Auf Tour: Dispatch

Für diejenigen, die gerade zum ersten Mal über den Namen Dispatch stolpern und sich fragen, ob es sich dabei wohl um eine Neuerscheinung handelt, sei gesagt: Als Chad Urmston, Pete Francis Heimbold und Brad Corrigan auf dem College angefangen haben Musik zu machen, kam gerade das erste Klapphandy auf den Markt. Mit Silent Steeples (1996), Bang Bang (1998), Four-Day Trials (1999) und einem Sound, der irgendwo zwischen Akustikrock, Folk und Funk liegt, haben Dispatch es zwar nicht in die Bostoner Radios, sehr wohl aber in die Herzen ihrer stetig wachsenden Fanbase geschafft. Zu deren Leidwesen beschlossen die Bandmitglieder nur sechs Jahre nach der Gründung, zeitweilig getrennte Wege zu gehen. Die erste Etappe ihrer Bandgeschichte beendete Dispatch 2004 mit einem epischen Freiluftkonzert im nicht weniger epischen Bostoner Hatch Shell, in dem sich sonst das Boston Pops Orchestra die Ehre gibt. Zu dem atmosphärisch sehr gelungenen Auftritt kamen sage und schreibe 110.000 Menschen – mehr, als zu den meisten kommerziellen Freiluft-Festivals – die angesichts der großzügigen Setlist inklusive des größten Hits „The General“ als Zugabe und des sonnigen Juliwetters voll auf ihre Kosten gekommen sein dürften.

Die Zäsur währte nicht allzu lange. Immer wieder war es neben der Liebe zur Musik auch die Liebe zum Menschen, die Dispatch gemeinsam auf die Bühne brachte – und das darf man in diesem Fall auch getrost so formulieren, ohne dass es kitschig anmutet. Dispatch lässt sich nämlich durchaus als sozial engagierte und politische Band bezeichnen, die immer wieder den Fokus auf gesellschaftliche Ungleichheiten und Missstände legt. Besonders hervorgetan hat sie sich durch ihr Engagement für Simbabwe, für das eigens  die Dispatch Foundation und die Elias Foundation gegründet wurden und eine Reihe von Wohltätigkeitsveranstaltungen. Das erste planmäßige Benefizkonzert im Madison Square Garden in New York war so schnell ausverkauft, dass die Band einen weiteren Auftritt für den darauffolgenden Tag ankündigte. Da auch dieses innerhalb von Stunden vollständig ausverkauft war, setzte Dispatch prompt noch ein drittes Konzert drauf. Das Resultat: drei Tage Dispatch, die über zwei Millionen Dollar für die Entwicklungszusammenarbeit der Stiftungen einbrachten. Ein Grund mehr, die Jungs zu mögen!

Dispatch – The General (Live from Radio City Music Hall) from Nettwerk Music Group on Vimeo.

Glücklicherweise ist die Band seit 2011 wieder ganz offiziell zusammen und meldete sich auch gleich mit den Roadtrip-tauglichen Alben Dispatch EP (2011) und Circles Around the Sun (2012) zurück. Die längere Pause hat der Qualität des Gesangs und der musikalischen Begleitung jedenfalls wirklich keinen Abbruch getan und auch die Soloprojekte der einzelnen Mitglieder wirken sich nicht auf den typischen Dispatch-Sound aus. Was anfangs noch mehr nach einer Mischung aus Alternative, gemütlichem Garagenrock und Grunge und klang, hat die Transformation zum stimmigen und melodischen Folkrock unbeschadet überstanden und funktioniert übrigens auch akustisch ganz hervorragend.

Die Jungs von Dispatch können also auf eine ebenso lange wie turbulente Bandgeschichte zurückblicken – da ist es umso schöner, dass es sie nach all den Irrungen und Wirrungen wieder auf Tour nach Deutschland und Österreich führt. Wenn ihr sowieso schon über Karten für das diesjährige Summerjam verfügt, dürft ihr euch glücklich schätzen und könnt einfach die paar Schritte zu Dispatch hinübergehen. Andernfalls bleiben euch noch Wiesbaden und Nürnberg. Dispatch haben jedenfalls genug Songs im Gepäck, die erst live ihr volles Potential entfalten  – und das sollte man sich nicht entgehen lassen.

Tourdaten:

02.07.2016 – Köln, Summerjam
03.07.2016 – Wiesbaden, Schlachthof
05.07.2016 – Nürnberg, Hirsch

Facebook: https://www.facebook.com/dispatch/?fref=ts
Homepage: http://www.dispatchmusic.com/home

Foto: Ryan Mastro

Hannah Ruediger

About author

Hannah Ruediger

Studentin. Verrückt nach Foals. Außerdem Indie, Alternative, Dream Pop, Psychedelic Rock, Punkrock, Folk, Post-Punk, Afrobeats.

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