Interview: Drawing Circles

Man kann eigentlich sagen, dass Drawing Circles auf dem besten Weg ist. Neben dem normalen Alltag schaffen es die Jungs trotzdem noch zu touren, Bandtermine wahrzunehmen und Konzerte zu geben.

Wir konnten die nicht mehr ganz so neuen Newcomer, die sich der Gänsehaut-Musik verschrieben haben, für ein Interview gewinnen.

Ahoimag: Eure Promo-Tour für das neue Album SINISTER SHORES ist vorbei. Ihr hattet zwei Monate lang fast jede Woche Konzerte. Seid ihr froh darüber, dass jetzt ein wenig Normalität zurück kommt?

Sebastian (Gitarre, Gesang): Wir haben die meiste Zeit in einem super kleinen Auto gewohnt. Und es war super eng. Es war schon eine Belastung für den Körper. So sehr es gut tut nach Hause zu kommen, stellt sich aber auch bald der Drang ein wieder zu spielen.

Ahoimag: Euer letztes Konzert war in Köln als Support. Seid ihr immer noch aufgeregt vor Konzerten?

Vincent (Gesang): Bei mir ist es so, dass Lampenfieber, so dass man kaum mehr klar kommt, eigentlich nicht der Fall ist. Es ist eher die Vorfreude auf den Moment, den man haben wird. Aber ich habe immer noch nach all den Auftritten, dass ich fünf Minuten vor dem Auftritt die Blase leeren muss. Immer. Es ist auch egal, ob ich zehn Minuten vorher schon war.

Ahoimag: Macht ihr immer noch auf Konzerten spontan kleine Jam-Sessions?

Sebastian: Auf der Tour jetzt haben wir das fast gar nicht gemacht. Es gab jetzt ein paar Konzerte, bei denen nur Vincent und ich gespielt haben. Da haben wir ein- oder zweimal einfach gejammt. Wir haben das am Anfang oft gemacht. So sind auch viele Songs entstanden. In voller Besetzung haben wir aber nur unser Set gespielt.

Ahoimag: Gibt es einen Grund dafür, dass ihr das nicht mehr so oft macht?

Sebastian: Ja, wir haben ein festes Set. Lieder, die wir an einem Abend gespielt haben wollen und die wollen wir dann nicht durch Jams ersetzen. Wir haben jetzt einfach Material, das wir abspielen möchten.

Ahoimag: Spielt ihr lieber vor vielen oder vor wenigen Menschen?

Aaron (Gitarre, Bass): Ich denke beides hat Vorteile. Es ist einerseits cool vor vielen Menschen zu spielen, weil du einfach weißt, dass in diesem Moment viele Menschen deine Musik hören. Aber es natürlich ärgerlich, wenn diese Menschen nur mit halbem Ohr oder gar nicht zuhören. Bei kleinen Auftritten, wenn auch nur 20 oder 30 Leute da sind, aber dann richtig zuhören – wir hatten das in Österreich bei den beiden Konzerten und wir waren alle drei unglaublich überrascht. Die Leute sind halt gekommen, um unsere Musik zu hören und wirklich zuzuhören. Sie haben sich nicht ablenken lassen und diese Intimität ist einfach unglaublich schön.

Sebastian: Man muss dazu sagen, dass wir alleine aber keine ganz großen Konzerte spielen. Die größeren Sachen sind dann eher auch von der Veranstaltung abhängig. Wenn da mehrere Bands spielen oder wenn es eine Support-Sache ist. 

Ahoimag: Ihr werdet bei Google geführt. Eure Videos auf YouTube aus dem neuen Album wurden schon rund 3000 Mal geklickt. Ist das ein gutes Gefühl auch über NRW hinaus Bekanntheit erlangt zu haben?

Sebastian: Wir haben von vornherein eigentlich nicht geplant nur in Nordrhein-Westfalen zu spielen. Wir sind von Anfang an immer raus gefahren. Wir haben uns ausgesucht nicht einfach nur direkt im nächsten Ort zu spielen und unsere Freunde mitzubringen. Sondern halt irgendwo hinzufahren, wo uns keiner kennt. Das ist schön, aber gleichzeitig auch anstrengend. 

Aaron: Da ist die Tour jetzt ein gutes Beispiel: Wir sind in super viele Städte reingefahren, in denen wir vorher nie waren und keiner von „Drawing Circles“ gehört hat. Im Endeffekt waren rund 90 Prozent der Konzerte Pionierarbeit. Einfach hinfahren, spielen und schauen, wie die Leute es aufnehmen.

