OK KID – Zwei

Die Erfolgsgeschichte der aus Gießen stammenden Band OK KID begann vor ungefähr 3 Jahren. Damals veröffentlichten die mittlerweile in Köln wohnenden Musiker ihr gleichnamiges Debütalbum – und sprachen damit eine breite Maße an Menschen innerhalb der deutschsprachigen Musiklandschaft an. Damals beeindruckte bzw. faszinierte vor allem auch die musikalische Mischung aus Sprachgesang, Pop, Hip Hop und sogar etwas Elektro. So ganz konnte einfach keiner die Band einordnen, was sie damals wie auch heute noch zu etwas besonderem macht.

Doch seit dem Release des Debütalbums hat sich vieles getan. Die Bühnen, auf denen Jonas, Moritz und Raffi auftraten wurden immer größer – die Fans immer zahlreicher. 2014 folgte dann aufs Debüt die Grundlos EP, die sich schon ein gutes Stück vom Debütalbum entfernte, ohne jedoch etwas am musikalischen Stil zu ändern. Vielmehr hatte man den Eindruck, dass vor allem in den Texten der Band eine Entwicklung stattfand. Die Melancholie wich der Hoffnung. Mit Songs wie „Grundlos“ und „Unterwasserliebe“ präsentierte die Band gute Laune Ohrwürmer, die auch bei den Fans nochmal ganz anders ankamen.

Nun steht mit Zwei das – wer hätte das gedacht – zweite Album der Wahlkölner in den Läden. Und damit beenden bzw. führen die drei Musiker das fort, was sie auf der Grundlos EP begonnen haben. Denn wer mit den Songs der Band einigermaßen vertraut ist, stellt beim Hören von Zwei relativ schnell fest, dass auch diese Platte eine klare Entwicklung im Bezug zu seinen Vorgängern darstellt.

Erwachsen werden – oder doch nicht?

Denn vor allem auch inhaltlich gibt es auf Zwei einige Neuerungen, die wohl vorab fast niemand erwartet hätte. Die wohl größte Überraschung: Die Band äußert sich politisch. Der vorab veröffentlichte Song „Gute Menschen“ ist das erste wirkliche politische Statement der Musiker. Und das ist ein Faustschlag ins Gesicht aller „Ich bin ja kein Nazi, aber…“-Menschen. OK KID versuchen im Song die momentane Entwicklung in Deutschland teils ironisch, teils sehr direkt zu kritisieren – dieser Versuch gelingt.

Ich weiß nicht, was ihr habt
Ich seh‘ nur gute Menschen, die nichts Böses wollen
Nein, die nur an unsere Zukunft denken
Und wahrscheinlich werden sie es nie verstehen
Warum ich kotzen muss, wenn ich sie seh‘

So setzen auch OK KID ein Zeichen, was wohl in der momentanen Musikwelt viel zu selten geschieht. Denn auch wenn dieser Gedanke vielen wiederstrebt: Musik ist ein politisches Instrument. OK KID wagen sich mit „Gute Menschen“ zwar auf dünnes Eis, stoßen aber auf große Resonanz – indem sie vor allem die Wahrheit in Form eines Songs ausdrücken.

Da kommt einem der Gedanke, dass auch OK KID ihre Jugend vollständig hinter sich gelassen haben. Doch ob das wirklich so ist – wer weiß. Denn „Bombay Calling“ ist beispielsweise einer dieser Songs, der sich selbst ziemlich jung hält. Eine Homage an den „Bombay Sapphire Gin“ und das Leben an sich: „[…]Heute Nacht hat mein Leben wieder Gin, Bombay Calling.“

Das mag im ersten Moment erstmal lächerlich klingen, doch es ist alles andere als das. Viel mehr schlagen OK KID so die Brücke zwischen Ernst und Vergnügen und bleiben dabei authentischer als je zuvor.

Februar/Kaffee warm

Die Geschichte um „Februar“ und „Kaffee warm“ ist aus lyrischer Sicht das komplexeste und beste „Werk“, das Songwriter Jonas bis jetzt geschrieben hat. Angefangen hat die Geschichte auf dem Debütalbum der Band mit dem Titel „Kaffee warm“, darauf folgte auf der Grundlos EP der Song „Februar (Kaffee warm 2)“. Doch auch auf Zwei führt die Band die Geschichte fort, und zwar mit den Songs „Es ist wieder Februar“ und „Kaffee warm 3“.

