High Sunn – Natural Instincts

Über Internetplattformen abseits der Streamingdienste lassen sich immer wieder musikalische Perlen entdecken. Junge Künstler veröffentlichen regelmäßig neue Alben ohne sie direkt publik zu machen – es fehlt ihnen an Bekanntheitsgrad und Reichweite. Um dieses Problem zu beheben, hat sich auch diesen Monat wieder ein Besuch bei Bandcamp gelohnt.
High Sunn nennt sich das Bandprojekt von Justin Cheromiah, der seit 2014 virtuell aktiv ist und aus dem sonnigen San Francisco stammt. Mit seinem Freund Tristin Sovannarath, der Drums, Perkussion und Synthesizer einspielt, kreirt er Songs, die emotional berühren, in denen man versinken und aus dem Alltag entfliehen kann.

Am 2.06.2016 erschien das bereits zweite Album in diesem Jahr unter Grabbing Clouds und Chud Records. Es trägt als Nachfolger zu Wishes den Titel Natural Instincts und behandelt autobiografische Themen, die sicher für jeden von uns zugänglich sind: Beziehungserfahrungen, Herzschmerz, Isolation und hoffnungslose Liebe. ,,Willkommen zurück in der Pubertät!” , würde der eine oder andere jetzt vielleicht denken, doch an dieser Stelle sollte betont werden, dass Cheromiah erst 16 Jahre alt ist und sein Metier definitiv beherrscht. Er erweist sich als sensibler Poet mit Hang zur Melancholie – und nach Geschwindigkeit der Veröffentlichungen zu urteilen, auch noch als wahnsinnig ideenreich.

Durch seine Alben zieht sich ein Hauch Nostalgie, der in einem verhallten, analog-produzierten LoFi kulminiert und die Zeit für einen Moment still stehen lässt. Die Gitarren liefern eine Analogie zum Surf und sind durchzogen von Delay-Effekten, die in Echos ausklingen und somit eine schwelgende Atmosphäre erzeugen, die häufig im Shoegaze oder Dream Pop zum Tragen kommt. Wie scheint es da noch verwundernd, dass die Einflüsse, die er bezieht, von Bands wie FIDLAR, Ty Segall, Wavves und den Beach Fossils geprägt sind? – Authentisch lautet die Devise!

Natural Instincts ist sogleich sein erstes Touralbum, das live jedoch zunächst nur in den US-Staaten zu verfolgen ist. Songs wie ,,The art of getting by”, ,,Learn to love” oder ,,Early bird” wirken wie kleine Gedichte, die von einem Filter 60-er Jahre mit ein bisschen Küsten-Charme überzogen wurden. Das Ziel des jungen Amerikaners ist es doch eigentlich nur, dass jeder sich eines Tages verliebt. Mit seinem neuen Album versucht er eine Stimmung einzufangen, die an diesem Gefühl festhält und es in allen Etappen widerspiegelt.

Wer sich bis dato noch nicht mit LoFi auseinandergesetzt und nicht genug von Jugendnostalgie bekommt, sollte unbedingt an diesem Musterbeispiel festhalten!

 

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Denise Schmid

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