Interview: Charlie Cunningham

Vor seinem Auftritt in der Kölner Kulturkirche traf ich mich mit Charlie um über Gigs, Streaming-Dienste und auch seine kommende neue Musik zu sprechen. Der junge Singer/Songwriter, der gebürtig aus Bedfordshire in England kommt, zeigte sich offen und freundlich, obwohl gleichzeitig selbst noch ein bisschen nervös, da größere Konzerte und Interviews noch immer Neuland für ihn sind. Anfang nächsten Monats wird seine dritte EP, Heights, veröffentlicht um die Trilogie zu vervollständigen, die bereits mit Outside Things (2014) und Breather (2015) begonnen hatte. Ein Debutalbum befindet sich zurzeit im Aufnahmeprozess und wird voraussichtlich Ende des Jahres veröffentlicht werden.

Ahoimag: Zum ersten Mal in Deutschland gespielt hast du als Support von Mighty Oaks, richtig?
Charlie Cunningham: Ich frage mich ob das das erste Mal war… Ich glaube das erste Mal war beim Reeperbahn. Genau, das war ein tolles Festival. Dann kam die Mighty Oaks Tour und die war unglaublich. 30 Tage und eine große Crowd, sie sind hier wirklich eine große Band.

AM: Jetzt spielst du deine eigenen Shows und diese heute war schon einen Monat vorher ausverkauft. Wie findest du das?
CC: Es ist echt verrückt. Es war ziemlich kontinuierlich, ich hab erst auf der Mighty Oaks Tour gespielt, dann meine eigene, um die gleiche Zeit letztes Jahr, eine kleine mit etwa sechs Shows. Diese ist größer, größere Venues, und darunter wirklich schöne. Das macht mich wirklich, wirklich froh.

AM: Spielst du deine Konzerte ganz alleine?
CC: Ja, die Leute hier sind von Hello Piedpiper, kennst du die? Sie sind wirklich gut, sie haben mich schon auf meiner letzten Tour supportet und spielen nur heute Abend mit mir. Aber ich spiele alleine, genau.

AM: Du bist auf Tour manchmal noch nervös vor Auftritten?
CC: Ja, immer!

AM: Hast du ein Ritual, bevor es auf die Bühne geht?
CC: [Ahmt das Ziehen an einer Zigarette nach und lacht] Ich gehe eine Rauchen, trinke etwas. Nicht zu viel, nur genug, um mich ein Wenig aufzulockern, und dann muss ich etwas allein sein. Aber es wird besser. Ich bin immer nervös, denke ich, aber das muss man auch sein. Es ist schlecht, wenn man nicht aufgeregt ist.

AM: Reist jemand mit dir oder tourst du ganz alleine?
CC: Nur ich, ich reise ganz alleine. Es ist schon ein Bisschen komisch, wenn ich mit dem Zug fahre und all mein Merchandise und die CDs und Platten dabei habe.

AM: Also reist du nur per Zug?
CC: Genau. Das ist nett, denn ich treffe jeden Abend einen anderen Support-Act und die waren bisher alle wirklich cool, also macht es mir nichts aus. Ende nächster Woche denke ich da vielleicht anders drüber, da macht mich das vielleicht schon verrückt, aber im Moment ist es gut so.

AM: Wie lange bist du schon auf Tour?
CC: Das ist mein siebter Gig, also etwa eine Woche. Bisher kein Problem, mir gefällt es.

AM: Deine dritte EP wird nächsten Monat erscheinen und man hört einen Unterschied zu den anderen beiden. War es dir wichtig, diese EP vor dem Album zu veröffentlichen um dir mehr kreativen Freiraum zu verschaffen?
CC: Das ist exakt was ich wollte, einfach alles mit der EP ein bisschen mehr öffnen, eine kleine Andeutung zu geben wie das Album wird, viel Freiraum zu haben. Aber es wird auch viel Gitarre geben, ich bin ja Gitarrist, aber eben auch Piano und andere Sachen.

AM: Auf deinen ersten EPs gab es nur deine Stimme und deine Gitarre, warum nun die Veränderung?
CC: Auf der ersten EP war auch ein kleines bisschen Synth und die zweite hatte dann ein Wenig Bass mit drin, aber ich wollte, dass alles möglichst so klingt wie live, natürlich. Jetzt fand ich es wichtig, mehr auszuprobieren. Es gibt viel Konsistenz über die drei EPs, aber ich will mich nicht nur auf die Gitarre beschränken.

AM: Wird es mehr Neues auf dem Album geben?
CC: Sehr viel Neues! Ich werde vielleicht zwei oder drei Songs der EPs auf das Album tun, ansonsten gibt es neue Songs, von denen wir vor ein paar Wochen die Ersten aufgenommen haben. Das werde ich dann weiter den ganzen März über machen und hoffentlich Anfang bis Mitte April fertig sein.

