Das Wort zum Sonntag – Audio-Wasserzeichen

Dass der Musikindustrie jedes Jahr eine riesige Menge an Geld über illegale Kopien im Netz oder auch privat verloren geht, ist mittlerweile wohl jedem bekannt. Und wahrscheinlich hat jeder schon mal selbst eine CD gebrannt, viele werden auch schon mal einen Song aus dem Netz runtergeladen, sowohl legal via Amazon oder ITunes als auch illegal über Tauschbörsen, das Usenet oder andere Anbieter. Die Möglichkeiten sind zahlreich, dementsprechend groß ist auch der Aufwand, den die Musikindustrie betreibt, um die illegale Weitergabe von Songs zu unterbinden.

Das Problem: Die Verbreitung

Letztendlich ist die Musikindustrie nicht daran interessiert, den Endnutzer zu erwischen, der sich 3 Alben im Internet illegal runtergeladen hat. Vielmehr wird versucht, die Uploader solcher Dateien zu finden. Klingt auch irgendwie logisch – wenn die Verbreitung gestoppt wird, kann sich niemand mehr strafbar machen und wird im Prinzip dazu gezwungen, ein Album oder einen Song zu kaufen, wenn er ihn denn haben möchte. Kritisch sind an dieser Stelle natürlich Tauschbörsen zu betrachten, bei denen der Nutzer häufig, meist ohne es zu wissen, beim Download eines Songs selbst zum Uploader wird. Und dementsprechend wird er auch von den entsprechenden Anwaltskanzleien behandelt, die mittlerweile massenweiße Abmahnungen verschicken. Doch es geht noch wesentlich effektiver, als die Nutzer solcher Tauschbörsen via IP-Tracking zu verfolgen und über die Provider ausfindig zu machen.

Die Lösung: Digitale Wasserzeichen

Um noch einfacher und auch wesentlich effizienter Verstöße gegen das Urheberrecht zu verfolgen, wird mittlerweile häufig ein digitales Wasserzeichen verwendet. Doch was genau ist das?

Ein Wasserzeichen sollte jedem bekannt sein, unter anderem werden dadurch unsere Geldscheine vor Fälschung geschützt. Doch was bedeutet das nun für einen Song?

Der Ansatz ist der folgende:

Eine Audiodatei setzt sich aus verschiedenen Frequenzen zusammen. Das menschliche Ohr ist in der Lage, Frequenzen zwischen 20 Hz und 20 kHz wahrzunehmen (grob). Mathematisch besteht die Möglichkeit, ein Audiosignal mit Hilfe der Fourier Synthese bzw. der Fourier Transformation zu verändern und zu analysieren.

Und diese Technik wird genutzt, um ein digitales Wasserzeichen zu erstellen. Unter anderem federführend in diesem Bereich ist das Fraunhofer Institut, das einen eigenen Algorithmus zur Markierung von Audiodateien entwickelt hat. Dabei werden digitale Informationen über modulierte Frequenzen in die Audiodateien aufgenommen, und da diese außerhalb des hörbaren Bereiches liegen bzw. sehr kleine Amplituden aufweisen, ist ein markierter Song für einen Menschen von einem unmarkierten nicht zu unterscheiden. Zusätzlich wird das Wasserzeichen noch symmetrisch verschlüsselt.

Die Vorteile

Einer der Vorteile besteht darin, dass es so gut wie nicht zu erkennen ist, ob ein Song ein Wasserzeichen enthält oder eben nicht. Wenn die genaue Position des Signals innerhalb des Songs nicht bekannt ist, ist es annähernd unmöglich, das Wasserzeichen aufzufinden. Und falls dies doch mal jemandem gelingen sollte, sind die Informationen nach wie vor verschlüsselt.

Ein weiterer Vorteil des Wasserzeichens besteht darin, dass es ohne weiteres nicht entfernt werden kann. Bei vielen anderen Kopierschutzmethoden ist es möglich, über eine analoge Aufnahme des Titels den Kopierschutz zu entfernen – das digitale Wasserzeichen übersteht auch das ohne Probleme. Im Praxistest hat das Institut eine vollständige Radiosendung vorab aufgezeichnet und mit dem Wasserzeichen versehen. Diese wurde anschließend während der Ausstrahlung wieder aufgenommen, das Wasserzeichen konnte dabei eindeutig identifiziert werden.

Anwendungsbereich

Die Musikindustrie profitiert von dieser Technologie vor allem durch den Einsatz im Onlinehandel. So kann ein Download beim Kauf mit der persönlichen Transaktionsnummer des Kunden versehen werden. Und somit kann für den Fall, dass die Dateien im Netz landen, problemlos nachvollzogen werden, woher diese stammen.

Ebenso interessant ist die Anwendung im Promotionbereich. Digitale Musikbemusterung (wie auch wir sie nutzen) wird mittlerweile auch häufig mit einem individuellen Wasserzeichen versehen. So kann relativ effektiv verhindert werden, dass Veröffentlichungen noch vor dem eigentlichen Release im Netz landen.

Und die Referenzliste des Frauenhofer Instituts bestätig den Erfolg der Technologie: Neben vielen Bemusterungsdienstleistern findet sich unter anderem auch der Westdeutsche Rundfunk wieder.

Fazit

Für die Musikindustrie sind digitale Wasserzeichen von großem Nutzen. Da die Technologie momentan (noch) unüberwindbar scheint, sind die möglichen Anwendungen zahlreich. Und damit mal wieder ein Grund mehr, das jeweilige Album einfach zu kaufen.

Denn letztendlich steht hinter jedem Album auch ein Künstler, der davon leben muss.


 

Fraunhofer: https://www.sit.fraunhofer.de/de/angebote/projekte/wasserzeichen/audio-wasserzeichen/

Lars Junker

About author

Lars Junker

Gründer des Ahoimag. Ganz viel Indie-Kram, gerne auch mal leise, selten auch mal laut. Vinyl-verliebt, Star Wars Fan minimal süchtig nach Kaffee.

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