Das Wort zum Sonntag – Vinyl (inklusive Verlosung)

Sonntag mal wieder. Der Tag in der Woche, der häufig mit Kopfschmerzen beginnt und eigentlich immer mit schlechter Laune endet. Einfach auch deshalb, weil auf jeden Sonntag nun mal unumgänglich ein Montag folgt.

Wie holt man aus diesem vermaledeiten Tag noch etwas Positives raus? So mancher bekämpft den Sonntag so, wie der Samstag geendet hat. Doch mal ehrlich, an einem Sonntagnachmittag Bier zu trinken ist (leider) auch keine permanente Lösung. Mal davon abgesehen, dass der Montag dadurch auch nicht besser wird. Andere schwören auf frische Luft, Bewegung und sportliche Aktivität.

Als leidenschaftlicher möchtegern-Musiknerd mit end-Wochenende-Depression kommt das erst recht nicht in die Tüte. Doch es gibt noch eine Alternative, die sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit erfreut. Vinyls werden wieder gepresst, verkauft und auch gehört. Die Verkäufe sind innerhalb der letzten Jahre kontinuierlich angestiegen, und das nicht ohne Grund. Warum dann nicht einfach Sonntag mal den Kater in Ruhe Kater sein lassen, den Plattenspieler anmachen und sich durch die heimische Sammlung durcharbeiten?

 

Warum Vinyl?

Diese Frage hat sich wahrscheinlich schon jeder musikalisch orientierte Mensch irgendwann einmal gestellt, beantwortet wird die Frage wohl wahrscheinlich nur von denen, die selber Vinyl hören. Was haben diese sperrigen Platten nur an sich, dass sie so viele Musikliebhaber begeistern? Die Antwort auf diese Frage ist mit Sicherheit keine leichte, doch es gibt einige Punkte, die wohl die meisten Plattenhörer miteinander verbinden.

Es fängt schon beim Kauf der Platte an. Klar, die Teile werden auch von Amazon am nächsten Tag geliefert, was die meisten wahrscheinlich auch schon mal (gezwungenermaßen) genutzt haben. Doch ebenso wird nahezu jeder Plattenhörer auch schon mal im Plattenladen eingekauft haben, und wenn nicht: Selbst schuld. An einem Samstagnachmittag beim Verkäufer des Vertrauens die Regale durch zu stöbern und währenddessen noch von der liebsten Metalscheibe des Besitzers beschallt zu werden, gehört wohl zu den besten Beschäftigungen, um Zeit und Geld loszuwerden.

Für die allermeisten steht wohl auch der Sound des Vinyls im Vordergrund. Der analoge und warme Klang hat schon so manchen Audiophilen von sich überzeugt, wobei der Klangunterschied zwischen Vinyl und CD unter technisch ähnlichen Bedingungen für den normalen Verbraucher kaum zu hören ist.

An dieser Stelle kommt die Form ins Spiel. 180g Vinyl gegenüber 15g CD. Alleine die Haptik sorgt beim Vinyl schon für einen gewissen Wohlfühlfaktor. Man hat etwas in der Hand. Etwas, das greifbar ist. Keine Mischung aus Einsen und Nullen auf einer Polycarbonatschicht, die so dünn ist, dass viele Menschen nicht einmal das Präfix der zugehörigen Einheit kennen, mit der diese Dicke angegeben wird. Doch 180g Vinyl sind mehr als greifbar, und die Rille in der Platte ist sichtbar. Vielleicht liegt die Faszination für Vinyl auch einfach am Retrofaktor. In einer vollkommen digitalen Welt, in der jeder mit jedem vernetzt ist und Google, Facebook, Amazon und  Konsorten alles über uns wissen, ist es doch irgendwie beruhigend, wenn zumindest keiner mitbekommt, welche Platte gerade läuft  (von den Mitbewohnern mal abgesehen). Weil das Vinyl inzwischen nicht mehr nur Musik verkörpert, sondern auch eine analoge Rettungsinsel in einer digitalen Welt darstellt.

Der Zug mit den persönlichen Daten und dem Datenschutz ist für die meisten von uns bereits abgefahren. Absolut gläsern – egal ob gewollt oder nicht. An dieser Stelle fungiert das Vinyl auch irgendwie als Trotzreaktion, der rebellische Mittelfinger in Richtung derer, die eben jenen Zug mit unseren Daten fahren.

Vinyl ist Vergangenheit, Gegenwart und (hoffentlich) auch Zukunft. Und genau deshalb werden bei uns – und sollten vielleicht auch bei euch – sonntags Platten gehört werden.  Als patentiertes Rezept gegen jeden Kater – egal ob Pink Floyd, Metallica oder Thees Uhlmann. Vinyl würdigt Musik, wie es sonst kein anderes Tonmedium schafft. In Zeiten von Spotify und Deezer hört kaum jemand noch ein Album von Anfang bis Ende – auf Platte schon.

Und die Vorstellung, dass, nachdem die menschliche Rasse ausgestorben ist und unsere Überreste von Außerirdischen gefunden werden, diese beim Versuch uns anhand eines gefundenen Haftbefehl Vinyls zu analysieren, einfach nur kläglich scheitern, ist sowohl komisch als auch reizvoll.

Hoch lebe das Vinyl. And support your local Recordstore.

 

P.S: Wer uns als erster sagen kann, welche Platte da auf dem Beitragsbild zu sehen ist, bekommt einen unserer schicken Turnbeutel geschenkt.
Wenn du den Namen des Albums und des Künstlers/der Band kennst, schick uns einfach eine Mail an verlosung@ahoimag.de.
Kleiner Tipp: Irgendwo im Ahoi Magazin ist ein Hinweis versteckt 😉

 

boitel

Lars Junker

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Lars Junker

Gründer des Ahoimag. Ganz viel Indie-Kram, gerne auch mal leise, selten auch mal laut. Vinyl-verliebt, Star Wars Fan minimal süchtig nach Kaffee.

One Comment

  1. Linda sagt:

    “diese beim Versuch uns anhand eines gefundenen Haftbefehl Vinyls zu analysieren” , was für eine traurige Vorstellung, dass gerade sowas von unserer Kultur übrig bliebe.. juhu

    “Vinyl würdigt Musik, wie es sonst kein anderes Tonmedium schafft.”: yes. Langspielplatten bringen uns wieder dazu, Musik in ihrer vom Künstler erdachten Reihenfolge zu hören. Die Technik, in der einzelne Lieder aus durchdachten Alben herausgerissen und in wirre Playlists gepackt werden, hat uns schon so manche Alben zerstört, die nur als Gesamtwerk funktionieren (siehe alles von Pink Floyd). Hin und wieder sollte man sich vom Vinyl (auch CDs) dazu zwingen lassen, ganze Alben, auch mit ihren weniger guten Liedern zwischendurch, auszuhalten.

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