflutung und Schnelllebigkeit vorüberziehen. In Folge dessen spiegelt es ein kühles, urbanes Flair wieder, das in seiner kompositorischen Einfachheit dennoch auf die Wirkung von Atmosphäre zielt. Stimmlich lassen sich bereits Analogien zu Björks Werk Vespertine (2010)  ziehen, wobei die gesangliche Atonation nicht in einen theaterhaften Schleier gehüllt, sondern durchaus klarer erscheint und auf einer technoiden Basis aufbaut.

Der erste Track ,,Wanted 2 Say” wurde bereits am 8.April als EP und Album-Teaser veröffentlicht. Drum Pads, Synthesizer und verhallter Gesang entwickeln sich hier schon fast zu einer Symbiose des Drum and Bass, die auch in den Folgetracks Wiederholung finden. ,,I Will” variiert mit einem  von Hall überlagertem Klarinettenspiel, das in die Minimalsparte eingeordnet werden kann und durchaus Dubelemente aufweist. Im finalen Track ,,In Deep” klingt eine Steigerung zum Techno an, die von schwelgendem Gesang untermalt wird und Instrumentals mit Noise vereint, der durchaus tanzbar wird.

Insgesamt differenziert sich Black Lights im Gegensatz zu seinen Vorgängern in der starken Ausrichtung auf  jegliche Sparten der elektronischen Musik, die dafür sorgen, dass hier nicht nur der sphärische Aspekt abgedeckt, sondern ebenso eine tanzbare Basis vorhanden ist. Hier wird ein Bogen von experimentellem Electro-Pop, über Minimal zu Dub Techno mit Noisepassagen gespannt, der demonstriert, wie wandelbar Samaris letztendlich sind.

 

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Denise Schmid

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