Um den Gedankengang hinter dieser Geschichte wirklich zu verstehen, muss der Hörer eigentlich die vorangegangen Songs kennen. „Kaffee warm“ handelt dabei von einer Beziehung, die nicht wirklich funktioniert, in der aber beide Partner nicht den Schlussstrich ziehen, da auch irgendwo noch Hoffnung vorhanden ist. Hängen bleibt letztendlich vor allem der Refrain:

Und schon wieder dieses kopfzerfickende Gefühl
Dieses „Ich will nicht dass du weißt, dass ich nicht weiß was ich will“
Und ich Idiot, hol‘ deine Tasse aus dem Schrank
Brüh alles nochmal auf und halt den Kaffee für dich warm
Verdammt!

Im Song „Februar (Kaffee warm 2)“ wird die Geschichte fortgesetzt. Die Beziehung hat nun mehr ihr Ende gefunden, als Aufhänger für die Thematik wird im Song der Monat Februar genutzt. Generell kann die Aussage zwar auf „Kaffee warm“ bezogen werden, doch das muss sie nicht einmal. Die Thematik, Dinge hinter sich zu lassen, wird auch ohne Kontextbezug klar.

Auf Zwei findet die Geschichte ihre Fortsetzung – in zwei verschiedenen Songs. „Es ist wieder Februar“ knüpft dabei thematisch an den Aufhänger Februar an. Doch dabei werden, anders als beim Vorgänger, sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte des Februars erwähnt. Denn letzten Endes heißt es auch:

Mit dir tanz‘ ich den Blues so wie jedes Jahr
niemand kann das besser als du
Februar

Der andere Teil der Geschichte wird in „Kaffee warm 3“ fortgesetzt. Dabei steht wieder die Beziehung aus vorheriger Geschichte im Vordergrund. Aus „Ich will nicht dass du weißt, dass ich nicht weiß was ich will“ in „Kaffee warm“ wird hier folgende Zeile:

Ich will nur dass du weißt, dass ich weiß, was ich will!

Die generelle Aussage hat sich geändert, die Geschichte entwickelt sich weiter. Doch wer die Story vollends begreifen will, sollte einfach selber mal reinhören und sich ein Bild machen.

Textlich ist das tiefgehender, anspruchsvoller und auch ansprechender, als der übliche Einheitsbrei im deutschsprachigen Musikraum. Wir sind gespannt, ob die Geschichte nun ihr Ende gefunden hat, ober ob noch eine Fortsetzung folgt.

Featuring Frank Spilker & Megaloh

Professionelle Unterstützung bekommen die Kölner vom Die Sterne Sänger Frank Spilker. Dieser singt im Song „U-Bahnstation“ den Refrain und verleiht dem Album so auch nochmal einen Abstecher in Richtung Independent.

Als zweiter Gast ist Rapper Megaloh im Titel „5. Rad am Wagen“ vertreten. Nach seinem Album Regenmacher gilt dieser mittlerweile auch als feste Konstante im deutschen Hip Hop und er gestaltet auch mit OK KID zusammen einen deepen Rapsound.

Fazit

OK KID haben die vergangen Jahre genutzt. Die drei Jahre seit dem Debutalbum sind nicht ohne Folgen verstrichen. Zwei ist das gut durchdachte Produkt dreier Vollblut-Musiker. Sowohl textlich als auch musikalisch bietet das Album viele Facetten an und überragt die allermeisten vergleichbaren Veröffentlichungen meilenweit.

Die Geschichte um „Kaffee warm“ bzw. „Februar“ stellt eindrucksvoll unter Beweis, welches Schreibertalent Sänger Jonas mittlerweile besitzt. Musikalisch überzeugen Raffi und Moritz auf ganzer Linie und liefern eine breite Vielfalt abwechslungsreicher Beats.

Was dem ganzen nochmal einen oben drauf legt, ist die KID OK Soundsystem EP, die im limitierten Boxset enthalten ist. Darauf sind verschiedenste Songs zu hören, die alle auf elektronischen Beats basieren. Und was dabei rausgekommen ist, ist eine Mischung aus Gänsehautmomenten und totaler Eskalation.

Vor Jahren haben wir auf dem Hurricane Festival folgenden Satz häufiger gehört, den wir hier einfach mal zitieren wollen:

OK KID ist die beste Band der Welt!

Facebook: https://www.facebook.com/okkidmusik/

Lars Junker

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Lars Junker

Gründer des Ahoimag. Ganz viel Indie-Kram, gerne auch mal leise, selten auch mal laut. Vinyl-verliebt, Star Wars Fan minimal süchtig nach Kaffee.

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