Jahresrückblick 2015

Das Musikjahr zusammenzufassen ist eine Aufgabe, der kaum jemand heutzutage noch gerecht wird. Zu viele Genres – zu viele Veröffentlichungen, die einfach viel zu verschieden sind, als dass man noch ein Ranking erstellen könnte, mit dem alle glücklich werden.

Dementsprechend wollen wir hier auch kein Ranking aufstellen, sondern nur noch mal 12 Alben Revue passieren lassen, die 2015 für uns zu dem gemacht haben was es war. Ganz ohne Reihenfolge und Genregrenzen.

 

Sizarr – Nurture

Mit dem Nachfolger zu Psycho Boy Happy zeigten die jungen Alternativen, dass es doch noch Indiebands gibt, die nach ihrem Debutalbum nicht nur noch wertlose Massenmusik produzieren. Nurture überraschte zwar nicht unbedingt – die Ähnlichkeiten zum Vorgänger sind dazu einfach zu groß – überzeugte jedoch trotzdem auf ganzer Linie. Und mit den zum Ende des Jahres veröffentlichen, zusätzlichen Songs auf der Studio Tour Editions rückte das ganze Album noch mal in ein vollkommen anderes Licht. Mit reichlich Unterstützung kamen da vier elektronisch angehauchte Songs auf uns zu geflogen, die einfach gewürdigt werden müssen. Auch auf Grund dieser Vielfalt und dem gewagten Sprung ins elektronische – nicht zu vergessen den atemberaubend guten Live-Auftritten – zählt Nurture für uns zu den Highlights 2015.

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Jamie XX – In Colour

Schon zu Beginn des Jahres war nach der Veröffentlichung von In Colour klar, das Jamie XX damit auch in den Jahrescharts sämtlicher Musikmagazine auftaucht. Und das auch vollkommen zurecht. Mit seiner ersten eigenen Platte folgte auf zahlreiche vorab veröffentlichte Singles ein Werk, wie es besser kaum sein konnte. Vom ersten bis zum letzten Song – Jamie Smith griff nach Perfektion. Und griff dabei nicht ins Leere. Die Mischung aus elektronischen Beats und analogem Sound erschuf auch mit Hilfe seiner Bandkollegen eine Atmosphäre, die nach Gänsehaut schrie. Wir wünschen uns für 2016, dass das nächste Album von The XX ein ebenso schönes Kunstwerk wird, wie die Soloplatte des jungen Briten.

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Zugezogen Maskulin – Alles brennt

Auch die beiden „zugezogenen“ Berliner Testo und Grim104 haben uns 2015 von sich als Zugezogen Maskulin überzeugt. Mit Ansagen wie „Endlich wieder Krieg“ und „Oi!“ wurde die politische und kulturelle Stimmung des letzten Jahres ganz gut charakterisiert – mal davon abgesehen, dass die Beats auf Alles brennt durchgehend stark sind und einfach gespielt werden wollen. Zugezogen Maskulin ist in etwa das, was man von Hip Hop wollte, aber nie wirklich erwartet hat. Laut, agressiv und aussagekräftig – genau sowas wünschen wir uns ab sofort häufiger!

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Maribou State – Portraits

Portraits von Maribou State gehört wohl eher zu den Alben, das kaum in den Jahrescharts auftaucht. Wieso das so ist, bleibt für uns fragwürdig. Mit einem Album, welches durch seine basslastigen und dennoch melodischen Songs auffällt, haben die beiden Engländer uns auf ganzer Linie überzeugt. Dabei bleiben vor allem die von Holly Walker unterstützten Songs positiv in Erinnerung. Und auch Live überzeugten die Engländer: Im Kölner Yuca bewiesen die beiden uns, dass sie definitiv zur Liga der Großen gehören.

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Romano – Jenseits von Köpenick

Der wohl wunderbarste Sonderling des Jahres ist definitiv Romano. Der aus Köpenick stammende Berliner veröffentlichte mit seinem Debüt Jenseits von Köpenick ein Album, das Berlin nochmal in einem anderen Licht darstellte. Mal abseits von Kreuzberg und Friedrichshain etwas aus unserer Hauptstadt zu hören, war grundsätzlich schon mal eine willkommene Abwechslung. Und Romanos Musik könnte man so wohl auch ganz gut beschreiben. Mit seinen Hits „Metalkutte“ und „Klaps auf den Po“ sprengt der Berliner einfach vollständig jegliche Genregrenze. Verrückt, aber verrückt gut!

AlbumcoverROMANOBeirut – No No No

Mitte September veröffentlichten Beirut mit No No No ihr viertes Studioalbum. Und obwohl der September eigentlich schon zum Herbst gezählt werden kann, gilt das Album doch bei vielen als das Sommeralbum des Jahres. Mit einer Instrumentalisierung bzw. mit einem Klang, der nahezu einzigartig ist, erschafft sich das Album seine ganz eigene Atmosphäre. Zur guten Stimmung der Songs gesellt sich die Stimme des musikalischen Antriebs Zach Condon hinzu, der so das warme und einladende Klangbild vollendet. Abgerundet mit Trompetenklängen ist No No No so gut wie es auch speziell ist – Beirut trifft grundsätzlich nicht jedermanns Geschmack. Doch wenn ein Album der Band dies vermag, dann ist es No No No.

