Das Wort zum Sonntag – Zugaben

Wir kennen es alle: man ist auf einem Konzert, die Band verabschiedet sich und geht von der Bühne, die Show ist zu Ende. Aber das Licht geht noch nicht an, also bleiben alle Zuschauer da – es wird ja noch eine Zugabe gespielt!

Zugaben sind heutzutage alles andere als ein ungeplantes Extra für ein unermüdliches Publikum, ganz im Gegenteil: sie sind von fast jeder Band fest in die Setlist mit eingeplant, manchmal sogar direkt zwei Stück – aber wieso? Es wird sich nicht einmal mehr Mühe gegeben, so zu tun als würde man wirklich aufhören. Klar, alle verabschieden sich und gehen von der Bühne, aber auf einem Großteil aller Konzerte werden die größten Hits erst am Schluss gespielt, und das bedeutet häufig erst in der Zugabe. Somit weiß so gut wie jede Person im Publikum, die in ihrem Leben schon mal ein, zwei Konzerte besucht hat, genau Bescheid.

Kevin Parker von Tame Impala sagte auf dem letzten Konzert der Band in Köln, dass ihre deutschen Fans der Grund seien, wieso sie Zugaben spielen. Die Deutschen wären einfach unerschöpflich und gäben sich mit dem Ende des Konzertes nicht zufrieden. Hört man ja öfters, dass deutsche Fans auf Konzerten ausgelassener sind als zum Beispiel in den USA. Aber ist dem wirklich so? Oder ist das nur eine weitere Geschichte die von Künstlern erzählt wird, damit das Publikum sie mag? Beobachtet man das Ganze mal genauer, merkt man schnell, dass auch hierzulande schnell Schluss ist – denn sind wir mal ehrlich gehen wir doch alle wenn das Licht im Saal angeht, ob mit Zugabe oder ohne. Das ist das ultimative Zeichen dafür, dass das Konzert vorbei ist, spätestens wenn die Roadies das Equipment abbauen. So gesehen müsste ein Act gar keine Zugaben spielen, denn nach dem geplanten Ende der Show bleiben nur sehr wenige Leute vor der Bühne zurück, da gibt es auch keine gespannte Crowd die nach mehr verlangt. Rufe werden nur dann laut, wenn eigentlich sowieso klar ist, dass es noch weitergeht – wieso sollte man da überhaupt noch Sprechchöre anstimmen? Für viele Besucher gehört es offenbar einfach zum Feeling dazu, denn eine Zugabe hat ein Wenig den Charakter von etwas besonderem, es wertet das gesamte Konzert schon etwas auf. Wenn man dann selbst noch nach mehr Liedern brüllt bekommt man schnell das Gefühl, selbst ein Bisschen dafür mitverantwortlich zu sein, dass es „doch noch“ weitergeht. Umso größer die Enttäuschung wenn es keine Zugabe gibt, selbst wenn das Konzert dadurch nicht kürzer war. Dann fühlt man sich direkt eines wichtigen Teils des Konzertes beraubt und verlässt den Club nicht ganz zufrieden. Denkt man mal darüber nach ergibt es auch einen Sinn, wir sind einfach verwöhnt und wenn man verwöhnt wird gewöhnt man sich irgendwann daran. Also spielen Bands ihre Zugaben, um die Fans nicht zu enttäuschen, denn so groß ist der Aufwand nun wirklich nicht. Das ist mittlerweile gang und gäbe: wann habt ihr zum letzten Mal eine Show ohne Zugabe gesehen?

Manche Bands stellen sich mittlerweile auch einfach bewusst dagegen und sagen von vornherein, dass es keine Zugabe geben wird und sie lieber die gesamte Zeit nutzen möchten um zu spielen – durchaus sinnvoll, und falls der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass die Menge auch nachdem das Licht angegangen ist noch nach einer Zugabe schreit, kann man ja immer noch nachgeben. Dann wäre es wenigstens wirklich ungeplant.

Alexander Mann

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Alexander, 21, Student.
Indie, -pop, -rock, -tronic, -folk usw.
Außerdem gerne vieles weiteres von Hip-Hop bis Metal.

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