T der Bär – Bienenwolf

Letzte Woche hat T der Bär alias Tim Sander mit Bienenwolf sein erstes Album veröffentlicht. Falls euch sein Name bekannt vorkommt: Glückwunsch, ihr habt früher GZSZ oder Verliebt in Berlin geguckt! Aber gleich vorweg für die, die jetzt eigentlich schon nicht mehr weiterlesen wollen, vom kitschigen Vorabendprogramm ist Sander inzwischen Lichtjahre entfernt.

Nach dem Schauspiel jetzt also Musik. Sowohl Texte als auch Beats stammen aus seiner Feder beziehungsweise seinem Computer und dadurch unterstreicht er den Anspruch, was ganz eigenes zu machen. Und auch nicht weniger als das Alleinstellungsmerkmal ein neues Subgenres – dem „Indie-HipHop“ schreibt das Label Rummelplatz Musik, auf dem T der Bär gesignt ist, dem Album zu. Das ist natürlich wenig überzeugend, wenn man sich die bereits ziemlich breit gefächerte deutsche HipHop-Szene vor Augen führt. Nicht nur uns fallen da wohl noch ein paar mehr Künstler ein, die diese Zuschreibung auch verdient hätten.

Allerdings muss man T dem Bären zu Gute halten, dass er es wirklich schafft, ein spannendes und mutiges Album auf die Beine zu stellen. Vielleicht sogar schon etwas zu mutig.

Das Album eröffnet er stilecht mit einem Intro, dem „Bärengruss“, in dem er vermeintlich die Richtung für die folgende Dreiviertelstunde vorgibt: Mit in den Track eingewoben die Kurzgeschichte des Bären, der kein Bär war: Diese setzt sich Anhand eines aus dem Winterschlaf erwachten und in die Zivilisation gestolperten Braunbären satirisch mit der Gesellschaft auseinander.

So wird dem Bären eingetrichtert, er sei kein Bär, sondern „just a silly man, who needs a shave and wears a fur coat“. Dies stürzt den Bären, an seiner Identität zweifelnd, in eine Krise, da nicht einmal die Bären im Zoo ihn als Artgenossen erkennen. Sander nutzt hier geschickt seine Rolle als Rapper, in die er sich begibt. Aber ist das wirklich die Kategorie, nach der man ihn beurteilen kann? Er spielt hier auf jeden Fall mit Klischees und Erwartungen des Hörers.

Wer jetzt aber auf ein darüber hinaus gesellschaftskritisch-satirisches Album mit einem Augenschmunzeln hofft, wird im Laufe des Albums wohl eher enttäuscht. Zu wenig greift T der Bär auf diesen interessanten Beginn zurück und distanziert sich auch nicht besser als andere von einer kommerzialisierten Musikszene, die als solche auch vage definiert bleibt. Das Beharren, etwas Eigenes zu schaffen, füllt Sander unserer Meinung nach nicht mit genügend Leben: Zu schnell verlieren sich viele Titel inhaltlich und eine erhoffte albumübergreifende Geschichte konnten wir nur schwerlich erkennen. Da tauchen kritische Tracks zur HipHop Szene („Hulk in der Lunge“), Nonkonformismus („leb doch nicht nur hier“) oder auch mal zu dem Baseballer Joe Montana auf dem gleichnamigen Track auf. All jene, die beim Hören ähnliche Schwierigkeiten haben, liefert er salopp die Antwort: „Scheiß auf das, was die alle hören wollen“ („leb doch hier nicht nur“).

All das wird untermahlt von seinen experimentell-abstrakten und teils komplizierten Beats, verbunden mit markanter Stimme und klarem Flow. Sicher nicht Kategorie schön, aber dies sei auch gar nicht der Anspruch: „Irgendwo kommt‘n Ton her, ganz sauber. Ich kratz den Lack ab, jetzt gewinnt er an Zauber“ (leb doch hier nicht nur).

All das verdeutlicht, dass sich das Album nicht mit Kategorien wie harmonisch und eingängig fassen lässt. Das ist – wie bereits erwähnt – in erster Linie mutig, denn im Vorbeigehen spricht dieses Album wohl kaum an. Wer Sanders Musik keine Zeit widmet, wird schnell genervt sein und vielleicht auch besser woanders fündig. Für alle die, die aufhorchen, wenn der deutssprachige HipHop um eine Facette reicher wird, kann sich dieses Album aber lohnen. In wie weit sich dieser Mut für Sander und eine erfolgreiches Debüt auszahlt, bleibt abzuwarten. Dass ihm das aber absolut egal erscheint, feiern wir dann wieder.

Facebook: https://www.facebook.com/TderBaer/

Philipp Lehmann

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