Pink Floyd – Ummagumma

Ummagumma ist das vierte Album der Band Pink Floyd und wurde 1969 erstmalig veröffentlicht. Es handelt sich dabei um die erste Doppel-LP der Band, die aufgrund ihrer inhaltlichen Struktur auch eine gewisse Sonderstellung im Vergleich zu den restlichen Veröffentlichungen einnimmt.

Auf der ersten LP sind 4 Liveaufnahmen vorhanden, die bis zum Jahre 1988 auch die einzigen ihrer Art bleiben sollten. Die zweite LP beinhaltet vier verschiedene Abschnitte, in denen die damaligen Bandmitglieder Richard Wright, Roger Waters, David Gilmour und Nick Mason jeweils eine halbe Seite mit ihren persönlichen Ideen gefüllt und auch die jeweilige musikalische Gestaltung fast vollständig alleine übernommen haben.

LP1 – Live Album

Die Live-LP beinhaltet vier Songs, die alle mehr oder weniger auch die Merkmale aufweisen, durch welche die Band ihre Auftritte generell zu etwas Besonderem gemacht haben. Aufgenommen wurden die Songs im College of Commerce in Manchester und im Mother’s Club in Cambrige in einer für die damaligen Verhältnisse erstaunlich hohen Qualität. Wäre am Ende der einzelnen Titel kein Applaus zu hören, würde dem Zuhörer höchstwahrscheinlich gar nicht auffallen, dass er gerade eine Live-Aufnahme hört.

Die A-Seite beginnt mit dem Titel „Astronomy Domine“, der die Platte mit nahezu epischen Gitarrenriffs einleitet. Doch wie viele andere Songs der Band besitzt der Titel ein gewisses Eigenleben und reduziert sich eben nicht vollständig auf die Gitarre. In den ruhigeren Phasen des Titels dominiert die Orgel das musikalische Gesamtbild und verändert die Atmosphäre, hält aber gleichzeitig immer noch den psychedelischen Touch aufrecht.

Es folgt der Titel „Careful With That Axe, Eugene“. Dieser ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Band ihre Songs live variiert hat. Denn der Titel wurde damals in den unterschiedlichsten Längen und Tempi gespielt. Auf Ummagumma findet er in einer fast 9 Minuten langen Version Platz, die wohl jedem Fan das Herz aufgehen lässt. Auf ein langsames Intro folgt eine relativ plötzliche Klimax, welche in lauten Schreien gipfelt und sich anschließend in einem leichtem Auf und Ab der Instrumentals untergeht und zum Ende hin auf ein Minimum reduziert wird.

„Set The Controls For The Heart Of The Sun“ lebt, anders als die meisten Songs der Band, nicht nur von den Gitarrenklängen, sondern vor allem auch von den Percussions. Nick Mason nutzt hier im Speziellen Paukenklänge, um den Song rhythmisch zu strukturieren und das Tempo zwischenzeitlich schon fast bis hin zur vollständigen Eskalation voranzutreiben.

Die B-Seite endet mit dem Titel „A Saucerful Of Secretes“. Dieser Titel ist auf vielen Veröffentlichungen in vier Teile gegliedert, die jeweils einen eigenen Charakter besitzen. Inhaltlich wird eine Schlacht als Aufhänger genutzt, die einzelnen Abschnitte beschreiben die vorzufindenden Phasen vor, währenddessen und nach der Schlacht. Mit diesem Hintergrundwissen wird die Geschichte des Songs für den Hörer sehr deutlich, die Entwicklung innerhalb des Songs sticht deutlich hervor. Vor allem aber die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen sind sehr gut gelungen.

Die erste LP des Albums vermittelt einen ungefähren Eindruck davon, was ein damaliges Konzert der Band ausgemacht hat. Die Songs an sich passen nicht immer perfekt zueinander, doch diesen Anspruch erfüllt wohl kaum eine Live-Session.

LP2 – Studio Album

Auf der zweiten LP finden sich die im Studio aufgenommen Parts der einzelnen Musik wieder, die so ihre persönlichen Ideen umgesetzt haben. Auf Grund dieser „Solo-Projekte“ nimmt Ummagumma im Vergleich zu den restlichen Veröffentlichungen der Band einen Sonderstatus ein.