AM: Und musikalisch neues, neue Instrumente?
CC: Ja, ein paar Sachen, einfach was nötig ist. Ich will keine Grenzen, aber es soll auch kein großes, ausgelastetes, geschichtetes Ding werden, es soll immer noch das sein, was ich gerade mache. Es wird Neues geben, aber es wird meine Musik bleiben. Ich will nicht zu weit gehen, aber ich will es interessant halten.

AM: Die drei EPs verbindet auch die Cover-Bilder. Was hat es damit auf sich und hast du vor, mit dem Album etwas Ähnliches zu machen?
CC: Ich wollte von Anfang an drei machen und diese sollten visuell und musikalisch gut miteinander funktionieren, aber mehr war nicht wirklich dahinter. Ich habe mir allerdings noch keine Gedanken darüber gemacht, wie das Album aussehen wird.

AM: Was hat dich dazu gebracht, Musik zu machen?
CC: Ich habe schon immer Musik gemacht, seit ich klein bin. Wir hatten ein Klavier in unserem Haus und als ich etwa 13 war habe ich eine Gitarre bekommen. Ich wollte es schon immer, fühlte mich immer zur Musik gezogen, sie zu hören. Ich weiß also nicht genau, was es war, es ist eines dieser Dinge die man einfach tun muss. Und das habe ich dann einfach getan.

AM: Was inspiriert dich?
CC: Vieles, das ich während meiner Jugend gehört habe. Ehrliche Musiker, denen man anhört, dass sie sie selbst sind. Original, nicht zu gekünstelt. Abseits von Musik inspirieren mich meine Familie, meine Freunde. Ich mag es, umher zu reisen. Die Leute sind auch sehr interessant, ich gehe gerne in den Underground  um die verschiedenen Leute kommen und gehen zu sehen. Es gibt Zeiten, da ist alles inspirierend, und es gibt Zeiten, in denen das nicht so ist.

AM: Welchen Ort, an dem du warst, magst du am liebsten?
CC: Ich war über die letzten Jahre an vielen Orten. Alles ist großartig, wenn du es mit anderen Orten vergleichen kannst. Wenn du an verschiedenen Orten warst, lernst du ihren Charakter kennen und unterscheidest. Ich war vor ein paar Tagen in Hamburg, da gefällt es mir gut, dort habe ich immer gute Gigs. Köln ist auch schön, ich hatte schöne Auftritte hier. Kopenhagen ist wirklich toll und ich war vor kurzem zum ersten Mal in Dublin. Ich habe wirklich Glück, so viele Orte besuchen und meine Musik dort spielen zu können.

AM: Was würdest du tun wenn du kein Musiker wärst?
CC: Phu, gute Frage. Ich schätze ich würde etwas draußen machen, mit meinen Händen. Ich kann nicht lange stillsitzen, es müsste etwas sein bei dem ich mich bewege und aktiv bin. Du hast vielleicht gemerkt, dass ich zappelig bin. Aber ich habe nie darüber nachgedacht um ehrlich zu sein.

AM: Momentan wird viel über Streaming-Anbieter diskutiert. Was denkst du als aufstrebender Musiker über das Thema?
CC: Soweit es mich angeht waren sie wirklich gut für mich. Sie waren gut für Menschen um meine Musik zu hören und ihre Reichweite ist sehr, sehr groß. Ich bin eher ein Live-Musiker und verdiene den Großteil meines Geldes mit Auftritten und darum geht es mir auch. Ich konzentriere mich nicht darauf, Platten zu verkaufen, ich denke das wäre unklug. Ich möchte einfach live spielen – aufnehmen und performen – und Dienste wie Spotify helfen dabei, Menschen meine Musik näher zu bringen und zu verbreiten, da habe ich kein Problem mit. Auf der anderen Seite entgehen mir auch nicht Millionen an Verkäufen. Ich bin bloß ein neuer Künstler, der spielen will, also bin ich cool damit. Es hängt davon ab, was für ein Typ Musiker man ist: wenn es dir hauptsächlich ums Schreiben und Aufnehmen geht, damit du ein Lied hast, aber nicht planst, es allzu oft live zu spielen, dann kann es natürlich schwer sein. Aber wenn du eher auf der Live-Seite stehst, kann es wirklich nützlich sein.

AM: Vielen Dank!
CC: Danke, das war cool!

 

Wenn ihr mehr über Charlie Cunningham erfahren wollt, lest euch doch hier unseren Konzertbericht über den Abend durch!

Facebook: https://www.facebook.com/charliecunninghammusic/

Bild: Alex De Mora

Alexander Mann

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Alexander Mann

Alexander, 21, Student. Indie, -pop, -rock, -tronic, -folk usw. Außerdem gerne vieles weiteres von Hip-Hop bis Metal.

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