Highasakite – Camp Echo

Highasakite zählen wohl zu den größten Indie-Sensationen der letzten Jahre. Das 2014 veröffentlichte Album Silent Treatment hielt sich ganze 94 Wochen in den Top 40 der norwegischen Charts, doch auch hierzulande erreichte die Band in den vergangenen Jahren einen relativ hohen Bekanntheitsgrad. Nun folgt mit Camp Echo das lang ersehnte Nachfolgewerk der Norweger.

Und das hat sich musikalisch relativ weit von seinem Vorgänger entfernt. Silent Treatment ging damals bei vielen sicherlich als Indie-Pop-Platte durch, Camp Echo schlägt einen etwas anderen Weg ein. An vielen Stellen finden sich elektronische Einflüsse wieder, die vor allem häufig durch mehr oder weniger sanfte Beats die Instrumentals dominieren. Andererseits finden sich auch mal gewagtere Parts, doch auch die typischen Pop-Einflüsse gehen nicht verloren. So findet sich mit „Someone Who’ll Get It“ beispielsweise auch ein Titel, der durchaus radiotauglich ist.

Der Titel „My Mind Is A Bad Neighboorhood“ hingegen erinnert zu Beginn eher an einen Künstler wie Jamie XX, wobei dieser Vergleich auch hinkt. Denn quasi jeder Titel auf Camp Echo wird aus der musikalischen Perspektive durch die extrem kraftvolle Stimme von Sängerin Ingrid Helene Håvik dominiert. Diese passt sich an den meisten Stellen gut in die Instrumentals ein und sorgt somit vor allem dafür, dass der elektronische Anteil der Musik etwas gedrosselt wird. Denn wie Gitarrist Kristoffer Lo selbst sagt, hier werden keine Drums gespielt, sie werden „programmiert“.

Highasakite beweisen jedoch, dass sie auch ganz anders können. Im Song „God Don’t Leave Me“ werden die Instrumentals auf ein Minimum reduziert – zumindest zu Beginn. Daraus resultiert ein Klangbild, welches einem Kirchenchor stark ähnelt, was den Absichten der Band somit wahrscheinlich gerecht wird. Und neben diversen elektronisch dominierten Songs findet sich mit „Golden Ticket“ auch noch sowas, wie eine Indie-Hymne.
Beendet wird das Album vom Song „Chernobyl“, und der ist ein Paradebeispiel für eine der Stärken der Band. Denn auch dieser Titel beginnt relativ ruhig, steigert sich jedoch im weiteren Verlauf in impulsiven Abschnitten immer weiter und „explodiert“ im Refrain nahezu.

Unterm Strich ist Camp Echo musikalisch eine Weiterentwicklung gegenüber Silent Treatment. Auch wenn der elektronische Einfluss und die Stimme von Ingrid Helene Håvik vielleicht etwas zu dominant sind, so schafft es die Band dennoch, den Hörer in vielen Songs mitzureißen.

Doch halt, fehlt an dieser Stelle nicht noch etwas?

Auf jeden Fall. Denn neben der musikalischen Ebene verfügt Camp Echo auch über eine Textebene, die anders als bei vielen Bands des Genres, auch einen Inhalt vermittelt. Camp Echo ist der Name eines Gefangenenlagers in Guantanamo und transportiert somit einen ersten Vorgeschmack, in welche Richtung das Album textlich ausgerichtet ist. So zielt der Opener „My Name Is Liar“ beispielsweise auf Ex-Präsident George W. Bush ab, mit „My Mind Is A Bad Neighboorhood“ und „I Am My Own Disease“ finden sich zwei weitere Titel, die auf den Irakkrieg eingehen.

Highasakite gehen somit einen Schritt weiter, als es im Indie häufig üblich ist, denn textlicher Tiefgang ist nicht unbedingt die Stärke dieses Genres. Doch wer die inhaltliche Aussage von Camp Echo vollends begreifen will, der wird nicht drum herumkommen, sich selbst mit der Musik zu befassen.
Wir können euch das Album nur ans Herz legen, auch wenn es irgendwie anders ist. Denn es ist vor allem außergewöhnlich.

Facebook: https://www.facebook.com/highasakitemusic/

Lars Junker

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Lars Junker

Gründer hier. Indie-Kram, gerne auch mal leise, manchmal laut. Vinyl und Kaffee.

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