Richard Wright – Sysyphus

Auf der ersten Hälfte der zweiten LP tobt sich der mittlerweile verstorbene Keyboarder Richard Wright aus. Inhaltlich ist das Stück an die Arbeit des Sisyphus angelehnt, der seinen Platz in der griechischen Mythologie findet. Dessen Geschichte handelt davon, wie er einen Stein den Berg hinaufrollt, jedoch kurz vor dem Erreichen der Spitze scheitert und von neuem beginnen muss.
Diese Geschichte greift Wright auf und untermalt sie musikalisch. Es ist ein klimatischer Verlauf erkennbar, der zum Ende hin von neuem beginnt. Der entscheidene Wendepunkt, der Punkt des Scheiterns, wird innerhalb des Songs sehr extrem umgesetzt, so dass der Hörer an diesem Punkt regelrecht erschrickt.

Roger Waters – Grandchester Meadows / Several Species Of Small Furry Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict

Die zweite Hälfte der A-Seite nutzt Sänger und Bassist Roger Waters, um zwei seiner kreativen Entwürfe umsetzen.
Bei „Grandchester Meadows“ handelt es sich um eine Folkballade, welche lediglich auf dem Klang einer Akustikgitarre und der Stimme von Waters basiert. Zur weiteren musikalischen Untermalung nutzt Waters Tiergeräusche, die den Titel an vielen Stellen auffüllen und ihm einen sehr natürlichen Eindruck verleihen, der für Pink Floyd nicht unbedingt typisch ist.

Der Titel „Several Species Of Small Furry Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict“ stellt ein Klangexperiment dar, welches an vielen Stellen an moderne, experimentelle elektronische Musik erinnert. Waters nutzt auch hier zur Umsetzung unter anderem Tiergeräusche, zusätzlich nutzt der Musiker einige technische Möglichkeiten der damaligen Zeit, viele der Geräusche werden beispielsweise mittels Loop-Effekt bearbeitet. Der Song wird mit gesprochenen Strophen beendet, die jedoch stellenweise nur schwer verständlich sind.

David Gilmour – The Narrow Way

Sänger und Gitarrist David Gilmour nutzt für sein dreiteiliges Stück „The Narrow Way“ ebenfalls eine Akustikgitarre – zumindest im ersten Teil. Im Anschluss wechselt er zur elektrisch verstärkten Variante des Instruments, auch einige elektronische Komponenten finden an dieser Stelle Anwendung.
Im dritten Teil des Songs kommt schließlich noch Gilmours Gesang hinzu, der Song entfernt sich dadurch schon fast vom Psych Rock und wirkt melodischer als man es von Pink Floyd eigentlich gewöhnt ist.

Nick Mason – The Grand Vizier’s Garden Party

Das Finale von Ummagumma gehört dem Drummer und Gründungsmitglied Nick Mason, der den Song „The Grand Vizier’s Garden Party“ in die drei Parts „entrance“,“entertainment“ und „exit“ unterteilt hat.
Mason nutzt im Song die unterschiedlichsten Percussion Elemente. Der erste Part beginnt relativ ruhig und emotionslos und fällt durch seine schlichte Instrumentalisierung kaum auf. Im zweiten Part jedoch weicht Mason auf andere Instrumente aus, die sehr impulsiv eingesetzt werden und teilweise für mehrere Sekunden komplett aussetzen. Zusätzlich nutzt der Musiker an dieser Stelle die Möglichkeiten des Stereo-Sounds und splittet die Klänge zeitweise auf die verschiedenen Kanäle auf. Zum Ende des Songs hin steigert sich die Melodie noch einmal deutlich spürbar, die Aussetzer in der Rhythmik werden weniger. Beendet wird der Song durch harmonisch klingende Flötenklänge.

Mehr Experiment – Weniger Album

Ummagumma ist sicherlich nicht das Vorzeige-Album der Band. Die Live-Platte liefert einen interessanten Eindruck in die frühe Performance auf der Bühne, die von den Studio-Aufnahmen abweicht. Das wahre Kernstück, welches Ummagumma jedoch so interessant macht, ist die zweite LP. Es handelt sich dabei weniger um ein Album der Band, vielmehr finden sich ganz konkrete Vorstellungen der einzelnen Bandmitglieder wieder.
Eine Beziehung der Songs zueinander ist meist nicht vorhanden, doch die Platte punktet an anderer Stelle. Es wird deutlich, dass die einzelnen Mitglieder alle ihren Beiträge zur musikalischen Schöpfung der Band geleistet haben, auch wenn diese sich mehr oder weniger stark voneinander unterscheiden.

Ummagumma ist kein Gesamtwerk im Sinne eines kontinuierlichen Albums, vielmehr finden sich auf der Platte die Essenzen der einzelnen Musiker wieder. Und das macht die Platte nicht nur interessant, sondern sogar zu einem bedeutenden Stück Musikgeschichte.

Lars Junker

About author

Lars Junker

Gründer hier. Indie-Kram, gerne auch mal leise, manchmal laut. Vinyl und Kaffee.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.