Ahoimag: In eurer Bio über euer neues Album steht „zerbrechliche Atmosphäre mit unmittelbaren Aggressionen“. Würdet ihr das immer noch unterschreiben? Vor allem: Wollt ihr diese Art der Musik beibehalten oder vielleicht auf dem nächsten Album neue Einflüsse mit reinbringen?

Vincent: Grundsätzlich sind wir damit einverstanden. Es ist tatsächlich diese Kombination bei uns. 

Sebastian: Es gehört schon dazu, dass wir uns immer ein wenig ändern möchten. Wir haben einen Drang dazu die Dinge immer etwas anders zu machen. Ich glaube nicht, dass, was auch immer als nächstes kommt, genauso klingt wie das letzte. Das ist sehr unwahrscheinlich. 

Aaron: Das glaub ich auch nicht.

Ahoimag: Ihr entwickelt euch miteinander, eure Prozesse sind nah beieinander?

Sebastian: Wir sind auf einer Wellenlänge, hören viel ähnliche Musik und verstehen uns deshalb da sehr gut. Aber jeder von uns beschäftigt sich auch mit anderen Dingen. Jetzt gerade schreiben wir gemeinsam eher wenig, weil wir noch nicht bereit sind, neues Material auszurollen. Wir wollen uns grade nicht von dem Album ablenken. Es muss jetzt erstmal das Album „passieren“.

Ahoimag: Also lasst ihr euch erstmal ein wenig Zeit?

Sebastian: *lacht* Ja, es würde sich auch nicht gesund anfühlen, jetzt direkt wieder anzufangen. Aber jeder schreibt für sich. Nur die Frage ist, ob man damit dann auch wirklich an die Band tritt.

Ahoimag: Gab es schon mal Uneinigkeiten bei Songideen?

Vincent: Also bis jetzt kam es eigentlich nicht vor, dass Ideen auf komplette Ablehnung gestoßen sind. Aber das liegt auch daran, dass wir alle einen ähnlichen Stil haben – in ähnlichen Momenten spielen. Was manchmal passiert, ist, dass man Sachen vorbringt und man merkt, dass man nicht zusammen darauf etwas bauen kann. Das können dann zum Beispiel Gitarrenriffs sein oder Texte, die nicht ins „Schema“ passen. Aber wir haben uns wegen Songs noch nie in die Haare bekommen. Dafür sind wir auch zu offen und zu experimentierfreudig. Wir saßen auch mal im Proberaum und haben Songs gemacht, die eigentlich vom Stil her nicht zu „Drawing Circles“ passen. Einfach nur um es mal ausprobiert zu haben. 

Ahoimag: Habt ihr Groupies?

*Gelächter*

Einstimmiges „nein“.

Vincent: Nee!

Ahoimag: Regt ihr euch darüber auf, wenn die Leute „Die Drawing Circles“ sagen?

Vincent: Oh, falsches Thema. Es schmerzt!

Sebastian: Ach, nur eine Kleinigkeit.

Aaron: Naja, es ist nicht so, dass wir uns jeden Tag darüber aufregen. Aber wir wollen schon darauf achten, dass die Bedeutung des Bandnamens auch korrekt kommuniziert wird. 

Ahoimag: Stand auf Plakaten schonmal „Die Drawing Circles“?

Vincent: Ja, das kam schon vor. 

Sebastian: Eigentlich ist es ja nur eine Kleinigkeit, aber das Problem ist, dass der Name an sich schon schwer zu verstehen ist und wenn dann mit dem Artikel auch noch die Bedeutung verfälscht wird, macht das das Ganze noch schwieriger den Namen zu greifen. Deswegen bemühen wir uns schon, dass der Name auch richtig an beispielsweise Veranstalter weitergereicht wird. Das sind so Sachen, mit denen man sich beschäftigen muss. Neben vielen anderen.

Ahoimag: Vielen Dank und einen schönen Tag.

Sebastian: Danke auch. Tschau.

Aaron: Danke, tschau.

Vincent: Ja, danke dir auch. Tschau.

Facebook: https://www.facebook.com/DrawingCirclesMusic/

Website: http://www.drawingcirclesmusic.com/Drawing-Circles/#releases

Jonas Berger

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Jonas Berger

Normalerweise findet man mich im Windschatten eines randalierenden Mittzwanzigers,der nichts besseres zu tun hat als Einhörner mit selbstgeschnitzten Speeren zu jagen.

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