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K.Flay – Life as a Dog

Mit Life as a Dog veröffentlichte die Amerikanerin im letzten Jahre ihr erstes Album, nachdem sie bereits mit einigen EP’s auf sich aufmerksam gemacht hatte. Von den insgesamt 11 Songs auf der Platte schaffen es wirklich alle, in Erinnerung des Hörers zu bleiben. Dabei ist vor allem die Mischung aus Hip Hop und anderen Musikeinflüssen wie dem Pop oder Independent dafür verantwortlich, dass das Album von sich überzeugt. Auch die Stimme der 30 Jahre alten Kristine passt optimal in die Instrumentals und vollendet somit ein Werk, welches das Genre Hip Hop an sich bereichert. Dabei klingen die teilweise doch recht poppigen Melodien zwar schon mehr nach Radio als nach Szene-Club, doch dadurch wird Life as a Dog nicht geschmälert. K.Flay gehört auf jeden Fall in jede gute Musiksammlung – sei es Indie oder Hip Hop.

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Grimes – Art Angels

Wer mit der kanadischen Sängerin Claire Boucher, besser bekannt als Grimes, vor anhören des Albums nicht vertraut war, der erlebt sicherlich bei einigen Songs von Art Angels eine ziemliche Überraschung. Mit einer bunten Mischung aus Pop, Electro und Psychedelic kommt das Album extrem vielseitig daher, so wie auch sein Vorgänger Visions – ist aber auch nicht unbedingt einfach in der Handhabe. Doch zählt das Werk zu einer dieser Platten, die einfach ihre Zeit brauchen und mit jeder zusätzlichen Wiedergabe an Charakter und Tiefe zunehmen. Und trotz psychedelischen Einflusses schafft die Kanadierin es, mit Art Angels eine positive Stimmung zu übertragen – und dabei schreien die Songs schon fast danach, auf der Tanzfläche zelebriert zu werden. So schafft Grimes es unter unsere Jahreslieblinge, nicht zuletzt auch auf Grund des sehr speziellen Artworks.

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Editors – In Dream

Die Editors brachten am 02 .Okotber 2015 ihr fünftes und neues Album In Dream hinaus, welches wie jedes ihrer bisherigen Alben einen neuen und außergewöhnlichen Sound beinhaltete. Die leider kurze Platte mit zehn Liedern geht von den dynamischen Rock Sounds wie auf The Weight of your Love zurück und begibt sich mehr in die Richtung von den elektronischen Sound wie In This Light And On This Evening, auf der Tom Smiths, der Sänger der Editors, seine Stimme ins Rampenlicht stellt.

Großartig!

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Frittenbude – Küken des Orion

Am 21. August 2015 erschien das vierte Album der Band, welches den Namen „Küken des Orion” trägt. Darauf zeigt sich die Band von peitschenden elektronischen Beats zu harmonischen poppigen Melodien sehr abwechslungsreich. Auffallend ist jedoch, dass die Band ruhigere und nachdenklichere Töne anspricht, was die Platte aufweckend gestaltet. Die Band zeigte sich ebenfalls bei einem Konzert in der Live Music Hall in Köln als neu gefundene, überzeugte und vor allem soundtechnische hervorragende Band.

Frittenbude machen mit diesem Album einen großen Schritt und zeigen, dass ihr Steigflug noch lange nicht beendet ist.

Denn: Rave ist kein Hobby!

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Kendrick Lamar – To Pimp A Butterfly

To Pimp a Butterfly ist das dritte Album des US-amerikanischen Rappers Kendrick Lamar, welches im März des letzten Jahres erschien. Ein aufweckendes, lyrisch wahnsinniges und – wie erwartet -einzigartiges Album.

Nach good kid, m.A.A.d City waren die Erwartungshaltungen der Rap-Enthusiasten extrem hoch – doch niemand wurde enttäuscht. Kendrick Lamar veröffentlichte mit To Pimp A Butterfly eines der besten und auch politisch wichtigsten Alben des vergangenen Jahres. Vor allem nach den Vorfällen in Ferguson kam mit dem Album eine Antwort bzw. ein Statement, was durchaus zum Nachdenken einlädt.

Kendrick Lamar lässt mit diesem außergewöhnlichen Album seine Kritiker applaudieren und ist seitdem kein Newcomer mehr, sondern ein gefragter Star!

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Foals – What Went Down

Das neue erwartungsvolle Album der Foals kam im August 2015 daher. Es wurde viel darüber gesprochen – selbst die Fans der Band waren sich über die Platte sehr uneinig: Stadionrock? Auf Wiedersehen Antidotes? Die Foals haben sich verändert. Und das ist auch gut so! Die Band wächst stilistisch mit jedem weiteren Album und auch bei ihrer neusten Platte What Went Down beweisen die Engländer, dass sie das Zeug zum Indierockgiganten haben.

Viele abwechslungsreiche und lang ausgespielte Lieder füllen die Platte zu einen Kunststück der Band.

The Foals remain in the Foals.

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Text: Jonas Cremer, Lars Junker

Lars Junker

About author

Lars Junker

Gründer des Ahoimag. Ganz viel Indie-Kram, gerne auch mal leise, selten auch mal laut. Vinyl-verliebt, Star Wars Fan minimal süchtig nach Kaffee.

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