Das Wort zum Sonntag – Festivalhype

Zwar hat das größte deutsche Festival Rock am Ring im letzten Jahr seine Location wechseln müssen, doch es wurde trotzdem ein Besucherrekord von mehr als 90.000 Gästen erreicht. Und auch das diesjährige Line-Up sieht mehr als vielversprechend aus.

Und damit nicht genug. In Deutschland finden mehr Festivals als je zuvor statt, und auch im Ausland bieten sich für Freunde von Livemusik etliche Möglichkeiten. Dieser Trend hat in den letzten Jahren stark zugenommen, viele junge Menschen besuchen jährlich ein Festival ihrer Wahl – oder auch mehrere. Doch woher kommt dieser Boom?

 

Woher der Hype?

Die Ursachen, weshalb die Nachfrage nach Festivals in den letzten Jahren so gestiegen ist, sind vielseitig. Sicherlich bestehen über die sozialen Medien mittlerweile bessere PR Möglichkeiten, als noch vor 10 Jahren. Nahezu wöchentlich werden bei einem der inländischen Festivals neue Acts bestätigt, sowohl durch die Publikation der Festivals selbst als auch durch die jeweiligen Bands – Fans werden so direkt angesprochen.

Ebenfalls nicht unwichtig ist der Wandel, der unsere Musikwelt in den letzten Jahren ergriffen hat. Kaum eine Band macht noch Musik, als das man sagen könnte: Das ist Rock. Im Gegenteil – bei vielen Interpreten vermischen sich die Genreeinflüsse so stark, dass eine Einordnung in ein spezielles Genre schlicht nicht mehr möglich ist. Und das wirkt sich auch auf die Festivalkultur aus. Kaum ein Festival engagiert ausschließlich Acts einer speziellen Musikrichtung. Beim Namen Rock am Ring stimmt so mittlerweile weder das „Ring“ noch das „Rock“. Die Zeiten in denen Festivals nur eine bestimmte Zielgruppe ansprechen, sind vorbei. Zumindest bei den meisten – Wacken zum Beispiel bleibt seiner Linie der härteren Musik definitiv treu und stellt so eine der Ausnahmen dar.

Die Entwicklung der Jugendkultur spielt ebenfalls eine Rolle. Und da vor allem junge Menschen Festivals besuchen, besteht auch an dieser Stelle ein Zusammenhang. Es geht bei den Massenevents schon lange nicht mehr nur um die Musik – Festivals sind Urlaub, Sauftour und Musikveranstaltung zugleich. Und so kommt es, das viele Besucher nicht (hauptsächlich) wegen der Musik die entsprechende Veranstaltung besuchen, sondern weil sie Lust auf ein Wochenende voller Flunkyball, Dosenstechen und Beerbong Besäufniss haben. Traurig, aber wahr. Dabei bleibt die Musik dann für viele auf der Strecke.

Und in gewisser Weise sind Festivals auch einfach Selbstläufer, die im Idealfall auch ohne große PR Maßnahmen ihre Besucherzahlen problemlos erreichen. Denn wer ein unvergleichliches Wochenende erlebt, kommt auch im nächsten Jahr gerne wieder.

 

Probleme?

Für die an der Musik interessierten Besucher eines Festivals sind die Besucher, die lediglich die ganze Nacht den Zeltplatz wach halten und sich zwei Bands am ganzen Wochenende ansehen, mehr als nervig. Die Stimmung erinnert auf so manchem Festival an den Ballermann – traurigerweise überschneidet sich mittlerweile auch die Zielgruppe. Unter diesem Problem leiden vor allem die wirklich großen Festivals – zum Beispiel Rock am Ring, das Hurricane oder das Deichbrand.

Bei vielen kleineren Festivals geht es wesentlich gemütlicher zu, fast schon familiär. Doch auch die haben ein Problem mit den großen Festivals gemeinsam: Den Müll. Jeder Festival Besucher hinterlässt etliche Kilo davon, darunter auch Sperrmüll wie Zelte, Pavillons und auch Wohnwagen werden hin und wieder zurückgelassen. Ökologisch gesehen nicht tragbar.

 

Die Zukunft?

An den ökologischen Problemen wird sich wohl in Zukunft so schnell auch nichts ändern. Doch die Frage ist, wie lange der Trend noch anhält. Definitiv wird irgendwann der Punkt kommen, an dem vor allem viele kleinere Festivals Probleme bekommen werden. Alleine deshalb schon, da die Generation, die momentan den größten Anteil an Besuchern bringt, auch älter wird. Bleibt natürlich abzuwarten, wie sich die folgenden Generationen verhalten werden.

Die Preisentwicklungen sind ebenfalls nicht ganz unbedeutend. Bei vielen Major Festivals sind die Preise in den letzten Jahren derart gestiegen, dass auch da irgendwann der Punkt erreicht wird, an dem die Besucher aus finanziellen Gründen ausbleiben werden.

 

Schlussstrich

Grundsätzlich freuen auch wir uns über die mittlerweile fast unbegrenzten Möglichkeiten, die sich in der momentanen Festivallandschaft bieten. In den Sommermonaten kann nahezu an jedem Wochenende ein Festival besucht werden, vorausgesetzt man besitzt die Zeit, ein Auto und das nötige Geld dazu.

Nahezu jeder findet, sofern er bereit ist einige Stunden Autofahrt auf sich zu nehmen, ein Festival mit dessen Line-Up er kompatibel ist. Und das ist auch gut so.

Doch bitte, verschont uns in Zukunft mit Helene Fischer und Mickie Krause auf dem Zeltplatz.

 

Lars Junker

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Lars Junker

Gründer des Ahoimag. Ganz viel Indie-Kram, gerne auch mal leise, selten auch mal laut. Vinyl-verliebt, Star Wars Fan minimal süchtig nach Kaffee.

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